Justitia und der Tod

Ich persönlich kann den Justizapparat Berlins nicht mehr leiden. Ich mag ihn einfach nicht mehr. Es gibt keine Schimanskis mehr, die beherzt durch Türen springen, Opfer retten, clevere Verhöre führen. Es gibt keine Kommissare mehr, die sagen: "Harri! Fahr schon mal den Wagen vor." Es gibt kein Rehbeinchen mehr, die nachts die Kaffeemaschine anschmeißt, weil der Chef, Kommissar Erik Ode, von einem Fall gepackt wird, der ihn nicht schlafen lässt. Berlin hat eine Generalstaatsanwältin, die bald auf Rente gehen wird. Medien berichten. Beim Lesen Ihrer Vita schlafen leider nicht die Kriminellen ein. Das wäre eine bahnbrechend neue Taktik: "Die Generalstaatsanwältin Berlins schläferte jeden Täterfuß mit ihrer Vita ein. Diese Frau war der gefürchtete Taser für jeden Gangster." Ihre Vita ist aalglatt und eiskalt. Sie war eine strebsame Musterschülerin im Justizapparat, die immer nur den Chefstuhl anstrebte, also die oberen Besoldungsklassen suchte. Als 18 Polizisten starben, stellte ihre eigene Behörde ein Verfahren gegen sie ein. So läuft der Hase in die richtige Richtung. Die Generalstaatsanwältin möchte vor ihrer Pension noch unbedingt erwähnen, dass einfach auch nicht mehr jede Straftat verfolgt werden soll. Das ist dem Bürger überhaupt nicht aufgefallen. Da gab es tatsächlich Straftäter, die auf durchblutet freien Fuß gestellt wurden, weil die Behörden Fälle nicht bearbeiten konnten. Nun müssen Medien immer wieder erwähnen, dass die Frau Generalstaatsanwältin eine lesbische Frau - wohlgemerkt verheiratet - ist. Das klingt so, als sei die Frau General Opfer ihrer eigenen Geschichte: "Die Arme. Sie musste allein 5 Millionen Akten jährlich sichten; und ihre Behörden klebten am Modem, wie die Kanzlerin an der Rohrpost." Tatsächlich war sie nie an Berlin interessiert. Sie wollte lesbar immer nur die Präsidentin einer Behörde werden. Lesbisch reicht nicht, meine Damen und Herren von den Medien. Lesbisch heißt offenkundig nicht, dass Straftaten verhindert werden. Es hieß bei der Generalstaatsanwältin, dass der BGH ihre hastige Abschiebung rückgängig machen musste, dass Klimakleber einen guten Lauf hatten. Lesbisch heißt offenkundig nicht immer Anne Klein. Es heißt, dass sehenden Auges, bei extrem hoher Besoldung, eine Überalterung der Damen und Herren Staatsanwälte und Richter öffentlich beweint wird. Das ist so, als würde meine Frisörin mit stumpfen Scheren schneiden, weil die Hersteller auf Rente gegangen sind. Das ist so, als würde meine Dentistin bei Zauberkönig Zähne ordern, weil die Zahntechniker ihre Rente genießen. Vor einigen Tagen ging ich in eine Volksbank-Filiale im Bezirk Wedding. Die Müllerstraße ist auch am Abend belebt. Im Vorraum der Volksbank suchen Obdachlose bis zur Schließung Unterschlupf. Eine junge Frau fragte mich, ob ich ihr helfen könnte. Ihre Haare waren verfilzt. Ihre Hände waren schmutzig. Ihre Haut war entzündet. Ihre Kleidung hatte schon lange keine Waschmaschine gesehen. Bevor ich antworten konnte, machte sie plötzlich kehrt und zündete sich eine kleine Crack-Pfeife an. Sie legte sich auf den Boden und versteckte sich unter ihrer Jacke, die sie über den Kopf zog. Sie blieb einfach am Boden liegen. Ein alter Mann betrat den Raum. Er trug ein kleines Beatmungsgerät. Er bekam kaum Luft. Er wirkte wie ein Anwohner, der seine Volksbank kennt. Wir hatten beide keine Angst vor der jungen Frau. Es hätte uns beide nicht über die Maße erschreckt, wenn die junge Frau auf dem Boden gestorben wäre. Wir hätten die Feuerwehr gerufen, so, wie wir die Polizei gerufen hätten, wäre ein Stein durch die Scheibe geflogen. Es verblüfft mich. Kalte Menschen, wie die Frau Generalstaatsanwältin, haben dem Tod ins Leben geholfen. Sie haben ihn gesellschaftsfähig gemacht. Sie haben ihn sichtbar gemacht. Eine lesbische Generalstaatsanwältin, die dem Tod die Sense schärft, verbrennt öffentlich die Regenbogenfahne. Sie zerstört meine Arbeit frontal. Sie zerstört und sabotiert Trauerkultur aktiv. So eine kalte Frau erkennt auch dann keine Straftat, wenn Friedhöfe und Gräber bestohlen werden. Für solche Leute bin ich natürlich respektlos und anmaßend; und es ist in der Tat nicht schön, wenn man Türme anschaut, die einstürzen werden, weil die Statik nicht stimmt. Wer Straftaten bagatellisiert und gleichermaßen explizit rechte Straftaten befürchtet, der hatte nie eine gesellschaftspolitische Statik. Lesbisch reicht nicht!