Vero

Marschner_Basketball
Vero müsste Vera heißen. Das wirklich neue soziale Netzwerk ist ein buntes Magazin, das man beim Friseur liest, weil man unter der Haube gewisse lange Weilen verspürt. Man liest Vera im Wartezimmer eines Arztes, weil man eine Krankheit befürchtet. Ich logge mich ein, bleibe 10 Tage und lade Bilder hoch. 10 Tage sehe ich mir charakterlose Landschaftsbilder an, die Postkartenpreise gewinnen wollen. In der ICH-Kultur vergessen manche Fotografen ihren Standort zu benennen: "Ich in der Wildnis. Es ist so fantastisch. Ich bin so glücklich." Meist folgt ein Smiley mit herzförmigen Augen. Nach einigen Tagen klickt mich GUCCI an, also ein Langweiler, der Label klaut, um Follower zu generieren. Das Gefolge ist ungemein wichtig. Ein junger Mann schreibt in jedem seiner Postings: Please follow me. Ich muss an eine bettelnde Amanda Lear denken und folge ihm. Er ist jung! Ich finde ihn nicht ganz so erbärmlich. Neu sind die vielen nackten Frauen. Die Welt muss einfach wissen, dass Frauen Brüste haben - auch Ärsche. Mit diesen Körperteilen werden auf Vero auch Waffen verkauft. Oder werden sie sozial angepriesen? Das muss ich noch recherchieren. Natürlich gibt es unheimlich tolle Fotografen. Allerdings gehen die in dem Werbungsrummel unter. X Plattformen empfehlen Dich und Du musst mindestens 5 Profile am Tag empfehlen - unter anderem auch nackte Frauen, die sich um Waffen räkeln. Die Timeline, also das Versandband müllt die humanen Fotos und die sozialen Fotografen zu. Das Frauenbild auf diesem Portal, von Frauen gemacht, ist derart langweilig, dass man einen Schlaganfall befürchten muss. Ich habe mich tatsächlich über Bilder gefreut, die einen bepflanzten Balkon zeigen, die ein Café in Lyon zeigen, die eine lachende Familie in der Türkei zeigen. Ich habe zwei Särge gepostet. Das ist in der Heile, heile Gänsje-Welt gar nicht angekommen. Mit Särgen kann man nicht mehr umgehen. Das sind nur noch laute Cracker im Kopfkino. Gleichwohl legt ein "Künstler" ausgerechnet dicke Menschen in zu enge Särge, denen rote Nudelsoße über das Gesicht läuft. Der Künstler muss den Film Sieben lieben. Seine Völlerei geht nur mächtig ins Lächerliche, weil zu kleinlich inszeniert. Fotografen scheinen auch zu sparen. Der Lebensprozess stört. Man möchte leblose Postkarten herstellen. Ich habe heute das Wort Kommunismus und McCarthy einfließen lassen. 4 Herzen sprechen für ein durch und durch amerikanisches System. Das weiterentwickelte Facebook macht nun endgültig zahnlos und real mundtot. Basketball wird nie langweilig.