Claudia Marschner

vegane Trauer

"Und wenn ein Mensch Veganer ist?" Tja. Ihr müsst jetzt sehr tapfer sein. Veganer kann man nicht trösten, weil ausschließlich Parmaschinken Trost spenden kann! Veganer haben keine Kühlschränke; sie haben also keine bevorzugte Nahrung in ihrer Trauerphase. Bedauerlicherweise gibt es keine veganen Filme für Veganer, die eine ungewöhnliche Form der Trauer unterstützen könnten. Veganer dürfen nach einem Trauerfall also nicht mehr froh werden. Schuld ist der Parmaschinken… ein böser Schinken. Und hier findet sich die Begründung für magere Frager, die immer und überall einen Mittelpunkt suchen, anderen Menschen den Trost nicht geben, also nicht gönnen können. Derartige Frager, die wir Berliner schlicht voll Stulle nennen, absorbieren den Kummer anderer Menschen, um ihr Aufmerksamkeitsdefizit an einem fremden Buffet zu stopfen. Im Zustand ihrer Verstopfung verdrehen sie ihre breiartigen Inhalte, um einem zufällig Zuhörenden das Gefühl zu vermitteln, dass Menschen, die Menschen mit Parmaschinken und Filmen trösten, keine Veganer sein könnten, denn ein Lebensgefühl ist für Verstopfte immer ein Gefängnis, das sie einem Gegenüber andichten müssen, um sich selbst eine Form der Freiheit vorgaukeln zu können, die im Wesen eine Isolation ist; und keine Isolation kann Trost spenden. Es geht also nicht darum, die Lebenshaltung eines Verstopften einzunehmen. Es geht darum, seine eigene Lebenshaltung deutlich zu zeigen, damit der Trauernde seine eigene Haltung wiederfinden kann. Meine eigene Haltung ist also nicht vegan. Sie ist human!

Traurige Berliner

Menschen lieben Berlin. Was lieben sie an Berlin? "Na…alles eben." Niemand liebt die Berliner. Ein Fall für den Naturschutz. Berliner sind traurig, melancholisch, plötzlich wieder heiter, aufgeweckt, desillusioniert und voller Illusionen. Die Geschichte prägt. Die Geschichten gießen Berliner in ein immer wieder neues Glas. Die Trauer steht Berlin gut. Nicht der Tod. Das wäre viel zu drastisch. Es gibt unzählige Abschiedsgeschichten - Liebesgeschichten, die in Berlin beendet wurden. Abschiedssehnsüchtige trösten so: "Na? Wollt mal hören…!" Abschiedsbettler trösten so: "Könntest Du am Samstag meinen Dienst übernehmen?" Berliner trösten so: "Ich habe Parmaschinken eingekauft und zwei passende Filme. Einer ist von Dorris Dorrije. Irgendwas mit Kirschblüten. Und der andere…also jedenfalls… ich bin gleich da." Jedenfalls - das ist wichtig - umschifft falsche Beileidsbekundungen, die im Grunde eine erneute Trauer auslösen könnten. Jedenfalls meint: "Lange Rede, kurzer Sinn. Ich weiß, was Phase ist. Und! Ich weiß genau, sehr genau, wo es lang geht." Es könnte sein, dass zwischen Dorris Dorrije und Parmaschinken ein Joint…Rauchen! Das Bewusstsein darf ein einziges Mal erweitert werden. Trauernde haben einen Doppelbonus.

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