Bodenlose

In den 90er Jahren haben sich Berufsgruppen in Deutschland umsprühen lassen. Diverse Wirtschaftsdienste suchten, im Schneeballsystem, im Grunde Handlanger, die Finanzprodukte verkaufen sollten. Zugmittel für Orientierungslose ist immer schnelles Geld - unter dem Deckmantel: "Der Kunde sucht das Produkt allein aus." Das wäre so, als würde ich sagen: "Der Kunde schaufelt sein Grab allein." Damit wäre ich noch ungefährlich, es sei denn, ich würde manipulieren; und die Aktion als Burnout-Event verkaufen. Der Grund für den Fachkräftemangel liegt daran, dass Konditoren, Landschaftsgärtner, Unternehmer mit Angestellten als Idioten verlacht wurden: Deppen, die Steuern bezahlen. Der gefährlich manipulative Hebel war immer der gleiche Spruch: "Steuerberater beraten nicht." Die Endergebnisse sind Politiker, die Cum-Ex Geschäfte deckten und Finanzbeamte blockierten. Die eskalierende Manipulation zeigte sich kriminell im Fall Wirecard, als man ausländische Journalisten über 2 Jahre verfolgte, bedrohte und verklagte. Der einfache Begriff Vertrieb wurde in Misskredit gebracht. Der Orientierungslose stürzte nicht selten ins Bodenlose. Wie gut, dass nun die Coachs aus dem Boden schießen, wie die Pilze. Der Coach ist im Wortsinn ein Kutscher, der die Fahrrouten seiner Klienten gut umsetzt. Ein Taxifahrer muss immer die schnellste Route wählen, damit die Fahrt nicht teuer wird. Im Sport wurde der Coach weltberühmt. Das Prinzip wurde dann in die Wirtschaft übertragen. Leider, leider ist dieser Begriff nicht geschützt und damit bald nicht mehr geschätzt. Das wäre so, als würde ich schreiben und plötzlich meinen ich bin jetzt Journalistin. Die Göttliche, Evelyn Roll, Schwergewicht der Süddeutschen Zeitung, würde nicht einmal eine Braue nach oben bewegen müssen. Ich bin Bestatterin. Manipulierte ich mich selbst, könnte ich alles sein - am Ende könnte ich nichts wirklich. Tausende von Vertrieblern rekrutieren Menschen über das Internet. Healthcoach. Lifecoach. Businesscoach. Coach of the Coach. Mentalcoach. Das scheint der Untergang aller Sportmannschaften zu sein. Die Trainer für den Sport werden nicht mehr ausgebildet. Der Kutscher ist bereits tot. Der Taxifahrer wird für seine Lizenz verlacht. Uber hat einfach die Gesetze ausgehebelt und manipulierte Politiker finden sich witzig, innovativ, geradezu bahnbrechend. Nun wurde das Wort Coach über Jahre erfolgreich vergewaltigt. Die Grenzen zur Psychologie sind im Netz plötzlich schwimmend, nicht klar sichtbar. Jeder Psycho kann sich also in eine Kutsche setzen, viel Geld dafür verlangen; und Menschen in den Dreck steuern. Jeder Kranke kann sich Coach nennen und mit 1-2 Kontakten ins Europaparlament gelangen. Er zeigt ein Zertifikat mit Stempel, zieht sich ein hübsches Gewand an, jodelt zwei Fachbegriffe und verdreht die Schrauben, die sich mehr und mehr lockern. Danken wir Loriot für sein berühmtes Jodel-Diplom. Er rekrutierte uns nicht für enorm viel Geld. Er wollte uns Spaß bringen. Nun startete das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein Bundesprogramm - das Modellprogramm: Mental Health Coaches. Sport kommt auch in diesem Programm nicht vor. Die Worte Bewegung und Kultur sind leere Worthülsen. In einem Zukunftspaket lagen 10 Millionen Euro. Es wurde 2023 abgeworfen. Jugendliche sind unter Umständen Opfer von Opfern. Also, Du Teenager, sag was, sag, was mit Dir ist. Gib Deine Emotionen jetzt einfach mal her. Der Kutscher fährt Dich dann zum Psychologen. Vielleicht ruft er dafür UBER. Schuld für deine eventuell spätere Bodenlosigkeit, Orientierungslosigkeit, zusätzliche Verwirrtheit bist DU, denn DU solltest dem Coach (Kutscher) das Ziel benennen. Wenn also ein Psycho-Kutscher beschließt, Dich in seinen eigenen Dreck zu fahren, dann hat er nur Deine Anweisung befolgt. Lisa Paus ist dann auch nicht mehr verantwortlich. Das Geld für Deine Gesundheit gibt es dann nicht mehr. Bis dahin haben wir dann vielleicht aber Xanax-Vertriebler - einst Fleischer, Finanzexperten und auch Coachs, die ihre Produkte stets bestens kennen. Wichtig ist nicht witzig. Ich kenne leider nur zwei durch und durch ausgebildete Coachees, die wirklich klar im Kopf sind. Auffällig ist bei beiden eine große Begeisterung für Natur und Sport. Eine Kutscherin ist seit Jahren im Reitsport. Sie trainiert also mit Pferden. Die andere Kutscherin trainiert seit Jahren im Wassersport. Beide arbeiten, so, wie es Meister tun. Im Netz gibt es grauenvollste Erfahrungsberichte über kranke und kriminelle Scharlatane, die sich Coach nennen dürfen. Sie manipulieren unsere Parlamente. Sie manipulieren unsere Familien - und Kinder. We don`t need people like you! Kriecht zurück unter eure Felsen.

Diskretion ist ein Schwergewicht

Ich habe einen Termin mit einem Botschafter Frankreichs. Eine Urne muss für den Transport nach Frankreich versiegelt werden. Die Diskretion wird mit Wachs besiegelt; und so kann kein Mensch, einschließlich meiner Person, Heimliches, Betrügerisches, Vertauschtes der Urne beigeben. Der Wachmann der Botschaft öffnet mir die Tür. Er begrüßt mich, dabei sieht er mich an - für Leichtgewichte ein schon zu schweres Ereignis: "Bonjour Madame." Ich bekunde meinen Termin. Meine Kundin, die Hinterbliebene, wartet seit Tagen nervös auf die Zusage für den privaten Transport nach Frankreich. Monsieur Eric muss eine Genehmigung dafür erteilen: "Dokumente und Siegelung sind in circa 40 Minuten fertig.", sagt er. Ich suche ein Café Unter den Linden. Starbucks ist mir zu duzig. Der eigene Vorname wird, wie in der Grundschule, auf die Becher geschrieben. Ein Donatshop - zwischen zwei Souvenirläden - passt nicht zu meiner Stimmung. Die Leichtgewichte in Werbung, in Persona, in Medien unterfordern mich über die Maße mit ihrer mittlerweile stumpf schnatternden Oberfläche. Ich sehe auf die gegenüberliegende Straßenseite. Das Adlon… Ich wähle den Nebeneingang. Zufällig lande ich aber im Zigarrengeschäft des Hauses. Ein aufgeräumter Mensch kommt mir entgegen: "Guten Tag." Ich habe mich in der Tür geirrt, will ich doch ins Café. Der Geschäftsinhaber hilft mir. Natürlich hilft er mir. Wir kommen kurz ins Gespräch. Die Zigarren liegen schwer in Humidoren, die Zigarillos machen einen eleganten Eindruck. Sie warten geduldig in dezent beleuchteten Vitrinen. "Es gibt im oberen Geschoss die Zigarrenlounge des Adlon.", sagt er. Ob auch Frauen diese als männlich geprägte Domäne besuchen? Mit einem Hauch Irritation, als käme ich aus einer anderen Zeit, sagt er lächelnd: "Ja, aber natürlich. Selbstverständlich." Im Geist sehe ich mich mit Zino Davidoff in einem schweren Sessel sitzend und schweigend. Mein Opa besucht mich plötzlich im Sinn. Schach würde er spielen und eine gestopfte Pfeife, wie eine Friedenspfeife, rauchen. Mir fällt auf, dass niemand unser Gespräch unterbricht. Niemand stört uns. Niemand hat nur mal kurz 'ne Frage. Die Magie der Schwere hat die Leichtigkeit des Seins erfunden und getragen. Der aufgeräumte Inhaber zeigt mir den Weg und begleitet mich ins klar beleuchtete Café. Wir verabschieden uns - wünschen uns einen schönen Tag. Im Café bestelle ich einen Americano und einen berliner Marmorkuchen. Ich frage nach einer Möglichkeit meine Hände waschen zu können. "Ich zeige Ihnen den Weg zu den Toiletten." Ein junger Mann in Hausuniform führt mich in die Lobby, zeigt mir dann die Richtung. Diskretion ist ein Schwergewicht mit bedeutender Stimme und leichten Gesten. Die Lobby muss Tonnen wiegen. Der schwere Boden und der schwere Leuchter, die schweren Sessel und die schwer satte Akustik breiten sich ganz leicht aus. Die Gäste schweben. Eine satte Marmortreppe, die man schreiten muss, führt zu den Toilettenräumen. Eine Windrose im Marmormassiv zeigt nicht nur die Himmelsrichtungen. Sie zeigt federleicht auf flauschig weiche Handtücher. Die dunklen Vollholztüren mit Silberknauf machen aus jeder Kabine ein Abteil, das Körpergeräusche abschirmt. Auf dem Weg zurück ins Café touchiere ich einen echten Berliner. Albert Krigler war mausearm als er seine Geliebte traf. Und so kreierte er ihr einen eigenen Duft. Er war Chemiker. Er ging nach Moskau. Er wurde Parfümeur. Sein Kleidungsstil hat die Kollektionen von Paul Harnden inspiriert - da bin ich sicher. Albert Kriglers Botschafter sprühen die Duftnote von John-F. Kennedy auf eine schöne Karte. Dann sprühen sie die Duftnote von Jackie Kennedy auf eine weitere Karte. Sie reichen mir beide Karten und dann warten sie geduldig. Unfreiwillig muss ich lachen und strahlen. Beide sehe ich nun leibhaftig und in Bewegung. Unaufdringliche Schwergewichte duften leicht blumig und sportlich kernig. Ich drücke und tupfe beide Karten an meinen Hals. Die Kriglers müssen lachen. Americano und Marmorkuchen warten auf mich. Ich muss Albert Krigler das Versprechen abgeben, dass ich ihn ein zweites Mal besuchen werde. Mit Jackie und John am Hals fühle ich mich wie ein neuer Mensch. Mir fällt auf, dass ausgebildete Handwerker schwere und diskrete Autarke sind - mit ausgebildeten, fortgebildeten Gehirnen. Das Adlon stellt sicher auch keine Fitnesstrainer ein, die sich zum "Löffel 1" machen, sich selbst für fremde Zwecke missbrauchen und fremde Räume ausforschen. Minchen&Trinchen machen dort sicher kein zweites Mal Tonaufnahmen oder Fotos von Schwergewichten. Sie müssten gehen und bekämen ein dauerhaftes Hausverbot. Ich beiße in meinen Marmorkuchen, nippe an meinem Kaffee und frage den jungen Mann: "Warum sollte ich unter dem Niveau ihres Hauses arbeiten? Würde Ihnen ein Grund einfallen?" Er schüttelt leicht den Kopf, zieht dabei nuanciert seine Schultern nach oben und lächelt. 60 Minuten sind vergangen. Monsieur Eric von der französischen Botschaft ruft mich an: "Sie können kommen, Frau Marschner." Im Café werde ich herzlich verabschiedet. Jackie und John flankieren mich; und so ist der Transport einer Urne nach Frankreich - in aller Diskretion - ein Weltereignis, das niemand bemerken soll. Das schwere Adlon hat die Leichtigkeit des Seins erfunden - in Berlin.

Kauft nicht bei Juden

Bella Hadid ist die schönste Frau Ihrer Generation. Chirurgen mussten die markanten Gesichtszüge von ihr hundertfach in fremde Gesichter transportieren. Ihre Roots, väterlicherseits, liegen in Palästina. Bella bestimmt die Modewelt maßgeblich mit. She is a Leader. 61 Millionen Menschen folgen ihr. Im Mai 2021 lief sie bei einer Palästina-Demo in New York mit; und sie schwenkte die Palästinafahne. Natürlich postete sie Videos auf Instagram. Nun löst eine Verschwörungstheorie einen Shitstorm aus. Fans behaupten, dass Dior Beauty nach dem Angriff der Hamas auf Israel den Vertrag mit Bella Hadid auflöste. In einem Shitstorm wurde zum Boykott von Dior aufgerufen. Das meint: "Kauft nicht bei Dior!" Schließlich stellt sich heraus, dass Bella Hadid seit 2022 nicht mehr das Gesicht der Marke ist. Die Cancel Culture ist an einem politisch bekannten Höhepunkt angekommen, den meine Generation als abscheulich verinnerlicht hat. "Kauft nicht bei Juden!" Genau da ist die Cancel Culture angekommen. Dort fühlt sie sich heimisch, mächtig. Der kleine Hanswurst, ein weltweites Phänomen, ist in einem Sturm mächtig, wenn er seine Fäkalien entfesseln und schmeißen darf. Es geht doch nicht um Israel und Palästina. Es geht um die Juden. Es geht nicht darum, dass Bella Hadid eine Freundin oder Kollegin in Tel Aviv hat, mit der sie öffentlich einen Olivenbaum pflanzt - ein symbolischer Baum, der beide Staaten verbindet. Es geht um die Juden. Das Wort Antisemitismus wirkt heute wie eine leere Phrase. Heute geht es um den Judenhass. Einigen Menschen geht er ganz leicht über die Lippen: "Du Jude!" Andere Menschen mahnen mit erhobenem Finger: "Oh. Das ist antisemitisch!" "Antisemiten" sind heute jene Menschen, die genau wissen, welcher Bankier den Konzern LVMH zum Imperium machte: "Der Jude, Antoine Bernheim." Der einfältige Dummkopf trumpft stets und unmittelbar: "Die Rothschilds waren auch Juden." Die Religion von Bernard Arnault spielt keine Rolle. War Christian Dior ein Christ oder ein Agnostiker? Das spielt keine Rolle! Sie sind Erpressbare, Warnbare, Giganten, die schnell fallen: "Kauft nicht bei Dior." Die Cancel Culture bringt den Sound für Hass: "Dior, Flaggschiff von LVMH, wird von einem Juden finanziert. Bella Hadid ist ein Model, eine junge Unternehmerin. Sie ist keine Jüdin. Deborah Middelhoff quittiert ihren Posten als Chefredakteurin im Jahreszeiten Verlag. Sie geht ins Ausland. Sie ist Jüdin! Bella Hadid ist die Figur in Lola rennt, die jede Sekunde eine Entscheidung trifft, die mit jedem Posting 61 Millionen Menschen in Bewegung versetzt. Was wäre wenn…61 Millionen Menschen für Israel und Palästina Olivenbäume pflanzen, pflegen und die Oliven gemeinsam ernten? Dann würde die Cancel Culture, die keine Kultur ist, den politischen Höhepunkt nicht finden müssen. Und da diese Kultur keine echte Kultur ist, merken Menschen nicht, dass sie in den Judenhass gesteuert werden. Menschen sagen, dass sie keine Juden hassen. Das meinen sie auch ernst. Das meinten Sie immer ernst! Nur…die Juden sind schuld. Sie waren immer schuld. Sie haben sich nie zu Jesus Christus bekannt. Richard David Precht und Herr Lanz vom ZDF hassen Juden nicht. Sie wollten einfach nur mal öffentlich sagen, dass orthodoxe Juden nicht arbeiten dürfen. Erlaubt ist der Diamantenhandel und Finanzgeschäfte. Das ZDF bedauerte, dass diese Äußerungen Kritik ausgelöst haben. Kauft nicht bei Juden! Sie sind anders! Der Precht hatte im Grunde recht. Deshalb bedauern "Antisemiten" die Kritik der Juden. Antisemitismus ist das Tarnkäppchen für Deutsche, die Herrn Höcke verdammen, der über das Mahnmal der Schande spricht. Er bekleckert die deutsche weiße Weste. Lola Bella Hadid rennt mit 61 Millionen Menschen. Die kann sich sehen lassen. Herr Kubitschek, der einen Schuldkult von deutschen Schultern reißen will, geht ohne antisemitisches Tarnkäppchen in Deutschland nicht durch. "Keinen Meter für Faschisten!" Aber der Jude kann gehen. Deutsche reflektieren bis heute nicht, dass sie einem Dummkopf, einem Dieb, einem Lügner folgten, der eine gigantische Cancel Culture zur Kultur erklärte. Sie studieren Hitler. Sie analysieren ihn. Sie vermissen ihn auf eine neurotische Art und Weise. Sie reflektieren nicht, dass er sich, wie ein Dieb, aus der Verantwortung gezogen hat. Sie verzeihen ihm auch nicht, dass er sie sitzen ließ…und deshalb ist der Jude schuld. Der Jude ist noch da. Der Jude hat überlebt. Der Jude hat die Verbrechen aufgedeckt. Der Judas hat den Führer verraten. Deutsche glauben, dass sie Antisemiten sind. Sie glauben es tatsächlich. Jüdisches Leben interessierte sie nie.

I am overblessed

Eine Frau, eine Mutter, eine Ehefrau verliert ihren jungen Sohn. Sie begleitet ihn in den Tod. Sie geht bis an die Grenzen von Leben und Tod, ganz nah - zu nah vielleicht. Sie steht in der Erschöpfung. Das ist der Ort, an dem die irdisch menschliche Schöpfung endet. Sie steht vor einer verschlossenen Tür, die sie nicht öffnet. In der Umlaufbahn ginge sie der Welt verloren. Sie lässt das Leben ihres Kindes ziehen; und sie selbst bleibt hier. Ihr Humor ist tragend. Mit ihrer Selbstironie will sie niemanden nerven. Die Momente, in denen sich ihre Tränen einfach befreien und zeigen, bedeuten mir persönlich viel. Ihre Augen leuchten dann ungewöhnlich hell und wegweisend. In der Musik findet sie Freude und Trost zugleich. Sie singt in einem Chor; und ein Chor lebt nicht durch flache Stimmen - oder stumpfe Texte. Eine junge Frau begleitet ihre Schwester in den Tod. Mit ihrer Mutter, mit ihren Nichten und Neffen geht sie bis an die irdischen Grenzen. Auch sie beschließt, der Welt erhalten zu bleiben. Auch sie öffnet die Tür zur Umlaufbahn nicht. Sie bleibt der Welt erhalten. Sie bleibt hier; und hier meint Zuhause. Bei der Trauerfeier weint sie so sehr, dass ihre Augenlider wund werden; und doch glitzern und leuchten ihre Augen im Wasser. Ihre Stärke ist ihr Sinn für Gerechtigkeit, ihr politischer Geist, ihre Freiheit. Ein Vater überlässt seinem Sohn sein schickes Auto. Ali macht mit seinem Freund eine Spritztour. Beide sind erst zwanzig Jahre alt. Nachts geraten sie in einen schlimmen Unfall. Ali schläft auf der Rückbank. Er stirbt sofort. Sein Freund überlebt. Bei der Beerdigung sackt die Mutter vor dem Sarg zusammen. Sie schreit vor Schmerz - wie eine Mutter, der das Kind aus dem Leib gerissen wird. Ihr eigener Vater hält die Rede für seinen Enkel Alonso, die so leuchtend und lebendig ist, dass sie seine Tochter ein wenig aufrichtet. In dreißig Berufsjahren habe ich nicht einen traurigen Menschen angetroffen, der Rache suchte, der Ärger manifestieren wollte, der abrechnen wollte, der im Mittelpunkt stehen wollte. Ich habe nicht einmal einen traurigen Menschen getroffen, der jammerte, weil er verlassen wurde. Trauernde verstehen sich als Schwache. Ich sehe starke und selbstbewusste Menschen, die eine enorme Strahlkraft haben, die Licht in die Dunkelheit senden. Wie sonst könnte ich mich nach so vielen Jahren an sie alle erinnern?! Sie alle tragen ihr Licht in die Welt, die oft mit dummen Dingen beschäftigt ist. Seit zwei Jahren werde ich, während meiner Arbeit, mit einer völlig unwichtigen Fremdgeschichte belästigt. Der langweilige Klassiker: Ein Paar kauft eine Wohnung. Beide trennen sich. Sie nennt ihn Ex. Er nennt sich selbst Ex. Sie bezieht Jahre später die Wohnung. Er mimt den Handkußprinz, der sie betreuen muss. Plötzlich ist er nicht mehr der Handkußprinz, weil sie einen neuen Typ in die gemeinsame Wohnung einschleppt. Er wird nie mit einer schönen, gebildeten Frau einen Wein in seinem Teil der Wohnung trinken können. Diese mikroskopisch kleine Geschichte wird von ihr überdimensional in mein Bestattungsinstitut projiziert - natürlich völlig gestört und schlampig, dumm und stumpfsinnig. Als Bestatterin habe ich sogar die Pflicht (!) Dummheit auszuladen, sogar auszusperren. Mein beruflich großer Erfahrungsschatz verbietet mir den Umgang mit Hirnlosen, Herzlosen und Geistlosen. Kategorischer Imperativ! Nur so können Menschen verstehen. Es gibt eben einfach keinen Veganer, der Tierisches speist. Für selbstbewusste Frauen gibt es keine Row Zero, in der sie zusehen, wie Mädchen schließlich alles mitmachen! Das ist stumpfsinnig und dumm. Es gibt keine selbstbewusste reiche Frau, die strahlt, die leuchtet und dann einem Epstein Mädchen zuführt, um später zu denken, dass die Mädchen schließlich mitmachen! Das sind dumme Frauen. Es gibt keine jungen Frauen, die um ihr Können wissen, um sich dann mit einem Weinstein zu demütigen! Das hat der Ansatz zu sein. Ein Mensch muss unmittelbar nach seiner Geburt erfahren, dass er strahlen kann und muss, dass seine Augen auch in der Trauer leuchten, dass er sogar die Verpflichtung hat, seine Gaben zu finden!

Einheit

Kein Bestatter im Land würde jene Politiker für eine Trauerfeier buchen, die am Tag der Deutschen Einheit zu uns sprachen. Herr Steinmeier müsste demnach weniger Geld verdienen, als ein Trauerredner. Eberhard Cohrs hätte eine deutlich amüsantere Einheitsrede gehalten. Helga Hahnemann sprach ganz sicher bereits 1970 ein gepflegteres Englisch als Frau Baerbock heute, die mit rund 16.000 Euro im Monat einen diplomatischen Scherbenhaufen in der Welt hinterlassen wird. Angelica Domröse hätte ihr ein dramaturgisches Sprachtraining geben können. Der Westen und der Osten. Das schreiben Medien im Jahr 2023, ohne jeden Kompass. Der Westen hält Reden. Der Osten muss zuhören. Der Westen diktiert Löhne. Der Osten muss lieb danken. Die Einheit ist eine klare Zwangsehe. Der Westen mimt den reichen Mann. Der Osten muss die gefällige Frau sein. Toll wäre es doch gewesen, hätten die Menschen aus der ehemaligen DDR nach dem Mauerfall Nein zur Einheit gesagt. Freiheit! Das wäre für Deutschland eine tolle Erfahrung gewesen. Freie Ossis, die sich selbst erfinden, die sich emanzipieren, die einen Teil des Landes neu konzipieren und kreieren. Freie Menschen, die ganz anders über die Geldwirtschaft nachdenken, die anders über Politik denken können, die andere Einblicke in militärische Interventionen haben. Der Osten wäre ohne die Einheit heute sicher das Valley von Deutschland - ohne Banken vielleicht, Ideenküche für Kryptowährung, ein Ort der guten Künste. Tradition wird in Freiheit immer verwandelt. Vielleicht wäre Thüringen heute ein guter Ort für Alte, die gemütliche E-Clubtrabis fahren - ohne Polizei, weil ohne Kriminalität. Vielleicht gäbe es in dieser Freiheit coole Adi-Festivals. Mach mit - mach`s nach - mach`s besser wäre plötzlich ein politischer Slogan, der die Arbeitslosenzahlen sinken ließe. Ein Westen, der keine Visionen hat, unterbindet, erhebt Besitzansprüche, reduziert "seinen" Osten auf das Ampelmännchen, füttert Bananen und gibt ein Taschengeld für den Haushalt, geht selbst groß einkaufen. Die Ossis sollen ersticken, an dem, was sie nicht sagen können. Einspuren sollen sie sich. Dabei wird der Westen immer schmaler, immer kleiner, immer grotesker, immer unglaubwürdiger, immer verwirrter. Heute klingen so ziemlich alle Politiker wie Herr Stoiber, der Flugzeuge vom Bahnhof München starten ließ und versicherte, dass man in zehn Minuten locker sein Geld in Frankfurt finden würde. Giovanni Trapattoni hätte eine markante Einheitsrede mit Herz gehalten: "Sie haben gespielt wie eine Flasche leer. Ich habe fertig!" Ich habe Menschen aus der ehemaligen DDR immer als freier und offener empfunden, weil sie sich nie selbst aufblasen. Frau Merkel hat doch deutlichst belegt, wie neidisch und bösartig der Westen Fallen stellt. Kohls Mädchen war plötzlich eine Vatermörderin, weil sie Kohl nicht deckte. Das ist doch an Krankheit und Dummheit nicht zu toppen. Mit welchem Gesicht halten solche Leute Einheitsreden? Mit welchem Gesicht wurde über Frau Merkels Frisur gelacht? Solche Leute halten in der St. Michaelis Kirche im Kern eine bigotte Trauerfeier ab. Sie tragen die Einheit zu Grabe; und sie merken es nicht. Auf der Trauerkarte steht: "Wir wollen mit Euch feiern." Der Westen redet natürlich, ohne jeden Inhalt. Das ist Stoiber'sche Verwirrtheit. Politiker im Westen spalten das Land. Das ist ihre Natur geworden. Sie können Einheit nicht. Dafür sind sie zu verwahrlost. Sie können Demokratie nicht. Dafür drehen sie sich öffentlich schon viel zu lange um sich selbst. Sie können auch Migration nicht. Der Weltfrieden ist in extrem weite Ferne gerückt. Der Weltkrieg um Wohlstand manifestiert Klassen, Armut und Tod. Deutschland ist ein Land ohne Einheit. Das hat die Fronten verhärtet. Die Eheleute streiten gerade um die Kinder, über die Alimente, über einen Versorgungsausgleich, über das Haushaltsgeld und über die Grundsicherung. Keine Zwangsehe hatte je eine Vision.