Privates

Ich bin glücklich, dass meine gesamte antifaschistische, antirassistische und humane Bildung ein Gesamtpaket darstellt. Familienhaus, Schule, Bildungsstätten, Gesellschaft waren im Einklang. Berliner wurden von Deutschen trotzdem als Dummköpfe dargestellt. Erst kürzlich wurden meine berliner Nachbarin und ich bei einer völlig inhaltslosen Versammlung als Naja-die-alten-Kreuzberger belächelt. Herrn Dr. von D. fehlte das Pfund, ein Fächer und eine gepuderte Perücke, um den Hochadel plausibel darstellen zu können. Das Wort Gentrifizierung beschreibt nicht einen niederen Adel. Es beschreibt ein psychotisches Denkmuster lupenreiner Rassisten und Faschisten, die Windeln tragen. Es ist eine rostige Schraube, die sich aus dem französischen Wort genterie (gesamter Adel) durch das englische Wort Gentry (niederer Adel) dreht. Die neuen Rassisten und Faschisten pudern sich die Gesichter und wechseln ihre Perücken. Ihre Identitäten sind bloße Kleidungsstücke, die sie dem Anlass entsprechend wechseln. Herr Merz zieht die BlackRock-Jacke aus, dann zieht er die Kanzlermütze auf. Seine Show läuft einfach nicht: "Links gibt es nicht mehr!" Er spielt den Republikaner mit frustrierter Kaulquappenschnute. Die wird die AfD nutzen, um seinen Platz einnehmen zu können. Dann wird Herr Merz eine ganz andere Jacke tragen, um die "kleinen Paschas" in die Fabriken zu bekommen. Er nennt sie dann wieder Gastarbeiter. Für den niederen Adel haben Arbeiter kein Wohnrecht, auch Am Lokdepot nicht. Sie werden neue Gettos schaffen, weil sie tatsächlich denken, dass DAGEGEN ein Konzept ist. Von mir wird nun erwartet, dass, wenn ich über mein Privates schreibe, Geschichten über Beziehungen schreiben müsste, über den Pudding von Dr. Oetker, den der Peter so mag. Andernfalls bescheinigen mir Menschen, dass ich das Leben eines Mannes führe. Bezeichnenderweise sind das immer Menschen, die weder eine männliche noch eine weibliche Identität haben. Evi-Maus vom Lokdepot hat es in zehn Jahren geschafft, ihren Mann komplett zu verbrennen. Das finde ich nicht weiblich. Er ist nur das Ventil für ihren Hass, vor dem sie sich noch fürchtet. Sie wartete auf irgendeinen Bully, der diesen Hass entfesseln konnte. Fusel-Inge hat ihren Hass entfesselt. Fusel-Inge hat eine Wohnung mit einem richtig echten Mann gekauft, der einen Hammer bedienen kann. Elektrodrähte kann er sogar auch verbinden. Sie spielt Frau. Nachdem sie im Grundbuch stand, hat sie ihn rausgeworfen. Das finde ich identitätslos, also nicht weiblich oder männlich. Zum niederen Adel gehören junge Wohnungseigentümer, die ihre Eltern in ihrer Wohnung leben lassen. Alle finden das so süß. Tatsächlich ist es ein kaltes Modell, um die spätere Erbschaftssteuer zu umgehen. Das finde ich nicht human. Hätte ich Eltern, würde ich sagen: "Fahrt mit Eurer Harley über die Route 66. Haut Euer Geld auf den Putz, bis die Schwarte kracht." Ihr Familien-Modell heißt Gier frisst Hirn. Gentrifizierung meint, dass es kein Privatleben gibt. Es gibt keine vier Wände, in denen Menschen sicher sind. Gentrifizierung ist der frontal politische Angriff auf das Privatleben derer, die nicht in diese Gesellschaft gehören sollen. Am Lokdepot muss man nur homophob genug sein, dann schreibt die Frau Doktor Charakterzeugnisse.

60! Gewonnen

Seit dem 20. März 2026 bin ich 60 Jahre alt. Die edle Finalstrecke darf beschritten werden. Ich habe ein Leben gelebt, das mich ausgesucht hat. Ich habe mir meinen Körper nicht ausgesucht. Ich habe mir meine Eltern nicht ausgesucht. Ich habe mir meinen Geburtsort Berlin nicht ausgesucht. Ich habe mir den Kalten Krieg in Deutschland nicht ausgesucht. Ich habe mir die Hürden nicht ausgesucht und ich habe mir den Härtegrad meines Lebens nicht ausgesucht. Sogar der BeRuf hat mich ausgesucht. Ich habe gewonnen! Ich bin gesund geblieben. Ich bin körperlich fit geblieben. Mein Geist hat keinen Schaden genommen, weil ich nie Alkohol getrunken habe, weil ich nie Medikamente oder Drogen schluckte, weil ich nie gelogen habe. Ich habe gewonnen! Niemand konnte mich in Abgründe reissen. Niemand konnte meine Arbeit sabotieren. Niemand konnte mich in seine Kleinkriege zerren. Niemand konnte mich mit seinen Irrtümern vernebeln. Einer der populärsten Irrtümer ist, dass ich Tote versorge. Menschen dürfen nicht vergessen, dass Bestatter die sterblichen Überreste versorgen, die irdischen Geschenke, die das Leben verkörpern. In den ersten 20 Jahren musste ich mich in meinem Leihkörper zurechtfinden. Er war mir stets zu eng. Fehler passieren. Mein Körper ist wahrscheinlich ein Montagsmodell des Himmels. Ab dem 30. Lebensjahr wurde es besser. Ich lernte von einer Meisterin, wie ich das Schwere, das Belastende, das Erstickende aus meinem Körper werfe, wie ich meinen Leihkörper vor Fremdmüll schütze. Ich lernte von ihr, wo ich meine Gedanken produziere, welche Gefühle dann entstehen und wo ich meine Gefühle sortiere. Ab dem 40. Lebensjahr wurde es extrem leicht für mich. Mein Körper war eine Art Flugjet geworden. Ich wurde kaum müde. Ich brauchte weniger Schlaf, um zu regenerieren. Mein Humor sprudelte, meine Fantasie verdrängte schlechte Laune. Das Thema Nähe und Distanz war dann ein sehr leichtes Thema. Trampeltiere, Übergriffige und Grobmotorische bereiten körperliches Unbehagen. Sie verursachen schlichten aber effektiven Brechreiz. Ich lernte von meiner Meisterin, diesen Brechreiz extrem ernst zu nehmen. Österreicher bringen jene Grobmotorischen bissig und extrem scharf gewürzt auf den Punkt: "Die scheißen immer dort wo gegessen wird." Nelly Sachs schrieb hingegen: "Immer dort wo Kinder sterben werden die leisesten Dinge heimatlos…Immer dort wo Kinder sterben verbrennen die Feuergesichter…Immer dort wo Kinder sterben verhängen sich die Spiegel der Puppenhäuser…" Nelly Sachs meinte nicht nur den leiblichen Tod. Als ich 50 Jahre in meinem Körper lebte, wurde ich in meinem Beruf besser und präziser. Meine Gedanken und Gefühle blieben, durch gute Sortierung, jung. Meine Geschäftspartner blieben seriös und auch sie wurden fachlich immer kompetenter. Meine Hinterbliebenen wurden immer freundlicher. Im Privatleben blieben Freunde immer Freunde. Sie erinnern mich an meine Roots. Sie erinnern mich, wie wir vor langer Zeit in unseren brandneuen Körpern eierten. Sie erinnern mich an unsere Sturzflüge und Crashs, bis wir laufen, springen und fliegen konnten. 60 war immer das Mindestziel. Und heute bin ich 60 Jahre alt. 60 ist Paris. 60 ist New York. 60 ist orientalisch, wie 1001 Nacht. 60 ist Politik. 60 ist Weltbühne. 60 ist echt, wenn alles gut gelaufen ist. Ab jetzt fliege ich die nobelste Strecke, die das Leben zu bieten hat. Die Finalstrecke beschreibt die Strecke zwischen dem 60. Lebensjahr und dem 80. Lebensjahr. Die lang ersehnte Flugstrecke im Leben, die viele tolle Menschen leider nicht erreichen konnten. Niemand kann diese Strecke sabotieren, weil Niemand keine Ahnung hat, welchen Verlauf diese Strecke nimmt. Und sollte ich mit 80 Jahren sterben, dann möchte ich ins frische Gras beißen dürfen.

Totgeschossen. Gefühle verhindert!

Der 28-jährige Arbeiter Karl. Der 47-jährige Arbeiter Johann. Der 33-jährige Weber Albert. Der 24-jährige Mechaniker Ferdinand. Der 49-jährige Raschmacher Johann. Der 22-jährige Notenstecher Johann. Der 22-jährige Arbeiter Ludwig. Der 37-jährige Maschinenarbeiter Johann. Die 29-jährige Arbeitsmannsfrau Adeline. Der 30-jährige Buchdrucker Magnus. Der 26-jährige Schlossergeselle Leonhard. Der 45-jährige Privatsekretär Carl. Der 36-jährige Buchbindergeselle August. Der 36-jährige Tischlergeselle Carl. Der 40-jährige Eisenbahnbeamte Wilhelm. Der 20-jährige Vergolder Wilhelm. Der 33-jährige Friseur Alexander. Der 25-jährige Tapezierer Johann. Der 49-jährige Kattundrucker Leopold. Der 34-jährige Schlossergeselle Ferdinand. Der 37-jährige Tischler Ferdinand. Der 26-jährige Schneidergeselle Christian. Der 32-jährige Zeugschmiedegeselle Franz. Der 30-jährige Schlossergeselle Carl. Der 22-jährige Arbeitsmann Friedrich. Der 21-jährige Diener Moritz. Die 45-jährige Charlotte. Der 19-jährige Bildhauer Eugen. Die 26-jährige Lina. Der 46-jährige Schirmfabrikant Wilhelm…Am 18. März 1848 starben in Berlin hunderte von Menschen. Mein Florist legte heute die bestellten Kränze am Brandenburger Tor für sie nieder. Zu den Auftraggebern gehörte die IG Metall und die ungarische Botschaft. Der Platz des 18. März erinnert heute an die bürgerliche Revolution, die die preußische Regierung absetzte. Die Obrigkeit wurde deinstalliert. Die Revolte der Menschen, durch Krisen und Massenarmut provoziert, forderte die Einhaltung der Menschenrechte, die Gewährung bürgerlicher Freiheiten, der Redefreiheit, der Pressefreiheit, der Versammlungsfreiheit, der Vereinsfreiheit. Diese Revolte forderte auch die Rechte der Arbeiterfrauen. Gefordert wurde das Ende der Zensur, das Ende der nationalstaatlichen Zersplitterung und die Teilhabe durch freie Volkswahlen. In diesen Tagen muss ich mich mit Leuten Am Lokdepot demütigen, die wegen einer Pausenzigarette über Jahre jammern und heulen. Ich muss mich mit Leuten erniedrigen, die, wie die Klageweiber, Versammlungen einberufen, weil es nach Essen duftet. Ich soll womöglich einen Hofknicks vor Frauen machen, die über einen Kabelschacht jammern, die zudem von ihren weitaus interessanteren Müttern finanziert werden. Ich muss heute berliner Richterinnen erdulden, die selbstgefällig ihre Tattoos Beklagten und Klägern präsentieren - die das höchste Maß der Verantwortung, die Freiheit, vom Pult fegen - die dafür respektiert werden wollen. Ich soll mich einer Sache unterwerfen, die irgendwer oder irgendjemand Politik nennt. Ich erkenne keine Politik. Ich erkenne die antrainierte Gefühlskälte, die nur noch selbstherrliche Idiotismen abfeiern kann. Deutsche weinen nicht. Deutsche haben keinen Zugang zu ihren Gefühlen. Deutsche retten. Sie retten Wale und Ozeane. Sie retten Hunde in Rumänien und sie retten die Bienen. Sie retten Opfer in Seenot. Sie retten Kinder in Not. Sie retten Geflüchtete. Sie retten den Regenwald. Sie retten die Vögel - aber sie können nicht über 300 Tote weinen, die den Grundstein für eben jene Freiheiten legten. Johann Geraß starb am 18.3.1848. Er war 19 Jahre alt. Er lebte bei Familie Krüger, seinen berliner Pflegeeltern, Fischmarkt 5. Johann machte eine Lehre. Er wollte Buchdrucker werden. Er war ein gebürtiger Berliner. Auch sein Leichnam wurde auf dem Friedhof der Märzgefallenen bestattet. An jenem 18. März starben fast 300 Menschen. Sie alle waren auffällig jung. Deutsche sagen, dass sie aus besitzlosen Schichten stammten. Das ist merkwürdig zu nennen, denn zur ihrer Beerdigung in Berlin-Friedrichshain kamen fast 100 000 Berliner, also damals ein Viertel der Bevölkerung Berlins.

Musik

Ein Krieg läuft immer schon dort, wo Musik verboten wird. Musik beginnt mit Worten. Worte werden im Kopf buchstabiert, nicht in den Füßen. Menschen in Deutschland wissen das nur zu gut, wie Musik politisch eingesetzt werden kann. Zensur. Kirchenmusiker haben sich längst entfesselt. Das ist rebellisch zu nennen. Religiöse Musik liegt heute in fast jeder Playlist. Gospel-Konzerte sind in Berlin schnell ausverkauft. Rockmusik hat den Weg in die Kirchen gefunden. Pfarrer finden es heute nicht mehr schrill, dass Freddy Mercury "Who wants to live forever" singt. Die junge Nina Hagen konnte bei einer Trauerfeier in der DDR nicht "My way" singen. Nach dem Mauerfall war sie bei Trauerfeiern nicht wegzudenken. Die ältere Generation kennt noch die Arbeitslieder, die Kids aus Schneewittchen kennen. Die singenden 7 fleißigen Zwerge, die ihr Tagwerk verrichten. John Lennon und Bob Marley sind bis heute Vertraute, weil sie ihre Musik aufgeschrieben haben. Sie haben einen Weg gefunden, ihre Worte zu singen. John Lennon wurde am 9. Dezember 1980 erschossen. Der Täter hatte keine Worte in seinem Kopf. Bob Marley sagte vor seinem Tod zu seiner Frau Rita: "Forget about your crying - and keep singing." Der tote Opa Bob macht heute Werbung für ADIDAS, weil er gerne Fußball spielte; und Opa John ist gern gesehener Gast bei seinen Kindern und Enkelkindern. >>Imagine there's no heaven - It's easy if you try - No hell below us - Above us only sky…<< Beide Männer waren Systemkritiker - wie Wolf Biermann. Der Wolf wanderte als junger Mann in die DDR ein. Dann wurde er ein Kritiker der SED und der DDR. Opa Biermann bekam 1965 ein Auftrittsverbot - er konnte seine Worte auch nicht mehr publizieren. 1976 wurde er ausgebürgert. >>Du, laß dich nicht erschrecken…Wir woll'n es nicht verschweigen - in dieser Schweigezeit - das Grün bricht aus den Zweigen - wir woll'n das allen zeigen - dann wissen sie Bescheid.<< Fast zeitgleich, 1969, schrieb Norbert Krause seine Worte auf, die Rio Reiser mit seiner Musik unterschrieb: "Macht kaputt, was Euch kaputt macht." 1970 sang die Band Ton Steine Scherben diesen Song. Er wurde auch eine Hymne für die Hausbesetzer. Wiki beschreibt die Band als Politrock-Band. Das impliziert gefährliche politische Gegner, auch dann, wenn es Humanisten sind. Politisierte Musik ist schnell keine Kunst mehr, denn Kunst kann man einer Gesellschaft nicht als Kampf verkaufen. Religiöse Musik ist im Kern Musik, also Kunst. Bis heute werden Berufsmusiker, die in Kirchen und bei Trauerfeiern für einen Gig gebucht werden, als verstaubte, brotlose Loser dargestellt, die immer gleiche Stücke orgeln, dudeln oder tuten. Die meisten Rufmörder kennen dabei nicht einmal den Unterschied zwischen einer Orgel und einem Harmonium. Das führt dazu, dass extrem gute Musiker lieber nicht auf meine Website gelangen wollen, weil damit ihr Ruf beschädigt werden kann. Die Musik hat sich in Deutschland entwickelt. Rapper können extrem männlich-toxisch sein. Sie können frauenfeindlich sein. Sie können maskulin sein. Sie können homophob sein. Allerdings sind sie immer ehrlich. Das macht sie zur Kunst. Ausgerechnet in den USA hat man einem Rapper eigene, alte, Texte zur Last gelegt, um seine Todesstrafe zu begründen. Genau darüber singen Rapper. Das ist die Ironie. Opa Bruce, The white Boss Springsteen, born in the USA, ist bis heute in den Charts, der seine Epstein-Hymne singt: >>Hey, little girl, is your daddy home? Did he go away and leave you all alone? I got a bad desire…Oh, oh, oh, I′m on fire. Tell me now, baby, is he good to you. And can he do to you the things that I do? Oh no, I can take you higher. Oh-oh-oh, I'm on fire. Sometimes it′s like someone took a knife, baby, edgy and dull. And cut a six-inch valley through the middle of my skull<<. Opa Springsteen spielte bisher auf keiner Trauerfeier. Udo Lindenberg und Apache hingegen haben mit "Komet" traurige Herzen geöffnet.

Loslassen

Ich wundere mich über die Gestaltung der Öffentlichkeit. Der öffentliche Raum - so soll es scheinen - soll offen sein. Der öffentliche Raum soll sicher sein; und so wird er uminterpretiert. Akademiker basteln einen geschlossenen Raum. Meine berliner Nachbarin und ich haben Am Lokdepot auch empirische Untersuchungen durchgeführt. Hierfür reichte zunächst die Sichtung der Bankunterlagen, der Verträge, die Sichtung der Buchführung. Wer hat Macht? Wer lenkt? Wer folgt willig? Wer bereichert sich? Wer hält die Konten in der Hand? Wer streut Legenden? Wer spielt falsch? Wer sorgt für die Verfilzung? Wer gehört zum Mob? Der für alle Menschen offene Raum wurde von Unwichtigen geschlossen. Der Raum Am Lokdepot ist kein sicherer Raum mehr! Der Todesfall ist eingetreten! Meine berliner Nachbarin sagte eines Tages zu mir: "Claudia! Hier stinkt es gewaltig!" Wir gingen also in die Keller und bargen die versteckten Leichen. Wir nannten sie alle beim Namen. Wir ermittelten den Zeitpunkt ihres Todes. Ich sagte zu meiner Nachbarin wortwörtlich. "Wenn wir uns beide völlig im Klaren darüber sind, dass sich in diesen Häusern niemand jemals bei uns dafür bedanken wird, dann kommen wir gesund durch!" Wir ließen also los! Unsere gesamte Kraft konnte sich entfalten. Klar war, dass Akademiker in diesen Häusern nicht mehr differenzieren konnten. Sie ließen uns natürlich fallen! Es wundert mich heute also, dass es noch immer Mitläufer gibt. Nach einem Todesfall, nach einer Beerdigung kommt nach etwa 1-10 Jahren eine Phase, in der lebende Menschen loslassen sollen. Der öffentliche Raum bespricht diese Phase falsch, weil unsere Akademien schlechter werden. Menschen denken also, dass sie die Toten fallenlassen sollen. Das hat fatale Folgen, denn die Kräfte der einstig Lebenden, ihre Weisheit kann sich nicht im öffentlichen Raum ausbreiten. Kontrollmechanismen entstehen. Die stinkenden Keller verrümpeln. Niemand soll die Leichen finden. Köpfe sind also ständig mit Kellern beschäftigt. In ihnen gibt es kein Jetzt und keine Zukunft mehr. Jedes kleine Detail, das nicht fallengelassen wurde -ein Foto oder ein Zettel - wird zur Tretmine, die überall detonieren könnte. Eine zufällige Frage wird als Verhör interpretiert. Jedes Fünkchen Licht wird als kommissarische Verhörlampe wahrgenommen. Lügen und Legenden entstehen. In den Häusern Am Lokdepot inszenieren sich Täter wie Opfer. Sie müssten nur Ihre Fehler korrigieren und dann gehen. Meine Hinterbliebenen haben echte Trauerfälle! Ihr eigener Raum wird unsicher. Sie brauchen keinen unsicheren öffentlichen Raum, in dem sich Pseudoopfer darstellen und selbst ausstellen. Hinterbliebene müssen sicher in die Phase des Loslassens begleitet werden. Was wäre das für eine Gesellschaft, die predigt, dass wir die Toten fallenlassen sollen? Es wäre eine gestorbene Gesellschaft, die ihre Leichen im Keller versteckt. Es wäre eine Gesellschaft, die sich für die Toten schämt. Es wäre eine Gesellschaft, die keine Visionen hat!