Die Wahrheit

Wenn die Wahrheit, die viele Menschen durch Kant erlernt haben, immer mit der Moral verknüpft ist, dann wird aus der Wahrheit schnell eine Lüge, die wir als Wahrheit identifizieren. Die Frage darf in einer demokratischen Gesellschaft nicht lauten: "Kann man diese oder jene Information einem Menschen zumuten? Was löst das aus?" Die Wahrheit muss schonungslos bleiben. Sie könnte lauten: "Ich habe mich geirrt. Du hattest recht!" Die an die Moral geknüpfte Wahrheit fragt: "Wie stehe ich denn jetzt vor dem anderen da, wenn der erfährt, dass ich Fehler mache?" Eine an die Moral geknüpfte Wahrheit fördert zudem die Abkehr von einer Demokratie. Fehler, Pannen, Katastrophen dürfen nicht mehr das Tageslicht erblicken, denn schließlich steht irgendein Ruf auf dem Spiel. Es ist interessant, dass die britische Staatsanwaltschaft einem deutschen Tennisstar "einen schlechten Charakter" bescheinigte, weil der seine finanziellen Verhältnisse unkorrekt darlegte. In Großbritannien drohen ihm 7 Jahre Haft. In Deutschland werden die deutschen Reichen vor Gericht gebauchpinselt, denn Behörden fragen sich: "Wie steht unsere Behörde da, wenn wir einen deutschen Sportstar, der Millionen nicht korrekt angibt, verurteilen?" Die Rundfunkanstalten treiben sich bereits in die Lügen. Sie halten sich nicht mehr an ihre eigenen Vorgaben, die dem Bürger im Internet Aufschluss geben sollen. Sie unterstellen einem Geschäftspartner, dass er für jede seiner Firmen unterschiedliche Büroräume, unterschiedliches Personal haben muss. So generieren Sie mehrfache Gebühren. 800 000 laufende Verfahren in Deutschland gegen die Rundfunkanstalten belegen keine Wutbürger. Deutsche Gerichte haben festgestellt, dass der Beitragsservice keine rechtsfähige Einrichtung ist. Gleichermaßen mahnt dieser Service, auch dann, wenn die Beiträge falsch erhoben werden. Ein falsches und rechtlich falsches Mahnwesen führt unter Umständen in ein Vollsteckungsverfahren. Kein Endverbraucher weiß, wer rechtlich tatsächlich klagen darf, verklagt werden darf. ARD, ZDF in Köln - Der RBB in Berlin? Die Wahrheit, an die Moral geknüpft, führt in die Lüge. Die Rundfunkanstalt muss recht haben: "Wie stehen wir sonst da, wenn der Unternehmer belegen kann, dass er 2 Firmen in einem Büro, mit einem Personalstamm führen kann?" Denn sie hat die Wahrheit vertraglich erhalten. Die Wahrheit ist, dass sie ihren wahren Charakter zeigte, als man ihr Macht gab. Die Frage muss nach Kant lauten: "Wie viel Ausforschung ist für einen Menschen, für einen Unternehmer zumutbar, um nicht erneut in alte Mechanismen zu fallen? In welchem Maß dürfen wir die Wahrheit verbiegen, also einen Beitragszahler einen Lügner und einen Betrüger nennen?" Als Bestatterin kann ich die Wahrheit nicht verbiegen. Ich kann den Tod nicht verlügen. Reines Training.

Blinde Flecken

In der Trauer spricht man von "blinden Flecken", wenn zum Beispiel eine ehemalige Lebensgefährtin vom Tod ihres Ex-Partners erfährt und vor allem sich selbst vorgaukelt, dass sie bis zum Ende die Lebenspartnerin war. Der "blinde Fleck" ist in Suizidfällen ein seelischer Schutz. Nach und nach lässt man Kritik und Selbstkritik zu. Ein Lehrer wird in der Nähe von Paris geköpft. Die Welt ist nicht mehr im Modus "Je suis Charlie". Samuel wird enthauptet. Herr Paty. Der Lehrer. Auf offener Straße wird er hingerichtet. Nach seinem Tod wird ihm der Kopf abgetrennt. Der Täter ist mir egal. Sein ganzes Leben ist mir egal. Seine Mitgliedschaften - in Vereinen - in Organisationen - in Bücher-Clubs - sie interessieren mich nicht. Der Name dieses Mannes ist uninteressant. Er wurde nach seiner Tat erschossen. Das ist ein kleines Glück im Unglück für die Familie, für die Kollegen, für seine Schüler. Samuel Paty liegt in einem Holzsarg. Der ist trapezförmig und steht auf einem Metallgestell. Präsident Emmanuel Macron erklärt Samuel zum Helden - post mortem. Eine Schule der westlichen Welt ist also Kriegsschauplatz geworden. Kevin Kühnert schreibt im Spiegel: "Die politische Linke sollte ihr Schweigen beenden." Er beschreibt "blinde Flecken". Er wirkt fast komisch. Er beschreibt einen Mord. Samuel Paty wurde öffentlich hingerichtet. Ein Gesetz, das mir egal ist, war wohl auf der Seite des Vollstreckers. Charlie Hebdo wurde hingerichtet. Sein Verlag wurde in Schutt und Asche gelegt. Ein Gesetz, das mir egal ist, war wohl auf der Seite der Vollstrecker. Kevin Kühnert glaubt an eine Linke. Was meint er damit? Meint er, dass europäische Linke den Islam fördern, finanzieren, sogar Schulbücher finanzieren, die den Judenhass über Generationen erhalten werden? Meint er etwa die Justizministerin der SPD, die Gewalt gegen Kinder hart bestrafen will, aber keine effektiven Zahlen über Kinderehen in Deutschland vorweisen kann? Kevin Kühnert schreibt im Jahr 2020 über einen Kampf? Wer kämpft wo und wogegen? Es ist schon lächerlich, dass Herr Kühnert ernsthaft glaubt, ausschließlich Rassisten sind gegen Enthauptungen in Paris. Wo lebe ich? Ich darf in diesem Land nicht nur meine Meinung äußern. Ich darf sogar jeden Menschen ordentlich beschimpfen - nach allen stilvollen Regeln der Schimpfkunst. In diesem Land, in diesem Europa gibt es keine Todesstrafe! Es gibt keine Hinrichtungen! Samuel, der Lehrer aus Frankreich, wurde auf offener Straße geköpft. Eine Klinge trennte seinen Kopf ab. Sein zerstörter Körper wurde auf Twitter ausgestellt - und Kevin Kühnert verteilt im Spiegel Brillen an die Linke. Mir wird schlecht!

The Magic of maybe

Realität beschreibt das echte Leben, also nicht das theoretische Chatleben, in dem über das Leben geschrieben wird. Das Internet rottet eine bloße Fetischgemeinde. Kein Mensch kann eine fotografierte Geburt riechen, tasten. Kein Mensch kann das Leben im Internet beschreiben. Warum auch? Leben muss gelebt werden. Das Internet ist ein Raum, in dem Amputationen ausgeführt und gefeiert werden. Aus Homeoffice wird Homo. Verstümmelte können nicht klatschen. Ein Amputator, heute vegan, nimmt einen Hashtag-Award entgegen. The magic of maybe hält ihn rünstig. Der Typus sucht Fleisch. Da ist Donald Trump ein gefundes Fressen. Er legitimiert die große Verstümmelung. Das große Fressen vergeht wohl jedem. Das echte Leben verliert Lebende, Liebende, Fühlende. Der Abschied ist nicht nur eine Idee derer, die zu viel Geld haben, um es für eine Beerdigung auszugeben. Die Bestattung ist kein Fetisch, den man abschaffen muss, weil man darauf auch gut verzichten kann. Ein Tablet ist kein Ersatz für ein Menschenleben. Das Internet ist nur ein Ort, an dem Trauernde amputiert, verstümmelt und zur Schau gestellt werden. Selbst Jeff Besos sagt: "Das Biest, das Du fütterst, wird Dich fressen." Die Bestattung in Zeiten der Pandemie eröffnet die zwei Maßstäbe der Gesellschaft. Eine städtische Friedhofsverwaltung gibt die Anweisungen der Senatverwaltung Berlin weiter. Einer Bestattung dürfen 50 Personen beiwohnen. 10 Personen dürfen in die Trauerhalle, wenn ein Redner die Zeremonie leitet. 40 Personen dürfen in die Trauerhalle, wenn ein Pfarrer die Zeremonie leitet. Echte Menschen denken immer dann, wenn ein Keil in die Gesellschaft getrieben wird. Was sagt uns der Senat Berlin? 1. Religiöse sind reiner und immuner als Weltliche? 2. Religiöse werden in der Pandemie auf den Friedhöfen geopfert? 3. Die Kirche, nicht der Senat Berlin, koordiniert die Stadt in der Pandemie? The magic of maybe... Vielleicht gibt es eine logische Erklärung. Vielleicht ist es ein Fetisch. Vielleicht wird die Gesellschaft von Gedankenlosen gespalten. Vielleicht gibt es ein Konzept. Vielleicht auch nicht. All das wird Menschen auf Friedhöfen zugemutet. Es ist kein Event. Es ist offenkundig nur eine Veranstaltung, da Religiöse erhöht oder erniedrigt werden.

Lageberichte

Heute fragte mich ein Hinterbliebener: "Dürfen nun noch immer 20 Familienmitglieder in eine Trauerhalle?" Einfacher kann eine Frage nicht sein. Ich suche auf Berlin.de und finde einen Teddybären, den Chatbot Bobbi, der auf eine Einfachfrage keine Antwort findet. Bobbi ist ein Produkt des Fachzentrums IDBB – Intelligente Dienste für Bürger und Behörden. Bekommt man dafür Fördergelder? Dann mache ich was falsch. Bobbi, ach der süße Bär, zeigt mir, wie ich Grundsicherung beantragen kann, wenn ich mein künftiges Einkommen nicht benennen kann. Ein Teddy auf meiner Seite, zu so einem Katastrophenthema, wäre mir extrem peinlich. Ich komme auf die Seite Corona-Lagebericht der Stadt Berlin (Stand 15.10.20): 20 087 Menschen sind infiziert. 15 391 Menschen sind genesen. 238 Todesfälle(+2) wurden gemeldet. Man kann sogar über einen RSS-Feed Covid-19 Erkrankungen abonnieren. (Wenn das Krieg ist - dann möchte ich wissen: Was ist Frieden?) Ich werde morgen beim Friedhof anrufen. Man wird mir die Seite der Bundeskanzlerin benennen, auf der ich dann 5 Stunden suchen soll. Die Senatsverwaltung schrieb mir ja einst: "Der Bürgermeister kann sich nicht um kaputte Orgeln auf Friedhöfen kümmern." Derartige Schreiben, auf Geschäftspapier der Erlauchten, wirken, nach einem Partybürgermeister, als wolle man den aktuellen Bürgermeister in eine Versenkung befördern. Kräfte wirken heute unbewusst. Apropos Kanzlerin. Gestern buffte, touchierte ich beim Ausparken ein Fahrzeug. Ich musste aus einer Parkbucht manövrieren, über einen Fahrradweg rollen, das macht man mit Bremsfuß, und knuffte dann ein Fahrzeug, das im Stau stand. Es regnete und es war dunkel. Ich stieg aus und ein Blitz durchfuhr mein unbedeutendes Dasein: "Shit! Ich habe die Kanzlerin geknufft." Ich stand vor einer mächtig großen Mercedes Limousine. Obsidianschwarz. Metallic. Der Kofferraum beginnt auf Hüfthöhe und die Buchstaben AMG blitzten durch die Nacht. Ich hoffte, dass eine feurige Chauffeurin, im Stil von 3 Engel für Charlie, aussteigt, den Kofferraum öffnet, einen AMG Regenschirm entnimmt, eine Benz-Taschenlampe und eine Visitenkarte der Kanzlerin aus ihrem Overall zückt. Das Auto öffnete sich und das Gegenteil einer Autonärrin stieg aus. Eine junge im Verhältnis zum Fahrzeug kleine Frau nahm ein Taschentuch und dann suchte sie einen Schaden. Sie "entdeckte" eine alte Schramme von einem Kinderwagen. Ich holte eine Politur, ein ausfahrbares Maßband und eine getunte Taschenlampe aus meinem weltlich realistischen Vito. Meine Stoßstange ist auf Höhe 53 cm. Ihre Schramme lag auf Höhe 74 cm. Sie wollte die Polizei rufen, die ich dann rufen musste, weil sie, trotz Navi in Kinoleinwandgröße, nicht wusste, in welcher Straße wir standen. Auch in ihrem Smartphone fand sie keine Straßenangabe. Nach einer Stunde kamen 3 uniformiert internationale Engel für Charlie von der Polizei und suchten einen Schaden. Vier Taschenlampen fanden nichts. Die Besitzerin des AMG, in einer preiswerten Lederjacke und preiswerten Jeans, mit preiswertem Gürtel, hatte Angst: "Wenn innen nun etwas kaputt ist?" Ich dachte: "Felgen und Achsen eines AMG würden bei einem Aufprall von 80km/h Schäden aufweisen. Vielleicht sollte meine Schwester mit ihr eine Testfahrt über den Lausitzring machen." Die Polizistin erklärte ihr fast schon therapeutisch, dass man innen nichts finden wird, wenn man außen nichts sieht. Ich selbst musste noch arbeiten und wartete. Während ich wartete, verstummte ich! Ich wägte ab, denn ich war glücklich darüber, dass ich keinen Fußgänger touchiert hatte. Wie viele Menschen fördern und produzieren Smartphones, Chips, Navis, Kabel, Ladestationen, Knöpfe, Türgriffe, Lederpolster, Karrossen, Reifen, Scheibenwischer, Sitzheizungen, Fußmatten, Bildschirme, Glas, Spiegel, Bremsbelege, Gehäuse, Straßen für Transporter, bis eine Nichtautonärrin und Nichtinternetbegeisterte den Weg in ein Autohaus findet, um eine Limousine herauszufahren, die sie unglücklich macht - wenn es keine Schäden über die Versicherung abzurechnen gibt?

Zuckerbrot und Peitsche

Es gibt viele plausible Gründe, warum Menschen im Fall der Coronamaßnahmen skeptisch werden. In der letzten Woche fand die "Arbeitsgemeinschaft Influenza" des Robert-Koch-Instituts statt. Es ging um die Entwicklung der Virusgrippe-Erkrankungen. In Deutschland gibt es bisher zwei Wege, auf Krankheiten (des Atemsystems) zu reagieren. Entweder beschreibt man einen volkswirtschaftlichen Schaden, der nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2018 bei 34 Milliarden Euro lag; das war Platz 3, nach Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und psychischen Störungen - oder man droht mit der strafrechtlichen Verfolgung (§367 Abs.1 Nr.3 StGB): "Wer ohne polizeiliche Erlaubniß Gift oder Arzneien, soweit der Handel mit denselben nicht freigegeben ist, zubereitet, feilhält, verkauft oder sonst an Andere überläßt." Dieses Gesetz galt von 1961 bis 1975. In Deutschland ging der Gesetzgeber davon aus, dass die Erkältung eine Beschwerde, eine Unpässlichkeit ist, also keine Krankheit. Das Amtsgericht Bremen verurteilte Ende der 1950er Jahre einen Drogisten, der Kopfschmerztabletten verkaufte. Die Revision führte das OLG Bremen zurück in die Kaiserliche Verordnung von 1901, die den Verkehr mit Arzneimitteln regelte. Das OLG meinte trotzdem, dass Schnupfen - wie auch Sodbrennen oder Kopfschmerzen - keine Krankheit sei. Weil das Kammergericht aber mit Urteil vom 26. September 1956 erklärte, dass "als Krankheit jede Störung der körperlichen und geistigen Gesundheit, d.h. jede Abweichung von der Norm" gelten solle, die geeignet ist, das Wohlbefinden zu beeinträchtigen", hatte das OLG Bremen um Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) gebeten. Mit Beschluss vom 21. März 1958 (Az. 2 StR 393/57) darf sich jeder Mensch - mit dem ersten Niesen eines sich bahnenden Schnupfens - offiziell krank nennen! Die Moderne rechnet sogleich den volkswirtschaftlichen Schaden aus, der durch anwesend verschnupfte Mitarbeiter entstehen kann: 130 Milliarden Euro im Jahr. Nun sind Deutsche entweder old school. Sie gehen arbeiten bis der Arzt kommt - oder Deutsche sind new school, dann ist der minimalste Anstieg der Körpertemperatur desaströs, ein hörbarer Hilfeschrei der Seele. Deutsche Medien machen in einer Pandemie die größten Fehler. 1. Wenn man über Wellen berichtet, die über das Land kommen werden, dann fördert man den Aluhut. 2. Wenn man Corona-Zweiflern das Strafgesetzbuch aufbrummt, ihnen also eine Virus-Erkrankung einhämmern will, die sie nicht verstehen, dann ist das politisch und menschlich falsch. 3. Wenn ein Bürgermeister im Vorstand einer Klinik sitzt, dann macht es den einst hochangesehenen Chefvirologen unter Umständen unglaubwürdiger, da er nicht den Eindruck der Unabhängigkeit vermittelt. Fassungslos macht mich nicht die Gesetzgebung. Fassungslos macht mich auch kein Herr Wendler. Fassungslos macht mich eine unsouveräne Menschenmasse, die ihm nichts Fachliches entgegenbringt. Sie benehmen sich so, wie er es voraussagt. Selbst der durch Dauerweichzeichner selbstportraitierte Herr Bohlen sagt nicht: "Ey, Kumpelchen. Was fehlt Dir denn? Der kritische Herr Kubicki von der FDP verhindert auf jeden Fall eine von Dir befürchtete Zwangsjacke." Humorlos und kerngesund(!) zeichnet sogar eine Computerzeitschrift den Herrn Wendler wie einen gefährlichen Psycho. RTL hätte souverän schreiben können: "Seine Trump-Nähe passt nicht zu unserem Konzept. Alles Gute für Herrn Wendler." Kaufland hätte den Werbevertrag schlicht kündigen können. Sie machen noch eine Umkehrwerbung daraus: Wir, die Guten, jagen das Böse aus dem Land. Das hat mir zu esoterisch narzisstische Züge. Wenn in meinem Geschäft maskierte Menschen skeptisch sind, dann habe ich keine staatlich politische Mission zu erfüllen. Ich habe eine Skepsis zu akzeptieren. Ich finde Skeptiker sogar hochinteressant: Polizisten, Apotheker, Ärzte, Gesundheitsämter. Ich bin kein Sittengemälde - für keinen Staat.