Trauer auf völlig angesägten Fundamenten

Marschner_Eichhoernchen
Die Fundamente bröckeln enorm, da Berlin das Tafelsilber verkauft. Die Stadtführung produziert damit Nachahmer, will es aber nicht wissen. Schuld sind immer die anderen. Die Verkehrssicherungspflichten sehe ich auf städtischen Friedhöfen nicht gepflegt, weil kein Personal ausgebildet wird, Fachleute über Jahre ausgelacht wurden und weil Arbeitsbereiche ausgeschrieben wurden, obendrauf an unüberprüfte Fremdfirmen übergeben wurden. Billig ist das Credo! Grabtechniker werden nicht selten durch 1-Euro-Jobber ersetzt und so habe ich noch nie gehört, dass Friedhofsmitarbeiter an Fortbildungen teilnehmen, die selbstverständlich von ihrem städtischen Arbeitgeber forciert und bezahlt werden. Also musste sich ein Unglück vor einigen Monaten zutragen. Auf vielen Friedhöfen wird der Sarg mit einem Fahrstuhl, eine Art Hebebühne, in eine Trauerhalle befördert. So auch bei der Bestattung für eine Dame, deren Familie nicht nur tieftraurig war. Ihre Familie pflegte und pflegt einen extrem ausgeprägten Sinn für Ästhetik. Während der Zeremonie, ich saß in einem hinteren Raum an der Musikanlage, fuhr diese Hebebühne, auf der der Sarg stand, in die unteren Räume und wurde dann erneut in die Trauerhalle befördert. Glücklicherweise wurde nicht just in diesem Moment ein Ritual am Sarg vollzogen, denn dies hätte Pfarrer oder Angehörige in die Tiefe gezogen, weil auch der Podestbereich nicht gesichert war. Der Verwalter entledigte sich sofort und unverzüglich jeder Schuld - noch bevor ihn ein Beteiligter beschuldete. Am Ende kannten weder die Mitarbeiter noch der Verwalter des städtischen Friedhofs die geltenden Gesetze: Nur das Friedhofspersonal darf den Fahrstuhl in den unteren Räumen der Kapelle bedienen. Der Verwalter steht für die Verletzung einer Verkehrssicherungspflicht in der Haftung. Denkt man. Das zuständige Bauamt hat den Fall ausgesessen und versanden lassen. Die Familie bekam nicht einmal eine Entschuldigung. Wer die Hebebühne während der Zeremonie warum bediente ist unklar. Noch haarsträubender wären ausgeschriebene Arbeitsbereiche auf kirchlichen Friedhöfen. Denn im Fall eines schweren Unfalles, durch Verletzung der Verkehrssicherungspflichten, könnten Opfer die Gerichte nicht bemühen. Kirchliche Friedhöfe kann man nicht verklagen. O-Ton einer zuständigen Fakultät zu einem anderen strafrechtlich relevanten Fall: "Der kirchliche Friedhof ist keine juristische Person die verklagt werden kann." Berlin zersägt die Fundamente. Fachleute müssen sich auch heute auslachen lassen und Berufsexperten, so auch Landschaftsgärtner, wurden vor langer Zeit als Ausbilder unter Vertrag genommen - allerdings in der Schweiz. (Ich habe, am Rande bemerkt, vollstes Verständnis für Streiks anderer Berufsgruppen. Es könnte nämlich sein, dass ein Bahn- oder Flugexperte seine Gäste am Boden/Bahnhof absichert, weil er aufgrund seiner Ausbildung niemals fahrlässig handelt!)