The Academy

Marschner_Academy
Es gibt 2 Bücher in meinem Leben, die ich nicht verleugnen darf. Die Bibel kann ich mittlerweile tanzen. Das Bestattungsgesetz könnte ich lyrisch poetisch vorsingen. Beide Bücher waren richtigermaßen verantwortlich dafür, dass ich meine Mitgliedschaft in der Bestatter-Innung Berlin beenden musste. Beide Bücher machen mir heute klar, schlimmer als jemals zuvor, dass drittklassige Bestatter den Markt verderben und zerstören werden. Der Ach-Gottchen-Youtube-Bestatter und der Zinseszins-Bestatter. Beide Typen sind bereits heute von gestern, weil man ohne Fundament nicht in die Zukunft kommt. Ich beschreibe ein Beispiel aus meinem Privatleben. Am Wochenende war ich in der Canon Academy. Ich war also in einer Schule, um etwas zu lernen. Ich persönlich fühle mich sehr schnell unterfordert, weil ich aus alten, fundamentalen Schulen komme. Der 1. Grundsatz für Selbstbewusstsein, in Deutschland als Arroganz geketzt, lautete: "Kopf hoch!" 8 Menschen, so auch ich, gehen also in die Canon Schule. Academy klingt gut, wenn dieses Wort gefüllt wird. Eine freundlich aufgeschlossene Fotografin begrüßt uns - in einem tollen Studio - mit einem tollen Model. Die Fotografin zeigt uns ihre Fotos. Eine eigenartige Stille legt sich über die Gruppe. Das Model löst bei mir bereits den Guppy-Alarm aus und ich schweife durch den Raum, sehe bereits Bilder. Natürlich wirke ich abgelenkt. Die Texte, die später an der Leinwand stehen, kenne ich aus der Betriebsanleitung, die ich nicht tanzen möchte. Ich bin nicht unaufmerksam. Ich bin unterfordert. Nach einer Stunde kenne ich die 7 anderen Fotografen etwas besser. Ingo fotografiert Tiere in Afrika. Manfred fotografierte bereits analog, Edelgard fotografiert Kinder. Norbert fotografiert eigenwillige Menschen. Hannelore und Klaus fotografieren Landschaften. Ich selbst knipse gerne Menschen. Alle Schüler haben ihre hochwertige Ausrüstung mitgebracht. Schließlich will jeder mit seiner Kamera einen richtig guten Umgang pflegen. Am Ende eines jeden Tages sollen wir Ergebnisse zeigen, die besprochen werden. Die Bilder eines jeden Teilnehmers hauen mich schier vom Hocker, weil jeder Fotograf andere Momente festhalten konnte. Ich erlaube mir zu sagen, dass besonders die Handschrift des Tierfotografen unverkennbar scheint. Alle lachen, sogar die Lehrerin. Das unterfordert mich über alle Maße. Die Lehrerin erinnere ich trotzdem als nett und freundlich. Dafür muss ich allerdings nicht in eine Academy gehen. Meine Branche, wahrscheinlich die gesamte deutsche Wirtschaft, leidet nicht an einem Fachkräftemangel. Fachkräfte gehen, weil sie sich maßlos unterfordert fühlen. Sie langweilen sich zu Tode. Überbezahltes Führungspersonal arbeitet miserabel. Jene Lehrerin hat DAS Auge, vor lauter Präsentation, vor lauter Event, verloren. Das schlechte Führungspersonal bei Canon ist nicht in der Lage, spezialisierte Fotografen richtig einzusetzen. Ich glaube, Kindern geht es in Schulen ebenso. Die Fotografie zeigt mir immer wieder, dass Unendliches in einem einzigen Menschen steckt. Lasst uns Deutschland rocken.