Pietätlos

Die Ehrfurcht haben die Menschen abgelegt. Das ist Programm. In Berlin gibt es sogar eine Menschenausstellung. Na, wenn das nicht pietätlos ist… Ein Journalist wird in einer Botschaft zersägt und Deutschland überlegt: "Wie machen wir das jetzt mit unseren Waffenverkäufen? Schließlich verkaufen wir über europäische Kanäle nach Saudi Arabien." Wir sind weltweit die drittgrößten Waffenverkäufer. Das ist pietätlos. Ehrfürchtige Bücher werden im Westen geschrieben - gegen den Hass, nicht gegen den Krieg. Im Osten sind alle immer sauer und sauer ist nicht fromm. Ein pietätloser Journalist schreibt über den Arbeitsmarkt in Saudi Arabien:"Die Mehrzahl der Saudis jedoch denkt nicht daran, in die freiwerdenden Stellen nachzurücken und sich die Finger schmutzig zu machen als Köche oder Kellner, als Taxifahrer oder Bauarbeiter, als Krankenpfleger oder Automechaniker. Mit solchen Jobs den Lebensunterhalt zu verdienen, in denen bisher Inder, Pakistani oder Filipinos schufteten, ist für sie unter ihrer Würde." Das ist würdevoller Rassismus, der im eigenen Land ehrfürchtig für die Arbeiterklasse kämpft. Oder ist es doch einfach nur pietätlose Realität? Einen Tag später beschreibt er sicher die schönen Mädchen, in Sachsen immer auf den Bäumen wachsend, als braunes Fallobst. Würdelose, Rechte, die nie ins Rentensystem zahlten und die Fahne ihres Landes tragen. Fromm hingegen ist Dunja Hayali, die über die Heimat schreibt. Fromm ist auch Carolin Emcke, die sich nach ihren Reisen nie auf Deutschland freut …aber auf Berlin. Heimatgefühle sollen wir entwickeln! Zukunft sollen wir gestalten! Dann würde ich Sachsen viele Vorleser schenken. >Als wir träumten< ist ein schönes Buch von Clemens Meyer. Der Klang seiner Sprache wird die Menschen erfreuen. Seine kräftig furchtlosen Worte, unverschachtelt und echt, werden ihre persönlichen Erinnerungen transportieren, die nur verschüttet sind. Sein Buch kann ihre Gesichter vom Mauerstaub befreien.