Frauenpower - Frauentrauer

Marschner_Leser
Wahlrecht . Macht . Demokratie - 100 Jahre Frauenwahlrecht. Frauen sollen in überholte Vorstände überproduzierender Konzerne. Sie sollen in kaputte Bankensysteme. Sie sollen einen floppenden Journalismus peppen. Politik schafft sich ab und Frauen sollen das verhindern. Die erste Kanzlerin. Eine linke Heldin. Eine singende Sozialdemokratin. Zwei betroffene Grüne. Eine homosexuelle Ultrakonservative. Eine Ministerin, die uns verteidigt. The Feministerin, Frau Alice Schwarzer, betreut den Kachelmann-Prozess - für die BILD. Eine Frau will ihn zerstören. Sechs bis zehn Frauen packen aus. Eine Verlegerin zahlt 50.000 Euro für eine Story. Sie kann es sich leisten. Er musste sich vor Gericht verantworten. Freispruch. Seine Arbeit hat er nur verloren, weil er keinen Ehering, keine Ehefrau, keine Kinder vorweisen konnte. Die Ehefrau von Herrn Kavanaugh war stets an seiner Seite. Gründerinnen erfinden Büstenhalter und Carsten Maschmeyer investiert. Big Daddy muss das Geld durch Macht sichern. Herr Kachelmann hat die Männerwelt nicht verstanden. Warum fallen mir dabei die Gräber der Gebrüder Grimm ein? Ach richtig! Die Namen der Ehefrauen fanden keinen Platz auf den Grabsteinen. Die Emanzipation ist schlicht abgeschmiert. Vor einigen Tagen erzählte ein Radiomoderator die Geschichte eines russischen Millionärs. Das Wort Vater konnte der Witzbold nicht finden. Der Mann ließ für das Grab seiner Tochter ein großes IPhone aus Marmor fertigen. Er setzte ihr damit ein Monument! Mit dem IPhone wurde sie erfolgreich. Der Radiomoderator skizzierte ein absurd unreifes Friedhofsszenario. Seine Co-Moderatorin unterstützte ihn gefällig kichernd. 100 Jahre wählen Frauen die Gefälligkeit. Viele setzen sich die Krone im Leben selbst auf den Kopf, glauben, dass ihnen der emanzipatorische Akt gelungen sei und sagen am Ende: "Die Beerdigung? Die ist doch nicht so wichtig. Wir merken ja dann eh nichts mehr. Das würden Männer auch so machen." Der Grimm-Effekt in der missglückten Emanzipation verschweigt die Bäckerinnen, die Tischlerinnen, die Kosmetikerinnen, die Verkäuferinnen, die Kellnerinnen, die Küchenhilfen, alle unterschätzten Frauen. Die emanzipierten Frauen haben längst erkannt, dass es kein oben und kein unten gibt, kein rechts und kein links. Genau zwei gesellschaftliche Gruppen werden in die Zukunft gehen: Die digitale, vernetzte, überwachte, abhängige, auf dem virtuellen Wühltisch lebende Gruppe, die jedes Produkt unmittelbar entwerten muss - und die konsequent eigenwillig und schwer erreichbare Gruppe, die Handwerk, Können und Qualität fördert und befördert, im System agiert ohne sich einem Diktat zu beugen. Modemacher wie Paul Harnden machen das extrem erfolgreich vor. Er fertigt seine Kleidung an 100 Jahre alten Webstühlen, nimmt fast nie an Modeschauen teil und lässt sich sehr selten fotografieren. Seine Händler sucht er sich genau aus. Sein Werbegeschenk ist ein Zimmermannsbleistift. Er hat Emanzipation verstanden.