Reformationstag und Halloween
31/10/26
Ich finde den heutigen Tag passend, ein Gemälde zu beschreiben, das so alt, trotzdem so aktuell ist, wie kaum ein anderes Werk. Der deutsche Künstler, Friedrich Moritz August Retzsch, am 9. Dezember 1779 in Dresden geboren, vollendete 1831 seine Arbeit "Die Schachspieler". Friedrich war 52 Jahre alt. Er ist als Künstler bekannt dafür, Emotionen und Erzählungen einzufangen. Jeder Strich graviert Ausdrücke, Gesten und Körperhaltungen. Ein Innenleben wird offenbart. Eine Kunstgalerie schreibt noch im Jahr 2023: "Retzsch begab sich auf eine Reise, um die intellektuelle Intensität und das psychologische Drama eines Schachspiels zu veranschaulichen." Ich denke natürlich nicht, dass er Intellektuelle oder gar psychologische Dramen eines tatsächlichen Schachspiels aufdecken wollte. Das Gemälde zeigt einen jungen Mann in Anstrengung, der mit dem ziemlich dummen Teufel Schach spielt, der natürlich überheblich ist. Sie spielen um die Seele des jungen Mannes. Das Schachbrett steht auf einem Sarkophagdeckel. Am Tisch steht ein unsportlicher Engel, der gleichmütig auf das Spielfeld schaut. Alle Protagonisten wirken androgyn. Am Spielrand ist eine Spinne zu erkennen. Vielleicht hilft ihre Anwesenheit ein Gewebe aus Lügen und Täuschungen herzustellen. Heute frage ich mich, was ich mich in der tiefsten Vergangenheit nicht gewagt hätte zu fragen. Wie kann man so naiv sein, mit einem dummen Mann, der mit einer Feder am Hut und einem roten Umhang brilliert, so ein hochwertig strategisches Spiel zu spielen, das bereits vor Christus in Indien gespielt wurde? Wie kann der junge Mann, der weniger imposant gemalt wurde, so maßlos einfältig sein, nicht zu erkennen, dass der Typ, der ihm gegenüber sitzt, komplett idiotische Figuren ins Feld schickt, die seinen Glauben zerstören sollen, die klare Regeln zerstören, die Spaß am Spiel zerstören? Wie kann man so dermaßen ungebildet sein, mit einer Witzfigur um seine eigene Seele zu spielen? Der junge Mann sitzt tatsächlich freundlich und ernsthaft mit einem Falschspieler am Tisch und hofft auf Fairness. Er sitzt mit einem Gestörten am Tisch und er glaubt, dass er seine Seele, warum auch immer er um sie spielen muss, retten kann. Er sitzt mit einem Psychopathen vor einem manipulierten Schachbrett. Sein Einsatz ist sein Leben! Funktioniert das noch heute? JA! Es funktioniert heute besser denn je. Das macht das Gemälde von Friedrich so unendlich groß. Es zeigt heute obendrauf die stupid blinden Betrachter, die hinnehmen, die sich womöglich mit dem Engel identifizieren. Das alles hat Friedrich bereits im Jahr 1831 gewusst. Er wusste, dass das Spiel um das eigene Leben nie enden wird. Er ist der Vorläufer von Frank Schirrmachers Buch >>Ego: Spiel des Lebens<<. Er ist der Vorläufer von Gabor Steingarts Buch >>Weltkrieg um Wohlstand<<. Friedrich Moritz August Retzsch wusste bereits im 19. Jahrhundert, dass der Mensch immer und zu jeder Zeit verblendet werden kann. DAS macht ihn zum Star der Kunstszene in Deutschland, zum Star in der Literatur, zum Star der Zukunft, zum Star der Bestattungsszene. Wer wollte schon einen jungen Mann zu Grabe tragen, der sein Leben mit einem Psychopathen verspielt hat? Er hätte auch andere Leben verspielt. Wer wollte jemanden ehren, der unlautere Methoden anwendet, die Menschen das Leben kosten? Niemand, nur Heuchler.