Das Böse und das Gute
18/09/26
Ich wurde in meinem eigenen Leben unzählbare Male als böse bezeichnet. Das böse Mädchen, die böse Frau, die böse Frau Marschner. Die Verschwörungstheoretikerin am Lokdepot nennt mich eine dunkle Spirale, vor der man sich hüten muss. Sie spielt Großinquisition, da sie Tote und Geister hört. Sie baut ein Getto auf; ihr Getto. Kürzlich sagte ernsthaft ein Mensch, ich erinnere ihn an Osama bin Laden, der ging auch zu seinen Wurzeln zurück. Meine "Rolle" im Haus, Am Lokdepot, wurde bereits mit der "Rolle" Putins verglichen. Das Label böse drucken bestimmt immer die Guten. Das führte wohl dazu, dass ich vor einigen Tagen von Donald und Melania Trump träumte. Ich war Gast bei ihnen und beide zeigten mir begeistert Porzellanschalen. Das Lächerliche war, dass sie mich dabei nicht wahrnahmen. Donald bewunderte eine blaue Schale mit einem Deckel. Er fiel in einem Sessel zurück und hat sich, wie ein Königskind, daran ergötzt. Ich fand ihr Porzellan belustigend hässlich. Mit dem Gedanken wie kann man so hässliches Porzellan nur so gut finden wurde ich wach; und zum ersten Mal, nach Jahren, wachte ich morgens auf und konnte herzlich lachen. Ich möchte mich bei allen Religiösen in Deutschland für eine übergroße Lehre bedanken. Sobald Religiöse Politik touchieren, reden deutsche Politiker und Politikerinnen über das Gute und das Böse. In Deutschland reden sie also über Maria, die Gute und über Eva, die Böse. Dann kommen die ersten Stolperfallen. Putin ist böse - also muss Trump das Gute sein. Sie verstolpern sich noch mehr bei den Attentätern. Ein Attentäter sollte böse sein. Da aber das Leben einer Sünderin auch weitergeht, können deutsche Richter Gnade walten lassen. Deutsche Politik stellt auf Pragmatismus. Sie behauptet damit, dass man nicht in Vielfalt leben kann, eher in Einfalt. Diese Einfältigkeit hält sie von freundlichen Gesten jeder Art ab. Ein Vater eines jungen Mädchens erzählt seit einiger Zeit öffentlich das Schicksal seiner Familie. Seine 17-jährige Tochter, Ann-Marie, wurde im Jahr 2023 getötet. Ihr Freund war bei ihr. Auch er wurde getötet. Sie fuhren mit der Bahn. Ein Mann wütete mit einem Messer. Er verletzte viele andere Menschen. Eine 54-jährige Frau nahm sich nach dem Attentat das Leben, weil sie die Eindrücke dieser Tat nicht mehr tragen konnte. Als die Tat bekannt wurde, spielte die Bundesministerin, Nancy Faeser, Hohe Priesterin. Das Land sollte nicht nach rechts rutschen. Das war der pure Blödsinn, denn in dem Ort, in dem der Vater lebt, wählen friedliche Bürger die CDU haushoch. Die Familie von Ann-Marie hat nicht nur Ann-Marie verloren. Sie verloren ihren guten Ruf, ihre Ruhe, ihre Heilungsmöglichkeit. Sie bekamen natürlich Rechnungen. Die deutschen pragmatischen Bürokraten beschrieben das Gute. Ihre Tochter wurde getötet, sie wurde in der Gerichtsmedizin untersucht. Das müssen Sie bezahlen. Die guten deutschen Leitmedien gehen mit dem Tod von Ann-Marie ziemlich pragmatisch um. Das böse Mädchen bringt nur Ärger, sie bringt die guten Gläubigen nur auf dumme Gedanken. In Brüssel ging man ganz anders mit Opfern des im Jahr 2016 verübten Attentats in einer Bahn um. Die Opfer wurden auch 10 Jahre danach gesehen und sehr behutsam befragt. Politiker führen bereits Religionskriege; und sie merken es nicht. Vielleicht sind die Menschen aus der ehemaligen DDR in vielen Bereichen viel objektiver. Immerhin spielte Religion und Esoterik in der DDR keine gewichtige Rolle. Es sind die deutsch politischen Religiösen, die mich nun stigmatisieren dürfen! Ich bin natürlich böse, weil ich als Frau nicht die heilige Maria gebe, die ewige Märtyrerin. Nach diesen Verschwörungstheorien war ich immer DIE böse Frau, die den "Garten Eden" verließ…um heute über Ann-Marie zu schreiben, ihrer zu gedenken.