Der große Rudolph

Marschner_Hunde
Rudolph Moshammer wird in seinem Haus ermordet. Mit einem Kabel wird er zu Tode stranguliert. Das ist kein schneller, schmerzfreier Tod. Sein Chauffeur findet ihn. Die Polizei ermittelt - und nur 2 Tage später gibt es einen geständigen Täter. Pressefotografen aus ganz Deutschland warten vor dem Haus. Sie fotografieren die Bestatterlimousine. Menschen kondolieren vor dem Geschäft des verstorbenen Modemachers. Sie legen Blumen ab. Sie wirken aufrichtig. Die FAZ titelt am 16.1.2005: "Er hatte keine Chance." Man entscheidet sich in der Redaktion nicht für ein Bild des Verstorbenen. Die FAZ bringt 2 düstere Fotos des Mörders. Beschrieben wird der 25-jährige Herisch A., der im Jahr 2001 aus dem Irak nach Deutschland kam, der 2002 nach München zog, der lange in einem Asylbewerberheim lebte, bis er eine kleine Wohnung fand. Durch seine gültige Arbeitserlaubnis konnte er eine Arbeit als Aushilfskoch finden. "In seiner Vernehmung klagte Herisch A. darüber, wie ungerecht es sei, daß er so wenig Geld gehabt habe, während andere so reich seien." Hatte ER also keine Chance? Albert Schäfer, der Journalist aus München, beschreibt einen kaltblütigen Mord. Frank Schirrmachers Buch, EGO - Spiel des Lebens, erscheint leider erst im Jahr 2013. Vielleicht ist der Albert Schäfer bereits eine Vorlage für dieses Buch? Die typische Empörungswelle fehlt dem Artikel, die stets einem Mord folgt. Jene Patrioten, die "Patriotismus" skandieren, gibt es im München des Jahres 2005 nicht. Der Albert Schäfer vermittelt den Eindruck, dass der Herisch A. der Stadt München und der Welt einen Gefallen getan hat. Er beschreibt keinen Verlust! Er beschreibt die Fahrten des Herrn Moshammer in die Nähe von Asylbewerberheimen. Auch Albert Schäfer verknüpft Homosexualität und Pädophilie: "Inwieweit er auch Sexualkontakte mit Minderjährigen unterhielt, konnte die Polizei am Sonntag nicht sagen." Albert Schäfer kommt in seinem Artikel auch zu einem Ende: "In der Tatnacht begegneten sich zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein konnten. Hier Moshammer, der Prunk und Protz in der Öffentlichkeit zelebrierte… - dort der verschuldete Koch." Jeder verschuldete Koch, Arbeiter, Hilfsarbeiter wird also schnell zum Mörder, wenn er auf reiche Menschen trifft. Die Schlemmerabteilung im Ka de We ist demnach die Bronx von Berlin. Wirklich stark aber ist diese fast lustvolle Anleitung eines feigen Voyeurs, die aus dem Artikel dunstet: Der Iraker soll die dumme Schwuchtel klatschen. Des passt dann scho. Das Leben eines reichen Hundes hat also endlich sein Ende gefunden. Angehörige gibt es nicht! Die Sarrazins tragen noch heute das schwere Kreuz seiner Kinderlosigkeit.