Die Geister folgen jedem Ruf

Wahrscheinlich schreibe ich nur, weil ich Angst habe. Andere Menschen singen Lieder. Wieder andere Menschen lassen den ganzen Tag den Fernseher laufen, um eine innere Ruhe herstellen zu können. So viele Menschen glauben fest an einen Dritten Weltkrieg…und das lässt mich nicht gut schlafen. Heute sagte eine Kundin so sinnig: "Menschen sterben - überall auf der ganzen Welt - und Medien berichten darüber, dass Frau Merkel ihr Facebook-Konto löschte." Ich fürchte mich vor den schleichenden Rechten, die Bücher verlegen; vor Müttern, die Pazifismus öffentlich als "asozial im Wortsinne" diffamieren dürfen, die Kritiker von Schlachten als "Individuen auf Gemeinschaftszerstörungsdroge" beschreiben. Ich fürchte mich vor Frauen, die über einen Nationalmasochismus sprechen dürfen. Ich fürchte mich vor den Verhaltenslehren der Kälte, die mit Worten beginnen. Schuldkult ist so ein Wort. Natürlich gehört Caroline Sommerfeld nicht zur Mischpoke. Sie wird in der ZEIT, in der Süddeutschen, in der FAZ analysiert und besprochen. Ihr Gatte ist kein Handwerker, den man in den Medien als Pfuscher entlarven und verlachen kann. Ihr Gatte redet nicht in 88-Formeln. Ihr Gatte ist Helmut Lethen. Sie, Jahrgang 1975, ist gegen das Frauenwahlrecht. Sie schrieb eine "Diss" über Immanuel Kant: "Wie moralisch werden?" Er, Jahrgang 1939, schrieb über die Vergangenheit. Seine Generation wurde leider nie analysiert. Er schrieb über den "Sound der Väter." Seine Gattin ist schlicht seine Mutter. Die gesellt ihren Gatten, genannt H., zu den Lemmingen. Er hat den "Sound der Mütter" ausgelassen. Den Geist hat er gerufen. Er hätte über den Sound der Flower-Power-Generation schreiben sollen. Er hätte uns in die Blumen stürzen müssen. Wie Lemminge wären wir gefolgt. Gerne sogar. Natürlich empfindet seine Generation eine große Schuld. Kinder fühlen sich immer schuldig. Natürlich ist es kein Kult. Schließlich hat seine Elterngeneration den größten Mist der Geschichte geschrieben, den seine Gattin nur auf seine Kosten kultivieren kann, unter seinem Namen wiederholen kann. Für diese Geschichte, die jeden Psychologiestudenten und jede Handwerkerfamilie unterfordert, biegen seriöse Medien die Balken. Sie steuern in den Tod ohne Bestattung.

Die Party und die Rechtskunde

Die Party ist jetzt vorbei! Liebe Berliner und Berlinerinnen. Zunächst möchte ich mich für die vielen Vorfälle in meiner Branche entschuldigen! Wie der RBB vor kurzer Zeit aufdeckte, wurden Ärzte von Bestattern bestochen. Laut Strafgesetzbuch müssten sie im Gefängnis sitzen. Die Schwere der Tat macht dies absolut notwendig. Der RBB hat das nicht aufgedeckt, um Sie zu unterhalten oder zu lähmen. Der RBB deckte dies auf, damit Intitutionen, viele an der Zahl, handeln. Leider handeln sie nicht. Nun zur Rechtskunde, die ich als Bestattermeisterin beherrschen muss. Ich möchte Ihnen persönlich 2 Werkzeuge in die Hand geben, die meiner Branche die lästig und unpassende Kraft entzieht. Diese Kraft gehört Ihnen. Das Richtige zu tun ist ein ungemein gutes Gefühl. Das meint wohl auch Power to the People. Seit Jahren beobachte ich die Entwicklung in meiner Branche. Ich höre seit Jahren genau zu. Ich lese und dokumentiere seit Jahren sehr aufmerksam. Mir fällt auf, dass nicht ein Bestatter aussprach oder ausspricht, was vor allem für SIE rechtlich relevant ist. Der § 299/299a ,3, StGB: >>Wer als Angehöriger eines Heilberufs,… im Zusammenhang mit der Ausübung seines Berufs einen Vorteil für einen Dritten als Gegenleistung dafür fordert, sich versprechen lässt oder annimmt, dass er bei der Zuführung von Patienten einen anderen im Wettbewerb in unlauterer Weise bevorzuge. << Mit dem § 299/299a haben Sie nun das 1. Werkzeug, jede Pflegeeinrichtung zur Anzeige zu bringen, die Ihnen einen Bestatter empfiehlt. Sollte man Ihnen sagen, dass ein Bestatter im städtischen Bereich eine Ausschreibung gewonnen hat, dann ist das für diesen Paragraphen irrelevant. Ein Beispiel: Ein Bestatter hat die Ausschreibung der Berliner Polizei/ des Berliner Senats vor Jahren für sich gewinnen können. Er überführt verstorbene Menschen, die von der Kripo aufgefunden werden, wenn Angehörige nicht unmittelbar erreichbar sind. Deshalb darf er aber keinen Werberummel in den Polizeiabschnitten oder in Kommissariaten veranstalten. Er wurde noch nie von der Berliner Polizei besonders erwähnt oder gar empfohlen. Er bleibt extern und so bleiben ebenfalls Daten geschützt. Ein seriöser Kollege, dem ich meine Ausbildung zu verdanken habe. Sollte man Ihnen eine Ethik-Diskussion zumuten, die aus Ihrem Verstorbenen eine Sache macht, dann greift Ihr 2. Werkzeug in städtischen Bereichen, der § 331 StGB, Die Vorteilsnahme: >>Ein Amtsträger, ein Europäischer Amtsträger oder ein für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichteter, der für die Dienstausübung einen Vorteil für sich oder einen Dritten fordert, sich versprechen lässt oder annimmt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.<< Ein Beispiel: Im Jahr 2007 sagte ein Bestatter in einer Hamburger Zeitung aus: "Es sei doch auch in anderen Branchen üblich "für die Vermittlung von Aufträgen an Fremddienstleister" eine Vergütung zu erhalten." ZITAT ENDE! Der Mitarbeiter eines städtischen Friedhofes/Krematoriums gestand der Zeitung die Zusammenarbeit mit diesem Bestatter: "…erhält für jeden Sterbefall 150€ Provision." Ich habe die Hamburger Zeitung angerufen. Der genannte Bestatter hat seine Aussage nie korrigiert. Er ist nie gegen die Hamburger Zeitung vorgegangen. Laut Bericht zahlt er selbst einem Pfegeheim Provisionen für jede Vermittlung. Der Bundesverband Deutscher Bestatter darf die Dinge nicht mehr beim Namen nennen. Er erhielt laut Bericht einen Unterlassungsbeschluss von jenem Bestatter. Nun erhalte ich einen Unterlassungsbeschluss von ihm, weil ich die Dinge nicht beim Namen nennen darf. Ich werde die Ordnungshaft antreten, meine Schwester wird mich absolut würdig vertreten. Ich möchte dieser Gesellschaft, unter Mitwirkung der Presse, vorführen, wie schnell ausgebildete Menschen, die die Trauerkultur in Deutschland erweitert haben, die sich stets an gesetzliche Vorgaben hielten, im Gefängnis landen, weil einer Geld hat. Wenn meine Hinterbliebenen den Tod verkraften - dann verkrafte ich die Wäscherei einer Justizvollzugsanstalt allemal. Die Werkzeuge gehören in Ihre Hände!

Geisterkatzen

In meinem Beruf biegen sich die Balken. Und diese Balken werden brechen, wenn sich die Lügen weiter auftürmen. Ich stelle seit Jahren die einfachste aller Fragen: "Wie geht es Ihnen?" Die Antwort ist immer gleich: "Mir geht es gut." Es gibt eine Variante dieser Antwort: "Den Umständen entsprechend." Jene Menschen, die gerne die Wahrheit sagen möchten, antworten gereizt: "Na, wie soll es mir in so einer Situation wohl gehen?!" Wenige Menschen können heute schlichte und einfache Antworten geben: "Mir geht es sehr schlecht."
Wir fallen zurück in uralte Erziehungsmuster, in die preußische Härte und Kälte. Die Ernte der 68er-Bewegung wird vernichtet - wie Unkraut behandelt. Vor knapp einem Jahr hatte ich einer Kundin eine Tagesklinik empfohlen. Die Kontakte zu ausgewählten Nachversorgern gehören zu meinem Beruf. Die Frau fand einen Anwalt, der all meine Leistungen anzweifelte. Er strickte ein Grundkonstrukt, das auf Freiheitsberaubung basierte. Später stellte sich heraus, dass die Vollmachten, die jene Frau vorlegte, gefälscht waren. Der Anwalt demontierte Berufserfahrung, Bestattungsgesetz, Hygienegesetz. Er benutzte die alte preußische Methode, die Gefühle durch Geld zu reparieren versucht. Passende Vorbilder sind die Großbanken. Die Lüge fliegt auf. Sie rufen den britischen Schatzmeister oder die Mutti: "Böse demokratische Senatoren wollen unsere Freiheit beschneiden." Bankiers werden schlicht aus der Haftstrafe gekauft. Die Lüge ist so mächtig geworden, dass sie Staatsoberhäupter erpressen kann. Sie sorgt heute für Arbeitsplätze. Darüber muss man nachdenken, bevor man ernsthaft behauptet, dass Class Relotius im Alleingang gegen die Interessen irgendwelcher Redaktionen handelte. Er war das Preispferdchen! Er brachte "Renommee" in die verstaubten Stuben. Auf dem Rummel muss es huten und tuten. Es muss glitzern und flackern. Moreno war doch nur langweilig und alt. Er war neidisch auf den jungen Claas. Der Relotius! Der kann sogar Balken biegen!" Die Lügen verwandeln Menschen in Geisterkatzen. Mit der schwindenden Wahrhaftigkeit verschwinden sie selbst. Das ist der Eintrittspreis, der Zaubertrick, die unglaublich "spannende" Magie. Menschen trauen sich selbst nicht mehr über den Weg, weil sie ihre eigenen Wege zu sabotieren gelernt haben. Die schlichte Wahrheit wird als Lüge verlacht. Ein Nein wird ein unterstelltes Ja. Deutschland ist reich. Wir schaffen das. Mir geht es gut. Klingt das nach Wahrheit? Es ist unfreiwillig komisch, einen Rummel und seine Rummelbudenbesitzer von draußen zu betrachten, wenn man sich selbst den Eintritt nicht leisten kann - oder möchte.

Die Schneekatzen

Mit größter Hingabe wird Claas Relotius lebendig eingeäschert. Diese Härte. Diese Sorgfalt. Diese ausgesuchten Stilmittel. Die Wahl der letzten Worte. Der Spott. Der Hohn. Mit ekelhaft unvergesslicher Ästhetik wird er öffentlich hingerichtet. Claas Relotius. Ist er endlich tot? Hat jemand die Fakten geprüft? Er war kein Journalist in Boots und Karohemd. Er trug keine zerkratzte Sonnenbrille. Sein Haar war wohlgelegt. Seine Kleidung war genau aufeinander abgestimmt. Lebt er noch? Hat er noch einen Puls? Der Claas wurde 1985 geboren. Er ist ein Zweite Welt-Kind in der Ersten Welt, das über die Dritte Welt schreiben soll. Er lebt in der Ersten Welt, die real und faktisch sein möchte. Er wuchs auch in der Zweiten Welt auf, die virtuell und schwerelos sein möchte. Zwei kontrollierte Standorte führen in die Dritte Welt, die arm bleiben muss. Andernfalls müsste die Erste Welt Waffen an ihre eigenen Kinder verkaufen. Das geht natürlich nicht! Wir töten schließlich nicht unsere eigenen….; nur den Claas Relotius. Der ist erwachsen genug. Sein Co-Kollege musste recherchieren. >>Drei, vier Wochen lang geht Moreno durch die Hölle, weil Kolleginnen und Vorgesetzte in Hamburg seine Vorwürfe anfangs gar nicht glauben können.<< Wurde ein Faktencheck gemacht? Wie sieht es in der bisher unbekannten Hölle aus? Wurde das Misstrauen der Kollegen gecheckt? Claas Relotius ist real. Wir haben ihm alle Werkzeuge einer leichten, virtuellen Welt zur Verfügung gestellt. Wir haben ihm sogar alle kriminellen Energien zur Verfügung gestellt. Die Träume eines Walter Mitty haben wir in der Ersten Welt behalten. Claas Relotius musste mit seinen feinen Schuhen keine Abenteuerreisen begehen. Er musste keine Fotos suchen. Er wollte keine Schneekatzen aufspüren. Wir haben ihm jede Geschichte serviert und eingespeist. Dafür sollte man ihn nicht töten. Wir sollten Menschen seiner Generation endlich zum Leben erwecken. Claas Relotius hat viele gute Geschichten erzählt - die nicht immer stimmten, die manipuliert waren. Das wiegt im Journalismus natürlich schwer.

Die Fassung nicht verlieren

"Pardon, Frau Marschner. Sie können das nicht wissen. Wir übergeben in diesen Tagen den Staatsapparat in die Hände der Wirtschaft." So müssten es respektierte, freie und geschätzte Mitarbeiter, die sich in den Dienst des Staates gestellt haben, oft auch einen Eid schwören, wahrheitsgemäß äußern dürfen. Wir sollen immer die Wahrheit sagen. Die kann aber kein Mensch ertragen. "Frau Chebli trägt eine Rolex. Empört Euch." In Wahrheit ist sie Diplom-Politologin und der Bürgermeister hat einen Realschulabschluss. Findet sich die akademisch reflektierte Welt damit irgendwie tolerant? Ich interessiere mich gerade für öffentliche Ausschreibungen und versuche herauszufinden, warum Bestatter (plural) in Krankenhäusern von großen Berufsvereinigungen als "üblich" bezeichnet werden. Die Vergabekammer Berlin schrieb mir, dass sie für die öffentlichen Vergaben (BER usw.) zuständig ist. Allerdings prüft die Vergabekammer nicht die Rechtmäßigkeit. Ich erhielt von einem Unternehmen einen Unterlassungsbeschluss. Unklar ist noch, was genau ich unterlassen soll. Die Gegenseite schrieb, dass ich ein kleines Bestattungsinstitut betreibe. Da wir eine Faktengesellschaft sind, die über Lügen klagt, kaufe ich ein Handelsregister. Die Firma gehört zu einer Aktiengesellschaft und macht Millionenumsätze. Ich, tatsächlich mit kleinem Bestattungsinstitut, frage mich: "Zieht die Vergabekammer Berlin Handelsregister, wenn sich Firmen, die zu Aktiengesellschaften gehören, an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen? Oder zieht das Kartellamt ein Handelsregister? Wer verhindert eigentlich wie Monopole? Oder wurde das GWB abgeschafft?" Wenn Politik der Wirtschaft überlassen wird, dann muss ich tätig werden, denn ich gehöre in den Wirtschaftsbereich! Ich stolpere im Schriftverkehr mit der Gegenseite über einen sich wiederholenden Satz: "Wir werden die Klage bei diesem Gericht erheben." Warum erwähnt sie das? Es gibt in diesem Fall nur das Landgericht. Dann komme ich darauf, dass die Handelskammer des Landgerichtes gemeint ist. Meine Verwunderung bleibt und so suche ich im Internet die Handelskammer. Ich finde die Vereinigung der Handelsrichter: "Wirtschaftskompetenz für die Justiz." Ich bin wie vom Donner gerührt. Menschen aus der Wirtschaft, begutachtet von der IHK, werden Handelsrichter und vereinigen sich seit vielen Jahren. Das erste Mal verliere ich den Glauben an unseren Staatsapparat; ich fühle mich belogen - und meine Gefühle kann man in diesem Fall nicht widerlegen. Fassungslos lese ich den ausgestellten Brief eines Buchändlers und (!) Handelsrichters, der 1954 zwei Mitstreitern einen Brief schreibt, diese Vereinigung wünscht, keine Pläne hat, die Finanzpolitik ins Visier nimmt - und doch nur die Robe tragen soll. Auf ehrenamtliche Handelsrichter, die neben einem echten Richter, einer echten Richterin arbeiten, wurde ich nie vorbereitet. Nach einiger Zeit stellen sich mir die Schockfragen: "Wie lange studiert und arbeitet eine Frau, um Richterin am Landgericht zu werden? Wie viele rote Ampeln musste sie meiden? Welche Lebenssituationen musste sie sich verbieten? Wie hart muss eine angehende Richterin ihre Kinder erziehen? Und dann könnte ein Buchhändler die Universität überspringen, quer einsteigen und die Richterrobe tragen?" Diese Richterrobe ist kein Kleidungsstück. Sie ist das Synonym für die Integrität eines an die Wahrheit gebundenen demokratischen Staates. Richter und Richterinnen tragen diese Robe auch dann, wenn sie sie nicht tragen. Sie haben das verlässliche Gesicht. Wirtschaftskompetenz hat kein verlässliches Gesicht. Es sind viele Gesichter, in vielen verschachtelten Unternehmen. Der ehemalige Bundeskanzler, Gerhard Schröder, sucht seine politische Macht in Vorständen. Er wird sie nie mehr wiederbekommen. Wirtschaft kauft Macht. Der Gewinn wird doch nicht mit Politikern geteilt! Die Politiker werden geteilt und verkauft. Und plötzlich haben Politiker viele Gesichter. Nicht zu fassen!