Der ruinierte Ruf bleibt ein Ruf

Ein Mann stirbt. Die Polizei kontaktiert die Ehegattin. Sie wird in eine Wohnung gebeten, die ihr nicht bekannt ist. Dort muss sie ihren verstorbenen Gatten identifizieren. Er starb in der Wohnung einer anderen Frau, die der Polizei unnötigerweise beichtet, dass sie eine Affaire mit dem Verstorbenen hatte. Die Todesursache ist ein Herzinfarkt, der nicht von einer Affaire geplant und verursacht wurde. Die Ehegattin möchte nach der Identifikation die fremde Wohnung so schnell wie möglich verlassen. Die beichtend aufgelöste Geliebte geht ihr schlicht auf die Nerven: "Wer mich mit meinem lebenden Mann betrügen kann, kann mich auch beim Todesfall meines Mannes belügen!" Jene Ehegattin war nicht die Ungenierte. Im Gegenteil. Sie hatte das, was echte Berliner pflegen und schätzen - eine eigene, unverkennbare Stimme. Das ist im Grunde alles, was Menschen brauchen. Ein Pfarrer ohne Stimme erreicht keine Herzen. Ein Redner ohne Stimme bleibt keiner Familie in Erinnerung. Der Abschied braucht schließlich eine Stimme: "Mein Mann hat mich von der Trauer entbunden." Die Gattin klang nicht bitter. Sie klang frei. Sie war nicht verärgert. Sie war eher über die naiv beichtende Geliebte belustigt: "Die Uniformen verwandelten ihren Ehebruch wohl in einen Jerry Cotton Krimi!" Sie hatte die Noblesse, die ich von meiner Mutter kannte. Die Beerdigung war keine Bestrafung. Sie wurde nobelst ausgestattet. Die Geliebte wurde in die erste Reihe zitiert; und die Ehefrau selbst ging schlicht und einfach nicht zur Beerdigung. Sie war nicht hart oder kalt. Sie war klar, wie ein See. Dieser Typus Frau gehört zu meinen liebsten Vorbildern - weil sie ALLES aufdecken. Sie decken schlechten und arroganten Journalismus auf, der sich am Ende selbst vor der unangenehmen Wahrheit fürchtet! Die Gletscher müssen schon verschwunden sein, damit große Journalisten über Bienen schreiben. Es müssen schon Millionen Kinder auf die Straße gehen, um die Grünen zu entlarven: "Ihr legt Euch jetzt auch mit den Bienen und den Kiebitzen an…" Es braucht Dieselskandale, Bankenskandale; es braucht sogar eine Ölpest in der Nordsee, um Traditionshäuser zu entlarven. Greenpeace? Die tragen nicht des Kaisers neuen Kleider; und deshalb müssen sie auch nicht nur schön aussehen und schweigen. Sie haben eine Stimme! Kein Traditionshaus kann sich eine Lüge leisten. Heute müssen viele Häuser sehr, sehr leise sein. Sie müssen auffallend oft mit Kanonen auf Unabhängige schießen. Weil die eine Stimme haben!

Politische Durchbrüche

Menschen sollten Durchbrüche erkennen und feiern. Heute fand ich auf Instagram den Eintrag einer Amerikanerin. Sie ist nicht irgendeine Amerikanerin. Sie moderiert den Red Table Talk mit ihrer Tochter - Mrs. Jada Pinkett Smith. Bisher dachten Menschen, dass reiche Amerikaner eher wenig Empathie für die deutsche Geschichte empfinden können. Deutsche waren Nazis. Die Postings über Deutsche sind meist kritisch. Die Blogs über Deutsche fallen nicht gut aus. Deutsche reden nicht gern gut über Deutsche, weil sie keinen Bock auf Schubladen haben. Die Zeit mit den Alliierten fällt unter den Tisch. Adrienne Banfield Norris! Sie postet auf Instagram ein Zitat von Anne Frank. Am 13. Januar 1943 schreibt Anne: "Terrible things are happening outside…poor helpless people are being dragged out of their homes. Families are torn apart; men, woman and children come home from school to find that their parents have disappeared." Das ist ein Durchbruch! Das ist Bordercrossing! In Amerika scheint Donald Trump viele Ängste auszulösen. Eine Afroamerikanerin zitiert Anne Frank. Sie zitiert nicht Goebbels, Himmler oder Hitler. Sie befürchtet eine Zeit, die Amerikaner und Russen in Deutschland beendeten. Das ist ein politischer Durchbruch, der die Türen für Dialoge öffnet. Denn es dreht sich in der Welt um die immer gleiche Frage: "Wie kann man einen einzigen Mann stoppen?" Diese Frage sollte um die Welt gehen. Im Moment treibt mich, in Berlin/in Deutschland, folgende Angst: Deutsche Konzerne bauen so dermaßen viel Mist, lassen sich von Frau Merkel retten, bis Frau Merkel eben jene Konzerne verstaatlicht. Als Physikerin muss sie so denken! Sie steuert den Kapitalismus, wie es eine Sozialistin tun würde. Eine Vollblutpolitikerin würde schleunigst den Mittelstand auf die Beine stellen. Sie würde ihn nicht zerstören.

Zusammenhänge

Im Zusammenhang, aus meinem Berufsbereich heraus betrachtet, hängen Traditionen und Ökologie zwangsläufig zusammen. Diese Werte sind untrennbar. Wenn Menschen Traditionen pflegen, werden sie, oft zwanghaft und unbedacht, in eine rechte Ecke gedrängt. Bestatter, mit all ihren Fehlern, haben den ökologischen Pfad nie verlassen. Friedhöfe haben das sauberste Grundwasser, weil Menschen ihre Stiefmütterchen nicht mit Pestiziden besprühen. Auf die Idee käme kein Mensch. Die Legende von Leichengiften stammt aus der Pest- und Pockenzeit. Sie wird von Zerstörern immer und immer wieder überliefert, weil Nestbeschmutzer keinen korrekten Spiegel ertragen können. Die Branche hat effektivste Regulative nicht abgeschafft. So ist es nicht möglich, Müll, Plastik, oder giftiges Verpackungsmaterial mit einem Leichnam auf einem Friedhof zu vergraben. Es ist nicht möglich, giftigen Müll, am Amtsarzt vorbei, in Särgen zu verbrennen. Die Medien würden das sehr schnell erfahren, weil die Wertegesellschaft eben doch noch existiert. Noch ist es äußerst unmoralisch und auch unethisch, einen Verstorbenen in Müllhaufen zu betten. Immer da, wo Werte abgeschafft werden, öffnen sich die Türen für kriminelle Energien. Menschen sollten also sehr behutsam mit Worten zum Thema Bestattungen umgehen. "Das ist doch alles Geldschneiderei!" Dieser Satz leuchtete vielen Menschen unglaublich schnell ein. Dieser Satz vergiftet die ganze Welt. Er ist immer der Entwerter von Kultur und Tradition. Er animiert zur Plastikvermüllung, weil die so billig ist, zu Billigfasern in Särgen, zu Pappsärgen, die Kamine verschlacken, zum Billigsprit, der die Luft verpestet. Er propagiert Billiglöhner, die mit wertvollen Dokumenten hantieren sollen, die Tag und Nacht arbeiten sollen, bis man sie ganz abschafft: "Das kann ich doch auch alleine machen." Am Ende sind dann natürlich die Flüchtlinge schuld. Warum? Weil eine Wertegesellschaft, die Traditionen pflegt und nur deshalb Verantwortung übernimmt, abgeschafft wird. Die Welt ist nur deshalb komplett verstellt, weil sie aus vielen Zusammenhängen gerissen wurde, durch Hohn und Spott krankhafter Menschen. Ich kann es nicht gesund finden, wenn traditionelle Handwerker in Deutschland erfolgreich ausgelacht und ausgerottet wurden, um heute einen Fachkräftemangel zu bejammern. Die wirtschaftspolitische Formel lautete über Jahre: "Das kann doch jeder!" Wer anderen eine Grube gräbt…

Unauffällige Demontagen

Ich achte seit einigen Jahren auf Veränderungen in der Politik und im Journalismus. Die meisten Menschen, die ich anspreche, sind in einem Gedankenmechanismus gefangen. Neue Fragen, neben fragwürdigen Umfragen, werfen Menschen aus diesem Mechanismus heraus: "Na! Was hast Du gestern geträumt?" Die Reaktion ist meist ein schockartiges Erwachen, das in ein Lachen mündet. Verkürzungen können diesen Mechanismus nicht unterbrechen. Auf den täglichen Abschiedsgruß Tschüss folgt meist ein trainiertes Wünsche ich Dir auch! Einen schönen Tag hatte ich mit dem Tschüss noch nicht gewünscht. Mechanismen sind gefährlich, weil sie Umdeuter auf den Plan rufen. Diese Umdeuter, die kein Interpretationstalent haben, deuten das Interpretierte, das Gesagte. Deuter spielen Hellseher. Er/sie/es meinte…Deuter behaupten, weil sie davon überzeugt sind, dass sie Wahrsager sind. Er/sie/es wollte das aber sagen…So werden Fakten demontiert. Der ehemalige Bundeskanzler, Herr Schröder, wird bis heute Altkanzler genannt. Das ist eine unauffällige Dauerdemontage des weiblichen Kanzlers, Frau Merkel. Gleichermaßen wird der ehemalige Kanzler, den man durch das Wort Altkanzler im Amt hält, unauffällig demontiert. Herr Schröder mit Putin in der Sauna. Herr Schröder erscheint nicht bei der Trauerfeier von Herrn Chirac. (Ehemalige Kanzler brauchen dringend eine Einladung. Andernfalls gehen sie nicht zur Beerdigung Ihrer großen und verehrten und geküssten Freunde. Sie müssten zudem die Limousinen und die Sicherheitsvorkehrungen selbst finanzieren. Erst nach der Trauerfeier stellt sich heraus, dass der ehemalige Kanzler sogar eine Tischreservierung hatte.) Herr Schröder und die Medien, die Meldung machen. In der ZEIT ONLINE bespricht man heute auch Brigitte-Themen: Sexualität. Das demontiert die Gräfin. Die ZEIT veranstaltet auf Instagram Petrapuppen-Umfragen - sinngemäß: "Könntest Du mit einem Seitensprung leben?" Das ist keine Umfrage. Das ist eine Obduktion, eine Sektion der Gefühle. Die Liebe der Menschen wird mit schlicht dummen Fragen demontiert. Diese Frage schleicht sich ein und pflanzt das Misstrauen. Die Antworten darauf sind bereits Antworten von Kopflastigen, die ihre Formen der Duldung erklären; die Wege erklären, wie sie mit Lügen und Betrügereien umgehen würden, um eine Beziehung mit faulen Kompromissen zu ersticken. Sie nennen es Toleranz. Es sind Kommentare von Menschen, die nur noch tolerant sein dürfen. Sie haben gelernt, sich selbst zu überreden, sich selbst zu bequatschen. Die Emanzipation wird unauffällig demontiert. Bei den Mieten dürfen sich Paare eh nicht mehr trennen. Im Jahr 2015 warnt der Pfarrer, Joachim Gauck, vor einem "Dunkeldeutschland" in der Flüchtlingskrise. Er pflanzt einen Begriff der Rassisten um. Dunkeldeutsche waren, bis in die 80er Jahre, die Gastarbeiter. Man nannte sie auch "unsere dunkelhaarigen Mitbürger". Eine Demontage ist immer absurd und neben der Spur. Menschen fragen sich, warum Frauen bei der ZEIT in der Chefredaktion sitzen und derartige Umfragen starten. Das macht zunächst keinen Sinn. Ein angeblich demokratischer Pfarrer, der üble Worte kreiert, macht keinen Sinn. Demontage ist immer sinnlos, ist immer undemokratisch. Demokraten führen Menschen in die Veränderung. Da dies in Deutschland ausfällt, erkennt man diktatorische Strukturen. Die Mitte duldet nie einen rechten oder linken Flügel. Aus genau dieser Demontage entstehen Diktaturen. Dieses Land konstruiert Abhängigkeiten. Es schafft Hilfsarbeiter durch demontiertes Bildungssystem. Es bremst Gewinnabsichten durch Progression. Es befördert die Löhne nach unten und Paare in die ewige Zweisamkeit der geduldeten Seitensprünge. Die 6 Träger bei der Beerdigung von Herrn Chirac trugen den Sarg auf ihren Schultern. Wenn ein Mensch geschultert wird, erweist man ihm damit die größte Ehre. In Berlin machen das zum Beispiel die Hells Angels, wenn ein Familienmitglied stirbt. Die Frage der Demonteure liegt hier klar auf der Hand und muss nicht gestellt werden. Die Deutung der Wahrsager liegt ebenfalls klar auf der Hand.

Falsche Nachrichten - Erbschaft

So ziemlich jeder in meinem Alter kannte die Anzeigen in Tageszeitungen: "Wir suchen die unbekannten Erben von…" So ziemlich jeder in meinem Alter weiß, dass der Staat erbt, wenn man kein Testament hat, wenn man keine Familienmitglieder hat, wenn man ein Bankonto hat. Das BGB benennt das ebenso einfach. Praxis: Das Nachlassgericht erhält eine Sterbeukunde. Es setzt einen Nachlasspfleger ein. Das sind heute nicht mehr nur Anwälte. Dieser Nachlasspfleger, Nachlassbetreuer kümmert sich um die Auflösung einer Wohnung, sichert Barmittel, Kunstgegenstände, ermittelt Konten, sichtet Rechnungen, die bezahlt werden müssen. Sollte nach einer Nachlassauflösung ein Guthaben auf einem Bankonto verbleiben, erbt der Staat, sollten nicht doch noch Erben ermittelt werden. Hier haben Menschen in Amt und Würden die unbedingte Pflicht, dieses Fremdgeld akribisch zu verbuchen und ebenso akribisch zu verwalten - möglichst auf einem politischen Fremdgeldkonto. Genau deshalb werden Menschen verbeamtet. Eines Tages könnte Deutschland demokratisch entscheiden, was mit dem Geld passieren soll: Der Bau von Schulen, Altenheimen, Spielplätzen, Sozialwohnungen, der Bau von grünen Oasen. Heute lese ich im Handelsblatt folgende Meldung: "Bis zu neun Milliarden Euro schlummern auf herrenlosen Bankkonten…Das Geld verwaister Bankkonten fällt bisher nach 30 Jahren an die Banken. Ein Verein will, dass es künftig in einen Fonds fließt. Auch Politiker können dem Vorschlag etwas abgewinnen." Mittlerweile haben also Banken die Aufsicht über die staatliche Erbmasse. Das passiert, wenn Politik und Banken heiraten. Die Banken sagen: "Tja. Bei uns hat sich kein Amtsgericht gemeldet." Die Politik sagt: "Das Geld liegt doch bei den Banken. Das hätte man uns doch sagen müssen." Die Amtsgerichte sagen: "Wir haben bis zur Anhäufung von neun Milliarden Euro nicht gewusst, wie wir ein Konto eröffnen; und wen wir um Erlaubnis fragen müssen." Der Artikel ist gar nicht gut, denn Medien machen keine Gesetze. Schlampig fällt unter den Tisch, wie viele Zinsen auf neun Milliarden Euro entfallen. Was machen Banken 30 Jahre mit toten Konten? Warum wurden tote Konten nicht von jenen Banken bei den Amtsgerichten gemeldet? Wie viele Lebensversicherungen (Sterbegeldversicherungen) wurden abgeschlossen und nie aufgelöst. Wer hat das akribisch zu überprüfen? In Berlin wird die gründliche Arbeit, zu der sich Beamte verpflichtet haben, aufgelöst. Richter haben laut Spiegelartikel Nebenjobs. Kürzlich rief mir der verbeamtete Friedhofsverwalter eines städtischen Paradefriedhofes zu: "Ach, Sie sind doch ein Arschloch. Sie haben doch was genommen." Ein Mann, der sich selbst in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hat, der jede erdenkliche Form verlassen hat, der jede minimale Kleiderordnung missachtet, der eine Trauerfeier durch fehlende und falsche Musik verdirbt, darf mich Arschloch nennen, denn Medien berichten seit Jahren über den "Berliner Filz". Die Grünen wollten dem "Berliner Filz" vor Jahren "den Kampf ansagen". Ich finde städtisch politische Wohnzimmer geschmacklos. Ich finde es über die Maße respektlos, wenn ich zum Amtsgericht bestellt werde, demoliert unlackierte Türen vorfinde, die Tür zum Richter öffnen möchte und die Klinke der Tür in der Hand halte. In meinen ärmsten Kindheitserinnerungen war meine Familie fähig, eine Türklinke zu befestigen.

Am Ende wohnt eben doch ein Anfang

"Hallo, Frau Marschner. Haben Sie 5 Minuten? Störe ich Sie?" Eine seriöse Tageszeitung meldet sich bei mir. "Wir machen im nächsten Monat eine Sonderausgabe zum Totensonntag. Wir würden Ihnen gerne interessante Platzierungsmöglichkeiten anbieten - mit einer Werbeanzeige - online oder Printmedium. Würde Sie das interessieren?" Grundsätzlich nicht. Ich stelle wenige Gegenfragen: "Kann meine Werbung online über ihre Seite laufen - wie ein Newsticker?" Die Dame aus der Anzeigenabteilung verneint. Warum wusste ich das vorher? Ich frage weiter: "Wäre es möglich, dass sich meine Werbung aufklappt, sobald ein Zeitungsleser die Seite X aufschlägt?" Die Dame aus der Anzeigenabteilung verneint das. Warum wusste ich das vorher? Ich stelle eine letzte Frage: "Wäre es möglich, dass ihre Zeitung eine Seite doppelt druckt und verleimt, Leser dann an einer Lasche ziehen, um, völlig überrascht, meine Firmenbotschaft zu erhalten?" Die Dame aus der Anzeigenabteilung verneint, zieht aber plötzlich ein As aus ihrem Ärmel: "Sie erreichen mit einer einzigen Anzeige 250.000 Leser und Leserinnen." Siegessicher lässt sie ihre Touché-Stimme verklingen. So derart viele Kunden möchte ich nicht bedienen! Ich hinterfrage ihr As, das sie aus ihrem Ärmel zog: "Wie kommen Sie darauf, dass ich jeden Menschen bedienen möchte? Wie kommen Sie darauf, dass ich eine Einheitsbestatterin für 250.000 Menschen sein möchte? Wie genau kennen Sie ihre Leser, da Sie für mich Hinterbliebene generieren wollen? Stellen Sie sich mal vor, meine Anzeige schlägt wie eine Bombe ein - und nach dem Totensonntag stehen 250.000 Menschen vor meiner Tür? Sie quetschen sich an meiner Terrassenmauer, erdrücken sich. Menschen werden über Menschen klettern, um mich zu erreichen. Das kann ich nicht verantworten. Das artet am Ende wie die Loveparade in Duisburg aus." Die Dame aus der Anzeigenabteilung gluckst: "Nein. Das wird nicht passieren!" Innerhalb von Sekunden mutiert mein Gegenüber zur Wahrsagerin, zur Prophetin. Ihr Produkt muss - auf Teufel komm raus - verkauft werden. Warum eigentlich? Ein wirklich wahrhaftiges Ende ist immer so dermaßen ernüchternd, dass man sich in die ausgebreiteten Arme des neuen Anfangs wirft. Der Anfang hat geduldig gewartet. Er war immer anwesend. Dieses tiefe unausgesprochene JA formuliert sich durch ein schlüssiges NEIN.

Die Treppe

1935 skizzierte Kurt Tucholsky in seinem Sudelbuch eine Treppe. Die erste Stufe beschrieb das Sprechen. Die zweite Stufe beschrieb das Schreiben. Die dritte Stufe beschrieb das Schweigen. Er war fertig mit Deutschland. Er wollte seine Muttersprache nicht mehr sprechen. In einem politischen Brief schrieb er: "Mein Leben ist mir zu kostbar, mich unter einen Apfelbaum zu stellen und ihn zu bitten, Birnen zu produzieren. Ich nicht mehr. Ich habe mit diesem Land, dessen Sprache ich so wenig wie möglich spreche, nichts mehr zu schaffen. Möge es verrecken – möge es Rußland erobern – ich bin damit fertig.“ Am 20. Dezember 1935 nahm er in seinem Haus in Hindås eine Überdosis Tabletten. Er verstarb am 21. Dezember. Kurt Tucholskys Asche wurde im Sommer 1936 unter einer Eiche im schwedischen Mariefred bestattet. 1923 schlug er in einer Satire folgenden Grabspruch für sich vor: >>Hier ruht ein goldenes Herz und eine eiserne Schnauze - Gute Nacht __!<< Tatsächlich steht auf seiner Grabplatte >>Alles Vergängliche Ist Nur Ein Gleichnis<<. Kurt Tucholsky war kein Hobby-Linker. Er war ein Berliner. Er war nicht verkleidet. Er war Kurt. Irgendjemand muss ihn Kurt genannt haben. Für mich ist er ein wichtiges Vorbild. 1911 zog er für die SPD in den Wahlkampf. Er hat im Kern einen lahmen Apparat entlarvt. Er wollte die Arbeiter in der Klassengesellschaft aktivieren. Er hat gegen ein mächtiges Phlegma angeschrieben, dann sah er die schwarzen Wolken kommen - und niemand nahm ihn wirklich ernst. Ein Berliner verlässt Deutschland. Er möchte seine Sprache nicht mehr sprechen. Daran erkennt man, dass Berlin noch nie Deutschland war. Berlin war immer ein autonomer Organismus. Mir ist kein Mensch in der Geschichte bekannt, der eine derart intensive Aversion für seine Heimat empfunden hat. Kurt Tucholsky ging! Er blieb nicht in Deutschland. Dieser Schritt gibt seinem Satz überhaupt erst seinen tiefen Sinn. Das unterscheidet ihn von kapriziösen Modelinken, die tatsächliche Demokratie anziehen, wie eine Jacke, seinen Satz manipulieren und ausschließlich sagen: "Deutschland verrecke!" Modelinke sind der Grund, warum Kurt Tucholsky ging. Journalistinnen sollten dringend darüber nachdenken, was dieses Künast-Hauptstadt-Urteil unter einem weiblichen Kanzler (männlich nicht weiblich) meint. Journalisten sollten dringend darüber nachdenken, was dieses Künast-Hauptstadt-Urteil, schriftlich ausformuliert von einem Landgericht, das Hans Litten ein Denkmal gesetzt hat, meint. Alle könnten darüber nachdenken, warum ein Berliner, der zu den heutigen Proleten gehören würde, den man im Radio dümmliche Nebenrollen geben würde, in denen er berlinernd beweisen könnte, dass er der deutschen Sprache nicht mächtig ist, ein Regime aufzuhalten in der Lage war. Warum verehren Deutsche einen Menschen, der seine Muttersprache nicht einmal mehr ertragen konnte? Fragt die Kids um Greta. Sie haben ihn verstanden. Fragt Handwerker, die von Finanzbehörden wie Verbrecher überprüft werden. Fragt das staatliche ZDF, warum eine Willkomenskultur propagiert wird; und in diesen Tagen in der ZDF info (Instagram) Adolf Hitlers Bewunderung für den Islam besprochen wird. All das geschieht unter einem weiblichen Kanzler! Auf der Tucholsky-Treppe stand Frau Merkel immer auf der dritten Stufe. Barack Obama, ein Mann aus Amerika, hat junge deutsche Unternehmer in München ermuntert, sozial zu wirtschaften. Der weibliche Kanzler kann das nicht. Heute ist die Grabplatte Tucholskys wahrhaftiger als der gesamte deutsche Staatsapparat. Gute Nacht!

Deutsche Einheit

Ich hatte keine Lust, die deutsche Einheit zu feiern, da Medien um die tiefe Spaltung des Landes wissen, die sie, wie Gurus, verkünden. Ich dachte allerdings über die Zeit vor dem Mauerfall nach. Ich dachte an die Reisen in die damalige DDR. Meine Oma und ich fuhren oft nach Thüringen. Als Kind hatte ich lange, lockige Haare. In Thüringen erkannten mich Menschen als Mädchen. Im Westen sprachen pikierte Menschen meine Oma oft an: "Kann man dem Jungen nicht mal die Haare schneiden?!" Wenn wir in die DDR reisten gab es eine Kleiderordnung. Amerikanische Kleidung, wie Jeans und Mickey Mouse-Shirts, galt als Provokation. Mir war schnell klar, dass Kleidungsstücke provozieren können. Auf einer unserer Reisen trug ich ein T-Shirt mit dem Aufdruck: "Ich bin eine Nordseekrabbe." Dieses Shirt provozierte nicht, denn ich konnte stolz erzählen, dass ich mit meiner Mutter und mit meiner Schwester an die Nordsee gereist war. Ich konnte von dem Krabbenfänger Enno erzählen, der uns zum Krabbenfang mitnahm, der uns zeigte, wie man Krabben puhlt und wie man Krebse richtig in der Hand hält. Ost und West waren sich immer dann einig, wenn ich erzählte, dass Enno uns nur mitnahm, um meiner Mutter zu imponieren. Dieser Teil meiner Geschichte wurde mit einem gespielten Lachen gestoppt; und ich wusste, dass man Warheit nicht aufdecken darf. In der DDR gefielen mir die Frauen. Sie waren so anders. Sie durften Kranführerinnen werden, sie durften Lokomotivführerinnen werden. Niemand tuschelte über sie. Niemand sagte: "Das müssen wohl alles Lesben sein, die so einen Beruf ausüben." Viel später sah ich Berichte über kubanische Frauen, die stolz über sich erzählten. Ihr Humor erinnerte mich an die Frauen aus Berlin und an die Frauen aus der DDR. Zeug war nicht wichtiger als der Mensch. Die Ofenheizung machte schmutzige Finger und glücklich gebadete Kinder. Die Börse war kein Thema. Sie lag im fernen Amerika. Das alte wertvolle Geld wurde nicht geteilt. Politiker waren ferne elitäre Wesen. Sie waren so fern, dass sie keine Kritik hören konnten. Die Abhörmethoden waren durchschaubar und abstellbar. Ulrike Meinhof musste 600,—DM Strafe bezahlen, weil sie Franz Josef Strauß einen infamen Politiker nannte. Ich wusste als Kind also schon, dass Richter kluge, klare und objektive Köpfe waren, denn immerhin war Ulrike Meinhof eine Journalistin, die den Staat effektiv kritisierte. Subjektive Richter hätten ihr 5000,—DM aufgebrummt. Der Westen wurde seit 1980 extrem mit Psychoanalysen und Esoterik geflutet. Ein Verhängnis, denn jeder war plötzlich Buddhist. Jeder war plötzlich Psychologe. Jeder klugscheisste - immer über das Leben der anderen. Jeder esoterische Ökologe umarmte einen Baum; und jeder esoterische Ökologe war sich zu fein, ihn zu gießen. Echte Buddhisten waren äußerst achtsam. Sie sagten eines Tages sehr deutlich: "Lebt Eure eigene Religion." Buddhisten sagten mir etwas - allein durch ihre Anwesenheit. Ein Leben ohne Gurus scheint aus dem Westen eine peinliche Hülle ohne Inhalt zu machen. Menschen aus der ehemaligen DDR kommen ohne Religion besser klar - obgleich sie bei einem Trauerfall länger trauern. Hier könnte echte Religion tragen. Die Kirchen ziehen sich erfolgreich blind zurück. Die Gay Community in Berlin war die letzte Gemeinschaft, die Kirche aufwecken konnte. Dialoge um Aids, Seelsorge, Gründung der Kirche positHIV…und dann streichte die Kirche Stellen in Millionenhöhe. Sie fiel zurück in ihren satten Schlaf. Spirit ist eine Währung! In Amerika ist jeder ein Guru. Jeder amerikanische Schaupieler ist ein Guru: Denzel Washington, Matthew McConaughey, Ronald Reagan. Jeder Erfinder ist ein Guru: Steve Jobs, Bill Gates. Bezos und Buffet? Gurus. Der Westen dreht komplett durch. Einfache Wandersleute nennt man in Deutschland heute Wanderpäpste. Esoterischer Journalismus birgt Gurus. Jene esoterischen Gurus schreiben über das Urteil zum Fall Renate Künast. Sie nennen es handwerklich schlecht. Die Verdrehung ist immer eine bodenlose Frechheit; und jeder Handwerksbetrieb muss diese Unverschämtheit deutlich klarstellen. Muslime in Deutschland sagen mir etwas - allein durch ihre Anwesenheit. Sie decken die peinlichen Esoteriker auf, die peinlichen Mitläufer, die peinlichen Verkleidungssüchtigen in der Politik. Happy Einheit.

Kulturputschisten

Deutsche sind Kulturputschisten im eigenen Land. Sie haben keinen Standpunkt. Sie wissen also nicht, wo sie stehen. Die heutige Wies´n. Grauslig. Kein Mensch in Deutschland könnte sagen, warum die Wies'n zünftig gefeiert wird. Journalisten wissen es natürlich. Claudia Effenberg hat die Wies'n erfunden, um ihre Dirndl verkaufen zu können. Christian Lindner geht zur Wies'n, weil Patrick Lindner singen kann. Sogar Rammstein geht zur Wies'n, weil die Lederkracher aus Hirschleder das Image pflegt. Kracher und Rocker machen Schlagzeile. Herr Bosbach geht auch zur Wies'n, weil die Maß eine Hommage an den Heiko sein könnte. Kein Deutscher weiß, warum sich Frauen auf ein Teufelsrad setzen, das sich überhaupt nicht diabolisch dreht. Irgendjemand muss doch die Wies'n ins Leben gerufen haben. Warum auch immer….kein Mensch weiß es ohne Google. Geschichte beginnt immer mit: "Es war einmal…" War es ein Bauer, der eine gute Ernte einfuhr und zu seiner Frau sagte: "Mei, Schatzl…heut im Monat Oktober machen wir ein recht ein großes Fest. Hol die großen Gläser aus dem Schrank. Heut halten wir kein Maß nicht ein." Die doppelte Verneinung ist meine liebste deutsche Kultur. Mit diesem glücklichen Satz marschierten (journalistische Sprachkultur der deutschen Unterhaltungsbranche) die Kulturputschisten aus allen deutschen Städten zur Wies'n. Trinkfestigkeit stürmt das Käferzelt. Heinos Frau im Dirndl. Boris Beckers Frauen im Dirndl. Thomas Gottschalk mit Werbung auf seinem T-Shirt. Oliver Pocher in einem Jankerl - wahrscheinlich von Palomino. Auf der Seite der Wies'n gibt es die Wies'n FAQs. >>Was Ihr wissen müsst!" Das Herzerl zuckt, weil eine Kulturbeschreibung zu erwarten ist: Von Geldautomat über Gepäckaufbewahrung bis Wies'n Post. Die Kulturputschisten sind überall. Das ist keine Verschwörungstheorie. Das sind schunkelnde Fakten, die nicht wissen, warum sie trinkend schunkeln. Das erinnert an Bitcoin Trading. Im Fahrgeschäft können Kulturputschisten nicht erklären, warum sie im Fahrgeschäft sind. "Macht Spaß.", ist keine kultivierte Erklärung. Das sagen alte deutsche Männer in silbernen Paillettenjacken, die das Showgeschäft bestimmen. In den Medien geht es nicht um ein Kulturfest. Es geht um Frau Katzenberger, um die Anzahl der Diebstähle, um alkoholisierte Zwischenfälle. Ich liebe türkische Hochzeiten. Sie bleiben tradiert - egal in welchem Land sie gefeiert werden. Selbstverständlich sind Geflüchtete, also Menschen aus Krisengebieten, keine Kulturputschisten. Eine Kultur, die zerstört wird, ist nicht mehr plausibel erklärbar. Es handelt sich nur noch um schräge Unterfangen.