Kollektive Schicksalsschläge und Schläge

Marschner_Gedaechtniskirche
Die Entlohnung ist nicht mehr an eine Qualifikation gebunden. Die verbale Entlohnung, weit von Liebesformeln entfernt, ist nicht mehr an Höflichkeitsformeln gebunden. Und plötzlich tragen intelligente Aussteiger die richtige Kleidung. Der Lohn einer Schuhverkäuferin trieb eine Schuhmacherin nach Spanien. Das Meer und die freundlichen Menschen sind für sie eine schöne Entlohnung. Eine Krankenschwester mochte diese Perspektive. Sie arbeitet heute in einem spanischen Dialysezentrum. Ein verhöhnter Fliesenlegermeister ging mit seinem Bruder nach Griechenland. Heute sanieren sie Bäder für freundliche Menschen. Dort sind sie die Pünktlichen, die Korrekten, die, denen man die Schlüssel für das Haus anvertrauen kann. Ein Manager, dessen Sohn in Brüssel tödlich verunglückte, schmiss seine Arbeit 6 Monate später hin, weil er merkte, dass seine eigenmächtigen Kollegen ein Limit für seinen Heilungsprozess setzten, jene Menschen also, die Fliesenleger, Krankenschwestern und Schuhmacher auslachen, um dann ein Limit für Löhne zu setzen. Sie produzierten in China, "dort verlangen die Menschen heute viel zu viel Geld". Sie produzieren heute in Vietnam. Sie werden schon morgen in Deutschland produzieren müssen, um dann festzustellen, dass qualifizierte Handwerker vertrieben wurden - die ihr Können mitnahmen. Politiker diskutierten laut und vulgär über ältere Menschen. Sie pöbelten also meine Elterngeneration an! Sie fanden künstliche Hüftgelenke unnötig. Warum sollten alte Menschen in den Genuss teurer Operationen kommen? Ihr Sterben ist absehbar! Frau Emcke muss den Hass im Kollektiv etwas genauer unter die Lupe nehmen. Ich fahre zum Europa-Center, möchte im Mediamarkt (!) einen schicken Gurt für meine Kamera kaufen. "Den werden Sie eher im Fachhandel bekommen." (?) Okay. Ich gehe zum Wasserklops und kaufe mir ein unkompliziert kaltes Vanilleeis; und plötzlich ertönt am Straßenrand Musik.Trance und Vanilleeis in der Sonne entspannen mich! Ich setze mich um und entdecke einen recht neuen Transporter am Straßenrand, ein Turntable auf einem Tapeziertisch, 2 Boxen und einen DJ am Mikrofon. Er erklärt den geselligen Sehleuten, dass er mit seinen Freunden durch Europa fahren wolle, um einen Wandel zu bewirken. Sicher sei er sich, dass Menschen Liebe geben und empfangen möchten. Neben mir räuspert sich ein humorvoller Mann, der seinem tanzenden Enkel zuschaut. Der DJ entschuldigt sich bei allen Zuschauern: "Ich muss leider auch reden, weil wir die Vorschriften für eine Demo einhalten müssen. Ich hoffe, dass wir Eure Herzen öffnen können. Alle dürfen sich uns anschließen." Die Menschen lachen herzlich. Die Mutigen wagen einen Tanz. Eine kleine Gruppe macht einen Anfang. Sie machen diesen Anfang, gänzlich unbewusst und unbefangen, an einem Ort, an dem Menschen auf schreckliche Weise ermordet wurden - nämlich vor der Gedächtniskirche. Die Liebe zeigt dem Tod die Stirn - hemmungslos freudig und zauberhaft naiv. Broschüren für DIE Trauer gibt es, weil sie nicht mehr an Gefühle gebunden ist. Broschüren für DAS bedingungslose Grundeinkommen gibt es, weil Lohn nicht mehr an Qualifikation gebunden ist. Der gesellschaftliche Tod wird forciert. Du bist alt und qualifiziert! Wie ausgeflippt ist also die politische Wirtschaft?