Abstraktionismus

Ich glaube, Donald Trump färbt ab. Er färbt unser Rechtssystem ein. Er unterwandert unsere Freiheit. Er tauscht uns bereits aus. Keine Panik. Die 68er leben schließlich noch. Ein junger Anwalt, keinesfalls ein Feminist, wie mein Anwalt, begegnet einer Klage so: "Mit Nichtwissen wird bestritten…" Er zweifelt öffentlich meine Firma an, er zweifelt meine Kompetenz an, er zweifelt meinen Inhaberstatus an. Der Richter, ein echter Feminist, ein echter 68er, der bestreiten würde, dass er je wirklich ein 68er war, bringt jenen Anwalt in die Realität zurück: "Ich glaube nicht, dass Frau Marschner Ihre Zeit, ihre Rechtsschutzversicherung und ihren Anwalt bemüht hätte, um ein ihr unbekanntes Geschäft zu verteidigen. Das bloße Bestreiten wird hier nicht laufen…" Der junge Anwalt sieht in seine Unterlagen und sagt sinngemäß, dass man in Deutschland mit dieser Strategie nicht vertraut sei. Er meint, dass man in einer Vertrautheit auch die Geburtsurkunde anzweifeln kann. Mein Vater war ein Feminist! Er hat meine Mutter nie angezweifelt. Nichts an ihr hat er je angezweifelt. Meine Mutter war eine Feministin! Sie hat sich selbst angezweifelt. Im Abstraktionismus glauben Menschen, dass das Leben Themen hat, die erledigt sein könnten. Das ist ein großer Irrtum. Stell Dir vor, dass jeder Jurist Dein Leben, Deine Religion, Dein Wissen, Dein Können, Deine Lebensart anzweifeln kann. Und stell Dir weiter vor, dass es keine feministischen Richter gibt, die das sofort unterbinden. Ich liebe die Generation der 68er, auch jene Zeitzeugen, die diese Zeit bezeugen. Womöglich kommt irgendwann ein Jurist daher und sagt: "Mit Nichtwissen werden die 68er bestritten." Ich bin nicht erstaunt, dass zum Beispiel das Wissen um Sterben und Tod, um Bestattung und ziemlich junge Rituale verschwunden ist. Ich glaube, dass die echten öffentlichen Gespräche dringend gefördert werden müssen. Eine sehr spannende Generation weilt - hoffentlich noch lange - unter den Lebenden. Sie müssen Geschichten überliefern.