Verbindlichkeit

Armin Laschet hat einen Talisman und er hat Übung auf Bühnen. Ich würde ihn nicht als Trauerredner buchen. Er lacht an den völlig verkehrten Stellen - das macht der Vizekanzler auch - und er redet am Thema vorbei. "Armin Laschet ist die Mitte." Ebenso könnte ein Ehepartner nach einem Trauerfall sagen: "Meine Frau ist verstorben - aber ich bin gerade wahnsinnig erfolgreich. Der Boden unter meinen Füßen reißt vor meinen Augen auf - aber für mich geht es aufwärts, denn ich habe den Talisman der Bergsteiger immer bei mir." Herr Laschet ist ein gefälliger Typ, der Stützräder benötigt. Er hat Höhen. Am Ende kippt er nach hinten und muss geschoben werden. Er erwähnt scheinbar stolz die Arbeit seines Vaters, der im Bergbau gearbeitet hat. Den Terminus "deutsche Unterschicht" wird er sich sicher nicht abgewöhnen können. Schade, das man seinen Vater nicht mehr wählen kann, dann wäre die CDU eine faktische Volkspartei. Allerdings kann die Kanzlerin Herrn Laschet gut lenken; und katholisch ist er auch. Friedrich Merz wäre ein absolut klasse Kanzler. Allerdings hat er einen Satz nie gesagt: "Ich habe die Finanzbranche über Jahre studiert; und nun weiß ich, welche Fehler Politik nicht mehr machen wird." Lobby und Volkspartei. Das klingt wie Robert Habeck, der Annalena Baerbock den Vortritt gibt, die Waffenlobby in weiße hübsche Kleidchen steckt, um Frauen zu locken, die eigentlich nur Kuchen für die Kriege backen sollen. Die Kombi verspricht ganz klar: Die einen können nicht Maß halten - die anderen sollen nicht Schritt halten. Während deutsche Politiker tiefe Gräben buddeln, stecken die USA in DER Emanzipation. Die Schale kracht und ENDLICH werden US-Amerikaner kritisch - natürlich auch Afroamerikaner. Die dominierenden Tipp-Ex-Zähne und die dauergestylten Denverclan-Familien wurden endlich überholt. Das ist einmalig in der Geschichte der USA; und deutsche Medien wünschen sich Marylin Monroe zurück. Sie wünschen, dass Big Brothers Mob, natürlich auch der afroamerikanische Mob, still und patriotisch die Scherben in der Welt aufsammelt, US-Fähnchen wedelt, damit deutsche Waffen, in weißen Kleidchen, störfrei verkauft werden können. Journalisten möchten Alexis Colby und Blake Carrington auf ihren Titelseiten sehen. Die sichtbaren Waffenbesitzer stören sie plötzlich. Der Mob, der sich keine Zahnbehandlung leisten kann, soll bitte die Brandherde der Welt löschen. Wer sonst soll die Verantwortung tragen? Herr Laschet!? Nicht nur die Bestattungsbranche braucht authentisch junge dynamische Redner. Nicht nur die Bestattungsbranche braucht starke Träger. Deutsche Politik schafft - talentiert träge - Verbindlichkeit ab. Das merkt man sogar im Straßenverkehr. 3 differierende Straßenschilder vor einem Haus, die ein Autofahrer nicht sofort und rasch identifizieren kann, haben, juristisch betrachtet, keine Verbindlichkeit. Bevor in diesem Land alle Gesetze ausgehebelt werden, sollten wir das vergraulte Fachpersonal reloaden.

Die Sonne visualisieren

Wir leben seit vielen Jahren in einem Panicroom. Das ist in unseren Breitengraden eher ein innerer Raum. Menschen haben und hatten zu jeder Zeit Panik. Die Panik vor engen Räumen, vor weiten Räumen. Junge Frauen haben Panik vor Essen. Busy-People ziehen die Panik an und alles beginnt mit der falschen Atmung. Die Schnelligkeit macht die Atmung flacher. Der Bauch füllt und hebt sich nicht mehr. Angstmenschen, die einen Ruf zu verlieren haben, atmen nicht ein. Sie prusten und pressen ihren Atem aus. Niemand soll den Schmerz sehen. Schwäche ist peinlich. Medien wollen Panik vermeiden und verbreiten Panik. Sie pressen und prusten die Nachrichten heraus: "2 Millionen Menschen sind weltweit durch eine Covid-Infektion gestorben." Sie berichten von einer Übersterblichkeit. Gefährliche Worte können Panik verbreiten! Fachzeitschriften differenzieren, denn jährlich, also jedes Jahr, sterben weltweit 55,4 Millionen Menschen. Fotos von Särgen, über denen eine schwarze Folie hängt, sind in Fachzeitschriften undenkbar. Man stelle sich die Apothekerzeitschrift pietätlos vor. Nicht möglich. Leider werden jene Todesopfer kategorisch unter den Teppich gefegt, die sich erst in Kliniken mit dem Coronavirus infizierten und nur dadurch an Covid starben. Die pauschalen Lockdown-Methoden werden das vor langer Zeit zerhackte, auf Profit eingestellte Gesundheitssystem nicht zurückzaubern. Darüber redet die Gesellschaft nicht. In diesem Fall kann man nur das Pflegepersonal beschulden, weil man das System, fast schon zwanghaft, decken muss. Das beschreibt, dass eine Gesellschaft unter herrschenden Bedingungen immer mutiert; sie verändert sich unbewusst. Zeitzeugen, nun in einer Pandemie, müssen wahrscheinlich mutieren. Sie sind anders, verändert. Also müssen es die nächsten Generationen genauer betrachten und besprechen. Heute war ich in der METRO, um Bürobedarf zu kaufen. Um in die Einkaufshalle zu kommen, hält man seine datengefüllte Kundenkarte unter einen Scanner. Vor mir zeigt eine Art digitale Stechuhr an, dass 36 Kunden in der Metro sind; und sie zeigt an, dass ich die 534ste Kundin bin. Im Geiste simuliere ich einen völlig hysterischen Anfall. Im Geiste renne ich, gut gekleidet und unbewaffnet, wild durch die Gänge und reiße mir die Maske vom Gesicht. Während ich panisch auf einen Stapel Paletten springe, rennen 36 Kunden davon. Ich wirke auf Menschen wie ein mutiertes Infektionsrisiko. Vor der Pandemie hätten 36 Menschen an einen sich anbahnenden Flashmob gedacht. Der Abteilungsleiter wäre zu mir gekommen. Er hätte mich gebeten, mein Verhalten zu ändern. Nun aber sieht er mich, die Kundin 534, auf seinem Bildschirm. Er ruft den Sicherheitsdienst und dann hat er einen Blitzeinfall: "Meine Kunden scanne ich auch nach der Pandemie." Er ist als Zeitzeuge bereits mutiert. Er vergisst die gute alte Flashmob-Zeit. Mein jahrelang ziviles Benehmen ist unwichtig geworden, weil es nie in einem Großmarkt gefilmt wurde! Der Daueralarm, die grenzwertig und pietätlose Panikmache in den Medien, führt dazu, dass ich nach der Pandemie mit meiner gesamten Arbeit bei Null anfangen muss. Menschen atmen im Moment aus. Sie halten durch. Sie schotten sich ab. Enorm viele Menschen haben seit einem Jahr keine Berührungen erfahren. Der geschäftlich händische Gruß - schon heute komplett verlernt. Die gesamte Körpersprache hat sich verändert. Viele Menschen haken aus. Der 18-jährige Junge im Bus, der keine Maske tragen wollte und um sich schlug, war sicher erst der Anfang. Der Markt mutierte schnell. Auch die öffentlich rechtlichen Anstalten mutierten. Home-Office war vor einem Jahr noch undenkbar. Es war auch undenkbar, dass die öffentlich rechtliche Rundfunkanstalt Gerichtsbeschlüsse ignoriert. Das Heute ist bereits eine Mutation, die gestern undenkbar gewesen wäre. Wer die Toten respektlos in einem Sarg fotografiert, wer ins Krematorium rennt, um massenhaft Särge für ein Titelblatt zu fotografieren, der ist bereits mutiert und völlig ausgerastet - der verspielt heute den Titel Journalist.

Todesfälle sind verwirrend

Immer dann, wenn Menschen sterben sind Menschen verwirrt. In gewisser Weise sind wir alle Angehörige, nächste Verwandte, Freunde, Bekannte, in der Pandemie berufstätig. Die öffentlichen Leitstimmen klingen chaotisch und gleichermaßen fordern sie Empathie. In Amerika wird das Capitol gestürmt und deshalb muss man hier den Reichstag noch mehr schützen. Das Insolvenzrecht wird aufgeweicht, um Pleiten still auströpfeln zu lassen. Die letzte mir bekannte Insolvenz meldete die Restaurantkette Vapiano an. Danach las man nichts mehr über Pleiten. Der Bürgermeister fordert den unkomplizierten Geldfluss, um Pleiten, die nicht näher beschrieben werden, abzuwenden. Geliefert werden Zahlen. Täglich Infizierte, Tote, ansteigende Infektionen und Mutationen. Unter denen, die das Capitol stürmten waren Infizierte. Die gab es wohl, weil Trump die Hilfsgelder bis heute nicht fließen ließ. Kriminelle infizierten Staatsdiener beim Sturm auf das Capitol. Man weiß gar nicht mehr…war der Mob erst kriminell - oder war der Mob erst infiziert - oder nahm man dem Mob erst die Arbeit und die Würde? Diese Geschichte erinnert mich an die Dokumentation eines Afroamerikaners - nie der erste Präsident, nie der erste Vizepräsident, nie der erste Oprah, nie der erste Oscar-Preisträger. Stanley Nelson geht zurück in die 1980er Jahre, in der reiche und erfolgreiche Amerikaner Kokain konsumierten. Für die Armen war diese Droge viel zu teuer. In dieser Zeit unterstüzten die Vereinigten Staaten von Amerika, genauer die CIA, den Guerilla-Krieg der Contra-Rebellen gegen die linksgerichtete sandinistische Regierung Nicaraguas. Der US-Kongress untersagte diese Unterstützung. Ronald Reagan setzte sich unter Einsatz verschiedener geheimer und illegaler Finanzierungsmethoden darüber hinweg. In dieser Zeit wurden die Straßen, besonders in den Gegenden, in denen Afroamerikaner lebten, mit einer billigen Droge geflutet. Der Film >Crack< von Stanley Nelson lässt nur Afroamerikaner zu Wort kommen! Diese Dokumentation erschüttert nicht, weil Menschen Drogen verkauften, Drogen konsumierten, Drogen probierten. Dieser Film erschüttert, weil man sich am Ende nicht mehr fragt: Waren jene Afroamerikaner erst kriminell und dann erst Dealer - oder waren sie erst drogenabhängig? Was war zuerst da? Die Menschen in ihren Vierteln wunderten sich, warum eine Droge mehr und mehr ihr Leben beherrschte. Sie wunderten sich über unendlich steigende Kriminalität. Überall verkauften Männer und Frauen, Afroamerikaner in ihren Wohnvierteln, Drogen. Die einen verdienten schnell und unheimlich viel Geld. Die anderen probierten eine Droge. Sie verloren alles. Am Ende haben beide verloren. Manche Eltern hatten den schlimmen Verdacht, dass diese Droge wie eine chemische Waffe eingesetzt wurde. Sie fragten sich: "Warum werden nicht Zigarren aus Kuba importiert? Wer bringt dieses Crack in unser Leben?" Ein Mediziner fand heraus, dass Kinder süchtig zur Welt kamen; und plötzlich gab es eine lange und schmutzige Medienkampagne. Die bösen drogenabhängigen Mütter. Schwangere Frauen, die sich nicht um ihre ungeborenen Kinder sorgten. Es ging ausschließlich um afroamerikanische Frauen. Scheinbar gab es keine weißen Drogenabhängigen in den USA -kein Alkohol - keinen Tablettenmissbrauch. Withney Houston wusste viel später wohl instinktiv, dass sie ihren Drogenkonsum leugnen musste. Durch Crack starben zwischen 1980 und 1990 unendlich viele Menschen. Stadtteile, Bezirke und Straßen wurden völlig vernachlässigt. Matratzen lagen in Häuserbuchten, Müll stapelte sich, Türen waren zertreten, verwahrloste Menschen taumelten zu Grandmaster Flash durch die Straßen. Autos hielten an, Drogen und Geld wurden eingetauscht. Die Polizei sah weg, sie wurde sogar geschmiert. Die Dealer bewaffneten sich eines Tages - Geld, Crack, Gier, Habsucht. Sie schützten Reviere, die sie aufgeteilt hatten. Und dann! Am Tag X wurde ein imaginärer Schalter umgelegt und die Polizei wurde auf Go gestellt! Sie mussten nur noch durch die Straßen marschieren und die bekannten Häuser stürmen und die bekannten Wohnungen aufbrechen und ihre Knüppel und Handschellen ziehen. Cracksüchtige Mütter mussten ihre Kinder weggeben. Sie kamen nicht in eine Therapie. Sie kamen ins Gefängnis. Die Zahl der Inhaftierten stieg von knapp 400 000 auf fast 1 Millionen Menschen an. Es wurden nur Afroamerikaner verhaftet, verurteilt und weggesperrt. Und heute kommt Kamala Harris in Stoffturnschuhen auf den Titel der Vogue. Sie glaubt tatsächlich, dass sie, allein durch ihre Ankunft an einer Spitze, ein Symbol der Freiheit ist. Der Film von Stanley Nelson wird niemals einen Oscar bekommen. Stanley Nelson bleibt durch den Film ein ewiger Außerparlamentarier. "Make America great again." Sagte das Ronald Reagan - oder war es Donald Trump? Linke und Grüne und Sozialdemokraten malen in Berlin rosa Felder für Dealer in den Görlitzer Park. Darauf können nur Menschen reinfallen, die denken, dass kein System je eine Tür für sie öffnen wird. Was mich an der Dokumentation von Stanley Nelson wirklich verwirrt… kein Mensch, kein Afroamerikaner nannte den Grund für seinen Drogenkonsum. Auch die Frauen erklärten es nicht. Niemand sagte: "Ich war so traurig."

Wer wir mal waren

Ich fand es großartig, dass Anna Wintour - unangefochtene Chefin der Vogue, Kennerin der Modewelt, Königin des guten Geschmacks - die Vizepräsidentin der United States of America auf ihre Titelseite brachte. Kamala Harris ist nicht die First Lady. Sie ist nicht die Präsidentin. Sie ist Vizepräsidentin. Und obgleich Anna Wintour privat niemals Turnschuhe in der Öffentlichkeit trägt - als kleine unwichtige Chefredakteurin - besitzt sie die Größe, die Noblesse, den Menschen zu sagen: "Schaut her. Die neue Vizepräsidentin sieht aus wie Annalena Baerbock from Germany." Und damit erfährt Frau Baerbock definitiv eine Aufwertung. Auf dem Titelblatt der Vogue kann man deutlich lesen: "BY THE PEOPLE FOR THE PEOPLE. THE UNITED STATES OF FASHION." Es geht um das Auge der Anna Wintour. Es geht bei der Vogue nicht um die Vizepräsidentin. Oder wurde der Titel von einem US-Ministerium angeordnet? Ein unverfälscht schlichter Stil führt ausgerechnet in deutschen Medien zu einer riesigen Welle, nicht etwa, weil Mrs. Vice Stoffturnschuhe trägt. Angeblich ist sie auf dem Foto zu weiß. WOW. Das nenne ich verschraubt und spinös. Das Foto ist nicht Bling-Bling-Victoria Secret. Mrs. Harris ist kein Model und sie tritt hoffentlich nicht an, um Wähler zu blenden. Sie, eine Vizepräsidentin, hat es dank Anna Wintour auf den Titel der Vogue geschafft! Das klingt nicht weiß, weil der Fotograf nicht weiß ist. Mir gefällt dieses Foto. Die Kanzlerin, seit Jahren in Romika Schuhen unterwegs, wird weltweit geliebt und verehrt. Die Farben grün und rosa stehen auch für Weiblichkeit, für Romantik und für DIY. Ich erkenne, dass die digitale Welt, die analoge Welt abschaffen möchte. Die Vogue wird zum Schmuddelblatt, weil Kamala Harris auf dem Titel ist. Das ist ganz großes Tennis. Schlimmer wiegt die Tatsache, dass es diese Unart krankhafter online-Empörung, in der Hochphase einer Pandemie, auf die Seiten der deutschen Leitmedien schafft. Ich würde mir nicht den Arm abhacken, um auf den Titel der Vogue zu kommen. Allerdings würde ich der Chefredakteurin danken, sollte sie meinen schlechten Look, der nichts in der Modewelt gewinnen kann, auf ihren Titel bringt. Als Vizepräsidentin der USA würde ich nicht für die Titelseite der Vogue, schon überhaupt nicht im Turnschuhlook, antreten. Vielleicht also hat Kamala Harris im Allgemeinen keinen guten Geschmack. Allerdings ist es ihr Geschmack. Nur darum geht es - leider nicht in den Leitmedien. Der Netzmob geht bis zu den äußersten Grenzen, bis zu den äußersten Rändern. Das ist degutant.

Lamorte

30 Jahre nach der Matura treffen sich zwölf ehemalige Schulfreundinnen. Die wohlhabende und erfolgreiche Iris lädt die anderen über ein Wochenende in einen noblen Gasthof auf dem Land ein. Die 12 Freundinnen begegnen sich quasi erwachsen und neu. Sie erzählen und sie graben alte Geschichten aus. Jede Frau ist zufrieden und erfolgreich. Sie alle scheinen ein gutes, ein wunderbares Leben zu führen. Sie machen Spaziergänge und genießen die Einladung. Iris wartet bis zum festlichen Abendessen. Es ist kein belangloses Essen. Ein wenig erinnert die Atmosphäre an das Abendmahl, jenes Mahl, das Jesus Christus mit den zwölf Aposteln zur Zeit des Pessachfestes vor seinem Kreuzestod in Jerusalem feierte. Die resolut kernige Iris teilt ihren entwachsenen Freundinnen mit, dass sie todkrank ist. Stark und distinguiert offenbart sie ihren letzten Wunsch. Sie möchte ihr Leben im Kreise ihrer Freundinnen selbst beenden. Die Damen der Gesellschaft sind schockiert. Susa, die gefeierte Opernsängerin, schwankt; sie kämpft mit ihren Alkoholproblemen. Mona ist erschüttert, dass sie Sterbebegleiterin werden soll, sie will abreisen. Fritzi ist düpiert über so einen Wunsch - nach so langer Zeit…Nicole Heesters spielt die Iris wie eine autoritäre Bittstellerin, die mit gefüllter Größe, nicht mit einem Wunsch, ihre Freundinnen zu verletzen scheint. Nach und nach fallen die Schals der Damen. Nach und nach werden sie jene Apostel, die ihre Schutzschilder, ihre Blendwerke ablegen. Senta Berger spielt die gescheiterte Opernsängerin Susa mit jenem Bergerhumor, den sie stets aus Tragödien schält. Christiane Hörbiger zügelt die Mona und sie beherrscht die Kunst der feinsten Stiche, wie die Grande Dame, die sie tatsächlich ist. Am Ende muss auch sie die Nadeln ablegen. Der Film Lamorte zeigt nicht den Tod einer Frau, die den Freitod wählt. Dieser Film zeigt das Können durch Lebenserfahrung. Er zeigt, dass menschliche Fassaden aus Styropor gemacht sind, die keine Wärme nach draußen lassen. Es ist ein großartiger Frauenfilm, in dem unterschiedlich starke Charaktere am Ende einen Auftrag erfüllen. Hubertus Heil von der SPD hat mich an diesen Film erinnert. Er möchte mit seinen HartzIV Reformen Menschen hinter eine betäubende Wärmedämmung bringen. Keine Wärme wird nach draußen gelangen. Ich glaube, dass auch arme Menschen Helden sind. In der Krise sammelt man Lebenserfahrung; als gut bezahlter Sanitäter, als Apothekenfahrer, als Helfer in der Notaufnahme, als Helfer bei der Feuerwehr, als Sterbebegleiter, der ein Lied singt. Hubertus Heil klingt wie ein unausgebildeter Finanzdienstleister der 90er Jahre.

Schutzraum

Deutschland ist, weltweit betrachtet, eine kleine Kabine, ein Jolle im Meer. Wenn es einen globalen Wettbewerb geben sollte, dann liegen wir mental ganz weit hinten. Öffentliche Rundfunkanstalten küren Moderatorinnen, die auf Twitter auslaufen, sich selbst darstellen, sich selbst entblößen. Weltweit hat das keine Bedeutung. Es hat auch für Europa keine Bedeutung. Kürzlich führte der Moderator des Youtube-Kanals "jung & naiv" ein Interview mit der Politikerin, Frau von Storch. Sein T-Shirt zeigte einen deutschen Schäferhund. Diese Art der männlichen Unfähigkeit machte die Kanzlerin zur Kanzlerin! Bedauerlicherweise waren seine Fragen keine politisch demokratischen Rasierklingen. Es ging natürlich auch um die Gestaltung des Landes und der Moderator legte Frau von Storch den Boden, den die AfD möchte. Er kam auf arbeitslose Menschen zu sprechen und auf HartzIV Empfänger; und so formulierte Frau von Storch sachlich, dass HartzIV Empfänger und arbeitslose Menschen möglichst in Berufe gebracht werden müssen, damit die arbeitende Gemeinschaft entlastet werden kann. Und dann stellte er eine Frage, die sie zur Gewinnerin machte, denn er zog das Beispiel der klassisch rechten Herrenrasse. Sinngemäß: Soll mein Freund, der Germanistik studiert hat, der nach dem Studium zunächst keinen Job findet, also Hartz IV beantragen muss, etwa einen Job als Fensterputzer annehmen? Diese detonierte Frage machte aus der sachlichen Frau von Storch eine klassische Sozialdemokratin, die nuanciert verdutzt schaute, seine Frage aber selbstverständlich mit einem Ja bestätigte. Sollte es einen globalen Wettbewerb geben, stellen sich logische Fragen: Wo werden Politiker ausgebildet? Wer sucht die unbestechlichen Eliten aus, die Deutschland global vertreten? Im Moment spricht nicht ein einziger Politiker die englische Sprache! Wo sind die deutschen/die europäischen Ideenschmieden und wer sucht die Produzenten nach welchen Kriterien aus? Wie und wo sollen Kinder lernen? Wer findet kleine Genies und fördert wo Talente? Plant Europa einen Flug zum Mond? Wo werden die Schulen für die fähigsten Astonauten gebaut? Oder war der Flughafen BER einziges Hauptstadtergebnis? Welche Elite-Journalisten, also die Creme der Creme, bildet Journalisten in diesem Land aus? Wie und wo bilden sie aus? Oder darf in Zukunft jeder mit einem Mikrofon den Titel Journalist tragen? Wie werden Frauen in der Politik, im Journalismus und in der Wirtschaft ausgebildet? Gibt es weibliche Eliten? Wenn ja, dann muss man sie bitte auch sehen! Welche Behörden in diesem Land arbeiten noch proaktiv durch verantwortungsbewusste Vorgesetzte? Wer kontrolliert das? Wo sind die professionell ungeschönten Berichte? Welchen Plan hat der Verfassungsschutz für die nächsten 10 Jahre durchdacht ausgearbeitet, um die vielzitierten Grundgesetze, die dauerzitierten Freiheitsrechte und die Treue zur Verfassung zu schützen? Wie werden zukünftige Politiker vereidigt, in Parteien verpflichtet, um politisch motivierten Amtsmissbrauch, Plünderung der Staatskassen oder Vetternwirtschaft möglichst zu verhindern? Sollte das Alter eines Kanzlerkandidaten beschränkt werden - oder sollten auch 80-Jährige kandidieren dürfen? Sollte die generelle Amtszeit verkürzt werden, neu geprüft werden, um Schaden eher abwenden zu können? Die Kanzlerin konnte nie für Dritte arbeiten - der CDU war es bis heute egal. Ein weiter so würde bedeuten, dass wir die Menschen in diesem Land verheizen, Talente vergeuden, Potentiale begraben.

Trauriges macht bitter

Trauer, die durchlebt wird, stellt Menschen neu auf die Beine. Das Trauerjahr in unserer Kultur positioniert Menschen neu. Leider wird dieses Jahr geflutet und in einem Strom weggerissen. Kaum ein Teenager kennt diese Kultur. Das ist traurig. Wenn wir Menschen, die Schreckliches erlebt haben, wirtschaftlich und politisch sofort aufstellen, dann hat das Bruttosozialprodukt, das Bruttoinlandsprodukt nur den Wert vieler Ziffern. Es hat für Menschen keinen Wert mehr. Es ist ein schlampiges Werk; und darauf kann niemand stolz sein, darüber kann niemand glücklich sein. Vielleicht sind es Demokraten, die es nicht mehr ertragen können, dass Trauernde bei wirklich jeder Institution den Beweis für einen Todesfall durch eine Sterbeurkunde antreten müssen. Banken trauen sich selbst nicht mehr über den Weg; und so müssen Trauernde Erbscheine vorlegen. Die Konten sollen nicht abgeräumt werden. Dem Mob kann man heute nicht mehr trauen. Heute schreibt die ZEIT, dass eine ehrenwerte deutsche Bank 130 Millionen US-Dollar an das US-Justizministerium zahlen muss: "..wegen Korruptionsaffäre". Ein Prozess findet nicht mehr statt. Ist das nicht fantastisch, dass Verbrecher nicht mehr ins Gefängnis müssen. Das ist Prozessökonomie! Es lebe die Freiheit und die Unabhängigkeit der Richter! Die ZEIT benutzt das verbotene Wort K-o-r-r-u-p-t-i-o-n. Es heißt in Deutschland akademisch korrekt: Mauschelei. Hoffen wir mal, dass deutsche Journalisten nicht mit einer Ordnungshaft rechnen müssen. Denn immerhin sitzt der durchlauchte SPD-Vollblutpolitiker, wenn auch Ex, im Aufsichtsrat dieser deutschen Bank, die Donald Trump finanziert hat, die sogar Epstein betreute. Der Jurist, Heiko Maas, durchdrungen vom demokratischen Geist der SPD, hat einen Plan: "„Wir sind bereit, mit den USA an einem gemeinsamen Marshallplan für die Demokratie zu arbeiten.“ 911.000.000 Amerikaner und Amerikanerinnen (davon 328 000 000 US-Bürger) werden Heiko Maas und Sigmar Gabriel in diesen Momenten jubelnd erwarten. Endlich, endlich kommen die Retter der Demokratie mit einem Plan in ihr Land. Die ES-PEE-DEE for FREE! YOU HAVE TO HAVE IT! Trauernde Existenzen, Erbschleicher, Betrüger, Zocker, Verschwender, also der MOB muss sich warm anziehen. Es wird bitter und kalt.

Macht

Die einzig echte, authentische Macht, die alle Menschen - weltweit - respektieren, ist der Tod! Robert Habeck, Philosoph, nun Politiker, sagt in einem Interview mit Barbara Bleisch: "Macht ist kein Igittwort." Er zitiert Hannah Arendt, die in einem Aufsatz schrieb: "Da, wo keine Macht ist herrscht Gewalt." Robert Habeck zitiert eine Theoretikerin, zerklüftet dann Macht in Struktur und Verantwortung. Struktur und Verantwortung haben aber mit herrschender Macht nichts am Hut. Die Grünen wollen sich ermächtigen. Das ist schon überhaupt kein Garant für eine herrschende Macht. Die Reise der Grünen nimmt bizarre Züge an. Sie tun so, als wäre eine rein auf Ökologie spezialisierte Partei klein und jämmerlich. Also wollen sie Macht. Sie müssen unbedingt Kunde tun, dass sie keine Pazifisten sind. Sie wollen die Bürgermeisterin in Berlin stellen. Frau Baerbock traut sich das Kanzleramt zu. Das hat so gar keine Struktur. Das nennt man Ohnmacht! Der Tod ist deshalb so mächtig, weil er nicht emanzipiert ist. Er denkt überhaupt nicht daran. Er ist! Das Wesen der Macht ist reine Ausstrahlung. Macht hat keine Struktur, wie Robert Habeck glaubt. Menschen unterwerfen sich einer Macht. Der Tod muss niemanden unterwerfen. Er ist! Das Problem mit heutigen Politikern liegt darin begründet, dass sie keine Politiker sind. Sie stehen selbst für nichts. Ihnen folgt niemand. Sie müssen werben. Das ist Wirtschaft, keine Politik. Das ist Kunden werben, Dienstleister spielen, Slogan entwickeln, Interviews geben. Politiker sind nicht! Wie viel Arbeit bleibt liegen, wenn Politiker auf Twitter, Facebook, Youtube und Instagram tippen, fechten, mit Ausrufezeichen Macht demonstrieren? Wie mächtig wird Macht im Internet demonstriert? Hannah Arendt meinte im Kontext, in der Übersetzung, dass Macht unbezahlbar ist, unbestechlich, nicht gewaltsam, nicht autoritär, also in sich strukturiert. Spielt der Tod Geburt? Nein. Erhebt der Tod Steuern auf tödliche Zigaretten? Nein. Beutet der Tod die Armen aus? Nein. Er nimmt sie auf. Das ist Macht! Robert Habeck ist ein ohnmächtiger Philosoph, der Politiker sein möchte. Er will durchaus Gutes tun. Wie wollen wir im Angesicht des Todes leben, arbeiten, wirken, gesehen werden? Politiker ermächtigen andere durch Auslagerung ihrer Verantwortung. Wohnungen verkaufen, sanieren lassen, Grunderwerbssteuer kassieren, Mieten mindern, CO2 Steuern kassieren. Das ist peinliches Chaos. Es muss sogar Wohnungsbesitzer auf politische Plätze bringen, die es besser können. Hat dich der Tod jemals zum Tode verurteilt? Hat er gesagt, dass Du klein und sprachlos bleiben sollst? Hat er gesagt, dass Du Kriege anzetteln sollst? Nein. Das ist Macht, die immer zur Erkenntnis führt, die überzeugt, die ausbildet und bedingungslos jeden Menschen leben lässt, also größer werden lässt.

Die Kunst und das Leben

Die Kunst, die Künstler erklären das Leben. Sie erklären Religionen. Sie erklären Politik. Sie erklären den Tod. Die Kunst wird deshalb abgeschafft, weil sie eine reine und fließende Sprache spricht. Man könnte diese Sprache auch Geistsprache nennen. Ein Bild erklärt sich. Eine Musik erklärt sich. Jazz ist eine Sprache, die ich nie verstanden habe, die ich nicht lernen kann. Soul ist eine Sprache, die ich gut verstehe. Sie fließt über und erklärt, dass zum Beispiel türkische Musik ebenfalls Soulmusik ist. Seele in der Musik ist keine amerikanische Erfindung, gleichwohl wird sie dort gefeiert und in die Welt befördert. Kunst ist für meinen Beruf ebenso wichtig, wie Religionen, wie Traditionen. Sie gehört zu den Geistsprachen. Nicht der Tod zog mich in meinen Beruf. Der Tod führte mich in die Kunst; und die Kunst führte mich in meinen Beruf. Die Musik nach einem Todesfall ist heilend. Besuche in einer Kunstausstellung sind heilsam. Sie sind auch dann heilsam, wenn man nichts von Kunst versteht, nicht weiß, welcher Künstler ein Bild gemalt hat. Kunst ist ein Duft, der sich verströmt. Der Besuch in einer Kunstausstellung gefällt dem System nicht. Also wird sie ausgelacht - die Kunst. Mit ihr werden natürlich auch Religionen verlacht. Kunst ist immer auch eine Ausdrucksform der Kirchen. Marc Chagall gab der Bibel eine Bildsprache, eine Geistsprache. Es sind nicht die Bestatter, die Hinterbliebene retten. Es waren immer die Künstler, die Hinterbliebene am Leben hielten. Der amerikanische Filmemacher Darren Aronofsky machte mir mit seinem Film >Requiem for a dream< persönlich klar, warum der Tod die Kunst so dringend braucht. Eine auf Dauersonne trainierte Gesellschaft kann in der Dunkelheit, in der Einsamkeit, in der seelischen Klemme nur Drogen und Tabletten nehmen. Der Tod ist ein schrecklicher Abgrund. Diese Abgründe können nur Künstler erklären. Sogar Therapeuten nutzen die Kunst, die Bildsprache, die Geistsprache, um eine seelische Not zu lindern. Es ist in diesen politischen Tagen schon eigenartig, dass Joe Biden wieder ein >Requiem for a dream< predigt, das US-Amerikaner nicht befreien wird, nicht demokratisieren wird. Es wird die seelische Klemme nur noch schlimmer machen. Trump störte das Requiem gewaltig. Er war ein Störer, ein grober ungehobelter Störenfried. Wie kommen Amerikaner durch so eine Zeit? Reden sie über den Tod? Nur, wenn die Toten wieder Helden sind. Reden sie über ihren Kummer? Erst, wenn sie wie Phoenix aus der Asche steigen und Hollywood einen Blockbuster daraus ziehen kann? Reden sie über Armut? Erst, wenn sie steinreich sind. So geht das weiter und weiter, bis die Menschen ins Capitol laufen; und eigentlich nicht mehr wissen, was sie dort suchen. Deutsche Medien, die es besser beobachten könnten, nennen diese Menschen MOB. Das ist nicht die Sprache, die die Kunst spricht.

Krisen, Kerlis und Kaspertheater

Betreiber reiner Internetplattformen haben kaum mehr eine CI, eine Corporate Identity. Das Internet wird unprofessioneller, schlechter. Das beschreibt einen Abstieg, keinen Aufstieg. Diesen Plattformfirmen fehlen die fundamentalen Säulen: Bildung, Ausbildung, Lebenserfahrung, Berufserfahrung. Sie sind schon überhaupt keine Krisenmanager. Sie sind im Grunde taub, stumm und leblos. Dieser Prozess setzt ein, nachdem Geldgeber eine Plattform satt finanziert haben. Eine nicht überzeugende App, heute nur noch billiger Mainstream, animiert auch mich, neue Kunden zu rekrutieren. Lachhaft. Betreiber von Internetplattformen wollen Kunden, die sie nicht pflegen können. Das ist urkomisch. Ihnen fehlt etwas - das man Renommee nennt. Der globale Internetplayer bleibt Amerika. Die Namen der Plattformen hängen sich immer nur an bereits laufende Züge. Sie sind der reine Mainstream. Die Endung -wiki ist nun wirklich nicht mehr zu ertragen. Amerika hat die Ideenschmieden. Amerika führt das Internet klar an. Es gibt keinen europäischen Markt, keinen europäischen Look. Es gibt keinen neuen deutschen Style. Es gibt keine italienischen Kunstportale. Es gibt keine deutschen Architektenportale. Es gibt keine Überraschung. Ist das Internet nur eine Lame Duck? Diese katastrophale Entwicklung führt in die Rohheit, nicht selten auch in die komplette Dummheit. Sie führt in eine nächste human angelegte, fast schon bemitleidenswert erbärmliche Katastrophe. Seriösität gibt es im Internet grundsätzlich nicht! Die erzwungene Präsentation meines Bestattungsinstitutes auf Google ist für mich im Grunde unerträglich. Es ist mir peinlich! Es ist eine dümmliche Verzerrung der Realität, die vorgaukelt: "Ich gehöre zu dieser Organisation." Auf diesem Portal wird mein Bestattungsinstitut in ein Kaspertheater gezwungen, das ich von Herzen dämlich finde. Ich fahre zudem nicht auf bunten Fahrrädern und ich bettle nicht um ein Ranking. Ich bin Bestatterin. Und als Bestatterin setze ich mich schließlich auch nicht in Krankenhäuser oder in Altenheime, weil ich um ein Ranking betteln muss. Ich bin keine Dealerin! Das muss mal klar sein. Das europäische Parlament kämpft gegen eine Firma, zu der ich nicht gehören möchte, zu der ich gehören muss. Das beschreibt das Selbstverständnis der EU ziemlich gut und genau. Heute fiel mir eine Internetplattform besonders ins Auge. Ich nenne die Plattform hier Trallalawiki. Es handelt sich um eine Plattform, die Auktionen "veranstaltet". Sie hat ihren Sitz in Amsterdam. Diese Firma ist weder individuell noch innovativ. Sie hat schlicht kein Gesicht. Ein Notar (schon klar) beaufsichtigt die Auktionen. Manager und Experten (schon klar) prüfen die Auktionsstücke. Die Seite "Über uns" zeigt schlecht frisierte Menschen, die billige Shirts tragen, "Manager" also, die nicht einmal ein Bügeleisen bedienen können, die sichtbar zu geizig sind, ihre Hemden in die Reinigung zu bringen, weil die nicht, wie Mutti, billig genug ist, die gleichwohl aus Pappkartons essen, wo sie doch umweltaktiv rüberkommen wollen. Die süßen Schäfchen, die ahnungslos Auktion spielen. In einer weltweiten Krise verarmen Menschen! in der Not verkaufen auffällig viele Amerikaner Uhren, Diamanten, Kunst, Fotografien, Bilder, Automobile, Ketten, Ringe. >Create account<. Der Billigblaubutton würde den französischen Künstler Yves Klein beleidigen, degradieren, verumglimpfen. Dieser billigblaue Button ist eine Beleidigung, weil er das ästhetische Auge mit einer Klinge blenden will. Ihr lasst Eure Kinder mit echten Schwertern spielen? Das ist eine ganz neue Qualität. Das Plattförmchen Trallalawiki hat kein Rückgrat. Kindlich wird beschrieben, wie man Strafverfolgungsbehörden unterstützt. Ein Auktionshaus, das keine Kundschaft pflegen kann, zieht Verbrecher an? Uh. Das klingt schmuddelig. Das muss renommierte Auktionshäuser auf den Plan rufen. Es zeigt sich aber leider, dass sogar Banken in diesem Land in genau jene Mechanismen verfallen. Einst renommierte Unternehmen bieten mir eine lausige App an? Deutsche Banken, deutsche Autohäuser, europäische Firmen haben keine Stimme mehr. Sie schalten Köpfe sogar aus. Sie haben kein Ranking. Sie hängen ihr Rückgrat an eine lächerliche Blechstimme. Ich bin weder infantil noch debil genug, meine Firma in den geistig schmuddeligen Bankrott zu treiben.

Respekt . Kultur . Politik

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Herr Michael Müller, Politiker der SPD, Vorstand in der städtischen Charité Berlin, hielt eine Rede im Abgeordnetenhaus am 10.12.20. Der RBB berichtet (Internet ist ständige Gegenwart). Der Bürgermeister sagt tatsächlich: "Da kommt ein 30-jähriger Türke, ein Kerl wie'n Baum, ohne Vorerkrankung auf die Intensivstation; und sie kriegen ihn nicht mehr runter. Er verstirbt - innerhalb weniger Tage." Der Eindruck, dass er den Text nicht selbst geschrieben hat, festigt sich später, vor allem durch Haltung, Aussprache, Mimik, die nur zu einem fremden Text passen. Ich möchte gerne, dass Menschen über einen derartigen Satz nachdenken. Ich möchte sogar, dass Menschen einen derartigen Satz laut aussprechen, damit sie ein Gefühl entwickeln. Mir wird klar, wo der Alltagsrassismus ausströmt. Mir wird deutlich klar, dass wichtige politische Reden andere (vor)schreiben. Mir wird der Ursprung der neuen Respektlosigkeit klar. Der Verlust einer politisch intelligenten Rhetorik macht deutlich, dass die Rhetorik gänzlich unausgebildeter Menschen, wie von selbst, aufsteigt. Schüler, Berufspendler, Handwerker, die Schulungen besuchen müssen, lernen Sprachen. Auch der Hausmeister Am Lokdepot lernt eine zweite Sprache, also die deutsche Sprache. "Türken, Männer wie Bäume", die im Abgeordnetenhaus tätig sind, trainieren sogar die Aussprache, die Pausen, also die Betonungen. "Da kommt ein 30-jähriger Türke…sie kriegen ihn nicht mehr runter…er stirbt…" In meinem Beruf ist so eine Sprache höchstens hinter den Kulissen denkbar. Öffentlich gehört habe ich so einen Satz nie. Selbst die gesellschaftlich verachteten Sargträger, Bestattungshelfer, artikulieren sich in einer professionellen Berufssprache. Millionen Männer aus handwerklich extrem schweren Berufen konnten sich vor vielen, vielen Jahren den Satz echte deutsche Arbeiterhände abgewöhnen. Im europäischen Sprachraum von Helmut Schmidt brauchten sie diesen Satz schlicht nicht mehr. Zudem stieg das Bildungsniveau im Handwerk stetig an. Bei Herrn Müller leider nicht, denn in diesem Beitrag gleicht ein anderer Abgeordneter den Lagebericht des Senats Berlin mit dem Vortrag von Herrn Müller ab. Er zeigt 0 Tote in der beschriebenen Altergruppe. Herr Müller muss nun ohne Skript antworten. Er verweist auf die Aussagen der in der Charité Verantwortlichen. Er atmet schwer: "Möglicherweise ist es am Tag davor (vor Statistik) passiert. Möglicherweise ist derjen'jie nicht 30 sondern 31…" Er verlässt sich auf die Aussagen, die in der städtischen Klinik Charité gemacht wurden. Ein Bürgermeister, selbst Vorstand in der Charité, übernimmt nicht die Verantwortung für seine Aussagen. Er nimmt also keinen Einblick in die medizinische Unterlage des Mannes, weil er nicht einmal mehr mit Fragen rechnet, weil ihm sogar eine Korrektur eventuell falscher Statistiken egal ist. Er wirkt gleichgültig. Das erklärt zunächst die gleichgültigen Baupläne für den Friedhof in der Bergmannstraße; und meine eigene politische Heimatlosigkeit.

Erste Umfrage

Ich habe heute eine Umfrage gestartet, die drei vereinbarte Etappen umfasste. Befragt wurden 10 Personen. In einer Zeit der verkürzten Nachrichten, verkürzen sich Gedanken, Worte und es verkürzen sich natürlich auch Taten. Die erste Frage meiner Umfrage lautete: "Sollte eine Bestattung billiger sein als ein Computer von Apple?" Alle Befragten sagten: "Ja." Diese Art der Umfragen landet in Medien. 10 Personen müssen weder etwas über die Herstellungskosten eines Computers wissen noch müssen sie etwas über den Kostenaufwand für eine Bestattung wissen; und das wissen sie auch, denn ich habe ihnen die Frage gestellt. Sie haben sich eher nicht darum gerissen. Meine zweite Frage lautete: "Findest Du deine erste Antwort logisch?" Alle 10 Personen antworteten: "Nein." Diese Antwort belegt einen gesunden Menschenverstand, weil meine erste Frage eine verkürzte Antwort forderte, eine, die einen reinen Vorteil erkennt. Meine dritte und letzte Frage lautete: "Warum hast Du an der Umfrage teilgenommen? a) weil ich Dir einen Gefallen tun wollte. b) weil ich das für ein Spiel halte. c) Einfach nur so. Da die dritte Frage nicht reglementiert verkürzt war, konnte ich eine leichte Genervtheit erkennen. 7 Personen wollten mir einen Gefallen tun. 3 Personen haben einfach nur so mitgemacht. Ich halte die gesamten Umfragen, die Medien in Auftrag geben, die Institute im Internet starten, für fahrlässig. "Sind Sie dafür, dass Ärzte kostenlos arbeiten?" Ja. Wer mir so eine Frage stellt, der will nicht damit rechnen, dass ich kompetent bin, dass ich politisch und sozial genug bin, so eine Frage innerhalb von Sekunden qualifiziert zu beantworten. "Sind Sie mit der Kanzlerin zufrieden?" Ja. Diese Antwort kann ich geben, weil ich sie nicht kenne. Auf ihre Arbeit und auf meine politische Zugehörigkeit zielt die Frage ebenfalls nicht ab. "Sollten wir den Tod endlich abschaffen?" Ja. Das versuchte bereits der bulgarische Schriftsteller Elias Canetti. "Sollten wir dafür zunächst die Bestatter abschaffen?" Ja. Das ist wohl ein guter Plan. Diese Umfragen bedeuten nichts, weil man sie kindlich, einfältig, unbedacht, im Affekt beantworten soll. Man muss für Umfragen keine Qualifikation haben. Verkürzte Fragen sind also sehr gefährlich. Es stellt sich die Frage, warum Medien Umfragen drucken, die im Grunde keinen Wert haben. Echte Gespräche mit echten Fachleuten haben einen großen Lerneffekt. "Haben Sie Angst vor Viren?" Ja. Wer hat das nicht. Und trotzdem möchte ich nicht, dass diese Antworten zu absurdesten Regulierungen führen. "Haben Sie Angst vor Terroristen?" Ja. Ich bin schließlich nicht lebensmüde. Würde ich mit einem Nein antworten, stände ich unter Terrorverdacht; und genau das möchte ich nicht. Umfragen sind Mist. Sie sind wie Verhöre, in denen Worte im Mund abgedreht werden. "Sind Sie, als Bestatterin, für ein Massensterben?" Nein. Sicher nicht. "Sind Sie gerne Bestatterin?" Die Frage stellt sich in einer gesunden Gesellschaft logischerweise nicht, weil die logische Antwort lauten muss: "Der Tod ist total faszinierend." Markus Lanz hat diese Taktik völlig unwissend übernommen. Ihm fehlt die fundierte Ausbildung. Er hinterfragt nicht journalistisch. Er will ständig steuern. Das machen diese Umfragen auch. Sie steuern eine Meinung. Elias Canetti hatte das verstanden. Er schrieb gegen den Tod an - ein Leben lang.