Musik
13/03/26
Ein Krieg läuft immer schon dort, wo Musik verboten wird. Musik beginnt mit Worten. Worte werden im Kopf buchstabiert, nicht in den Füßen. Menschen in Deutschland wissen das nur zu gut, wie Musik politisch eingesetzt werden kann. Zensur. Kirchenmusiker haben sich längst entfesselt. Das ist rebellisch zu nennen. Religiöse Musik liegt heute in fast jeder Playlist. Gospel-Konzerte sind in Berlin schnell ausverkauft. Rockmusik hat den Weg in die Kirchen gefunden. Pfarrer finden es heute nicht mehr schrill, dass Freddy Mercury "Who wants to live forever" singt. Die junge Nina Hagen konnte bei einer Trauerfeier in der DDR nicht "My way" singen. Nach dem Mauerfall war sie bei Trauerfeiern nicht wegzudenken. Die ältere Generation kennt noch die Arbeitslieder, die Kids aus Schneewittchen kennen. Die singenden 7 fleißigen Zwerge, die ihr Tagwerk verrichten. John Lennon und Bob Marley sind bis heute Vertraute, weil sie ihre Musik aufgeschrieben haben. Sie haben einen Weg gefunden, ihre Worte zu singen. John Lennon wurde am 9. Dezember 1980 erschossen. Der Täter hatte keine Worte in seinem Kopf. Bob Marley sagte vor seinem Tod zu seiner Frau Rita: "Forget about your crying - and keep singing." Der tote Opa Bob macht heute Werbung für ADIDAS, weil er gerne Fußball spielte; und Opa John ist gern gesehener Gast bei seinen Kindern und Enkelkindern. >>Imagine there's no heaven - It's easy if you try - No hell below us - Above us only sky…<< Beide Männer waren Systemkritiker - wie Wolf Biermann. Der Wolf wanderte als junger Mann in die DDR ein. Dann wurde er ein Kritiker der SED und der DDR. Opa Biermann bekam 1965 ein Auftrittsverbot - er konnte seine Worte auch nicht mehr publizieren. 1976 wurde er ausgebürgert. >>Du, laß dich nicht erschrecken…Wir woll'n es nicht verschweigen - in dieser Schweigezeit - das Grün bricht aus den Zweigen - wir woll'n das allen zeigen - dann wissen sie Bescheid.<< Fast zeitgleich, 1969, schrieb Norbert Krause seine Worte auf, die Rio Reiser mit seiner Musik unterschrieb: "Macht kaputt, was Euch kaputt macht.<< 1970 sang die Band Ton Steine Scherben diesen Song. Er wurde auch eine Hymne für die Hausbesetzer. Wiki beschreibt die Band als Politrock-Band. Das impliziert gefährliche politische Gegner, auch dann, wenn es Humanisten sind. Politisierte Musik ist schnell keine Kunst mehr, denn Kunst kann man einer Gesellschaft nicht als Kampf verkaufen. Religiöse Musik ist im Kern Musik, also Kunst. Bis heute werden Berufsmusiker, die in Kirchen und bei Trauerfeiern für einen Gig gebucht werden, als verstaubte, brotlose Loser dargestellt, die immer gleiche Stücke orgeln, dudeln oder tuten. Die meisten Rufmörder kennen dabei nicht einmal den Unterschied zwischen einer Orgel und einem Harmonium. Das führt dazu, dass extrem gute Musiker lieber nicht auf meine Website gelangen wollen, weil damit ihr Ruf beschädigt werden kann. Die Musik hat sich in Deutschland entwickelt. Rapper können extrem männlich-toxisch sein. Sie können frauenfeindlich sein. Sie können maskulin sein. Sie können homophob sein. Allerdings sind sie immer ehrlich. Das macht sie zur Kunst. Ausgerechnet in den USA hat man einem Rapper eigene, alte, Texte zur Last gelegt, um seine Todesstrafe zu begründen. Genau darüber singen Rapper. Das ist die Ironie. Opa Bruce, The white Boss Springsteen, born in the USA, ist bis heute in den Charts, der seine Epstein-Hymne singt: >>Hey, little girl, is your daddy home? Did he go away and leave you all alone? I got a bad desire…Oh, oh, oh, I′m on fire. Tell me now, baby, is he good to you. And can he do to you the things that I do? Oh no, I can take you higher. Oh-oh-oh, I'm on fire. Sometimes it′s like someone took a knife, baby, edgy and dull. And cut a six-inch valley through the middle of my skull<<. Opa Springsteen spielte bisher auf keiner Trauerfeier. Udo Lindenberg und Apache hingegen haben mit "Komet" traurige Herzen geöffnet.